Politische Traumatisierung in der ehemaligen DDR/SBZ und ihre Verarbeitung im (post)traumatischen Raum des wiedervereinigten Deutschlands

Hier können Sie den Artikel „Politische Traumatisierung in der ehemaligen DDR/SBZ und ihre Verarbeitung im (post)traumatischen Raum des wiedervereinigten Deutschlands“ von Stefan Trobisch-Lütge aus dem Jahr 2006 herunterladen:

n2006trobisch

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Politische Psychologie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 171-189

Die Zusammenfassung des Texts können Sie hier lesen:

Es wird von 300 000 politisch Verfolgten in der ehemaligen DDR/SBZ ausgegangen, die Opfer von Verfolgung, Inhaftierung und „Zersetzung“ geworden sind. Besonderheiten in der Psychodynamik der Verfolgten – in Hinblick auf eine partielle „Reinfantilisierung“ durch das repressive Täter-Opfer-Verhältnis, aber auch in ihrem Bewältigungsverhalten – verweisen auf einen engen Bezug zwischen der individuellen seelischen Problematik und der gesellschaftlichen Reaktion. Viele ehemals Verfolgte sind durch das teilweise zunehmende Bagatellisieren des DDR-Unrechts und gewisse geschichtsrevisionistische Tendenzen im wiedervereinigten Deutschland von einer Reaktivierung des Traumas bedroht. Die Folgen von Traumatisierung in der ehemaligen DDR sind im „(post)traumatischen Raum“ des wiedervereinigten Deutschland nur eingeschränkt individuell verarbeitbar. Die einst Verfolgten benötigen vielmehr eine offene, die Gesellschaft einbeziehende Auseinandersetzung um die Hypothek des SED-Unrechtsregimes.

Political traumatisation in the former GDR/Soviet zone of occupation and how it has been dealt with in the (post)traumatic space of reunified Germany.
In the former GDR/Soviet zone of occupation the number of those who were politically persecuted, imprisoned and „taken apart“ is put at 300 000. Specific aspects of the psychodynamics of the victims – with respect to a partial „reinfantilisation“ resulting from the repressive perpetrator-victim relationship, as well as their manner of coping with the trauma – point to a close link between the individual emotional difficulties and societal reaction. Many former victims of persecution are threatened with a reactivation of the traumatisation triggered by the partially increasing trivialization of the injustices of the GDR as well as certain historical revisionist tendencies in reunified Germany. The consequences of traumatisation in the former GDR can only be partially dealt with in the ‚(post)traumatic space’ of the reunified Germany. Of far more importance for the victims is an open discussion in the society of the historical burden inherited from the SED regime.

 

Share