Politische Traumatisierung: Folter, Verfolgung, Forced Migration und Möglichkeiten therapeutischer Hilfe – Vorbemerkungen zum Band

Hier können Sie den Artikel „Politische Traumatisierung: Folter, Verfolgung, Forced Migration und Möglichkeiten therapeutischer Hilfe – Vorbemerkungen zum Band“ von Birgit Möller, Antonio Morten und Freihart Regner aus dem Jahr 1999 herunterladen:

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Den Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Politische Psychologie, Jg. 7, 1999, Nr. 1+2, S. 3 – 8

Die Zusammenfassung des Texts können Sie hier lesen:

Bilder von Flüchtlingstrecks, Sammellagern, Notleidenden, Massengräbern, Bombardierungen, Ruinen etc. sind in den Medien jüngst wieder täglich zu sehen. Was während des Kosovo-Krieges stark an die Öffentlichkeit getragen wurde, spielt sich seit Jahrzehnten immer wieder in vielen Ländern der Welt ab: Bürgerkriege, Verfolgung, „Verschwindenlassen“, Vertreibung, Vergewaltigung, Massenmord, politische Gewalt und Folter zwingen nach Schätzungen von amnesty international weltweit über 15 Millionen Menschen, in anderen Ländern Zuflucht zu suchen, da der eigene Staat ihnen keinen sicheren Schutz gewähren kann (ai, 1997). Die Zahl der Flüchtlinge ist in den letzten Jahren stetig angestiegen, unzählige Menschen hoffen in fremden Ländern auf Asyl.
Dennoch verweigern breite Teile der Gesellschaft und auch Regierungen, dieses Problem und seine langfristigen Folgen angemessen zur Kenntnis zu nehmen: Der Mehrzahl der Schutzsuchenden wird ihr Asylantrag abgelehnt, oder sie finden aus anderen Gründen bei uns keine Aufnahme. Obwohl amnesty international beispielsweise schon seit über zehn Jahren auf die im Kosovo verübten systematischen Menschenrechtsverletzungen an der albanisch-stämmigen Bevölkerung hingewiesen, der internationalen Gemeinschaft sorgfältig dokumentierte Berichte vorgelegt und vor einer katastrophalen Eskalation des Konfliktes gewarnt hat, wurde die Situation in den Lageberichten des Auswärtigen Amtes verharmlost, Flüchtlinge bis in den März 1999 hinein weiter in jene Region abgeschoben. Zu Beginn des Krieges wies Außenminister Fischer daraufhin, daß die systematische serbische Verfolgung gegen die Albaner bereits seit 1992 betrieben wird. Das hätte zur Folge haben müssen, den Kosovo-Albanern Asyl zu gewähren. Innenminister Schily ordnete daraufhin beim Bundesamt zur Anerkennung von Flüchtlingen einen Entscheidungsstopp an, so daß diese Flüchtlinge fortan lediglich eine befristete Duldung erhielten; sie müssen in Unsicherheit leben und können jederzeit abgeschoben werden.

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