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Pressemitteilung der BafF zu tödlichem Polizeieinsatz in Dortmund

In der fol­gen­den Stel­lung­nahme, die mit­tler­weile von zahlre­ichen anderen Organ­i­sa­tio­nen mit unterze­ich­net wurde, äußert sich die Bun­desweite Arbeits­ge­mein­schaft der psy­chosozialen Zen­tren für Flüchtlinge und Folteropfer zur Tötung eines Jugendlichen durch Polizeikräfte in Dort­mund am 9. August 2022:

BafF-Stel­lung­nahme-August-2022_0816

Weit­ere Details zur Stel­lung­nahme sowie die aktuelle Liste der Mitun­terze­ich­nen­den kön­nen auf der Web­site der BafF-Zen­tren einge­se­hen wer­den: https://www.baff-zentren.org/

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Die türkische Ärztin Benan Koyuncu konnte ihre Arbeit wieder aufnehmen

Wie die Human Rights Foun­da­tion of Turkey (HRFT), mit der unser Net­zw­erk in engem Aus­tausch ste­ht, mit­teilt, kon­nte die Ärztin und Men­schen­rechtsvertei­di­gerin Benan Koyun­cu ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Benan Koyun­cu ist Notärztin, Mit­glied der Ärztekam­mer Ankara (ehe­ma­liges Vor­standsmit­glied) und ehre­namtlich­es Mit­glied der HRFT. Am 29. Okto­ber 2021 wurde sie durch das türkische Gesund­heitsmin­is­teri­um von ihrer Arbeit am Çankırı State Hos­pi­tal sus­pendiert. Begrün­det wurde dies mit dem all­ge­meinen Vor­wurf der “Verbindung, Zuge­hörigkeit oder Mit­glied­schaft zu ter­ror­is­tis­chen Organ­i­sa­tio­nen”, ohne dass dafür eine nachvol­lziehbare Grund­lage vor­lag. Zuvor hat­te es bere­its zwei weit­ere willkür­liche Ver­suche gegeben, sie von ihrer Arbeit als Ärztin abzuhalten.

Erfreulicher­weise kann die HRFT mit­teilen, dass Benan Koyun­cu am 8. März 2022 ihre Arbeit wieder aufnehmen kon­nte, nach­dem das zuständi­ge Ver­wal­tungs­gericht in einem vor­läu­fi­gen Urteil entsch­ied, dass keine Grund­lage für die Anschuldigun­gen vorlag.

Das Amnesty-Heil­berufe-Net­zw­erk freut sich mit der HRFT über den Erfolg und unter­stützt deren Forderun­gen alle willkür­lichen Ver­fol­gun­gen von Menschenrechtsverteidiger*innen in der Türkei unverzüglich zu beenden.

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Ein ukrainischer Psychiater, der von AI adoptiert wurde, erinnert sich an seine Erfahrungen im Gulag

Vor eini­gen Monat­en ent­deck­te ich ein Buch, auf das ich Euch aufmerk­sam machen möchte und damit auf den Autor, den ukrainis­chen Arzt und Psy­chi­ater Dr. Semy­on Gluz­man. Er wurde 1977 als poli­tis­ch­er Gefan­gene als Fall von AI Lon­don anerkan­nt und von unserem 1979 gegrün­de­ten AI Arbeit­skreis Ärzte — Psy­cholo­gen, zu dem ich gehörte, betreut.

Das Buch heißt “Angst und Frei­heit, vom Über­leben eines ukrainis­chen Psy­chi­aters im Gulag“ und erschien 2020 im Mabuseverlag.

Heute, da die Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tion Memo­r­i­al, unter anderem von Andrej Sacharow gegrün­det, in Moskau ver­boten wurde und viele sein­er Mit­glieder ver­haftet wur­den, scheint es mir beson­ders wichtig, an diese Dis­si­den­ten von damals, ihre Aufk­lärungsar­beit, ihr Schick­sal, ihre unbeugsame Hal­tung, ihren Mut und vieles andere zu erin­nern und evtl. Bezüge zur gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion  zu ziehen.

Semy­on Gluz­man wurde 1946 in Kiew geboren, studierte Medi­zin und wurde Psy­chi­ater. 1971 wurde ihm eine Stelle an der  berüchtigten psy­chi­a­trischen Son­der­anstalt in Dne­jpropetrowsk ange­boten, welche er ablehnte, da er wusste, dass dort gesunde Men­schen auf­grund ihrer poli­tis­chen Ansicht­en „behan­delt“ wurden.

Im Mai 1972 wurde Dr. Gluz­man in Kiew ver­haftet und wegen „anti­sow­jetis­ch­er Agi­ta­tion und Pro­pa­gan­da“ zur Höch­st­strafe von 7 Jahren Besserungsar­beit­skolonie und 3 Jahren Ver­ban­nung verurteilt. Im Prozess wurde ihm vorge­wor­fen, die Nobel­preisrede von Albert Camus, einen Artikel von Hein­rich Böll aus der Zeitschrift „Reporter“, den „offe­nen Brief an den Schrift­stellerver­band der UDSSR“ von Arkady Belinkov in seinem Besitz gehabt zu haben.

Der eigentliche Grund aber war ver­mut­lich, dass er einen „Gerichts-psy­chi­a­trischen Bericht in absen­tia im Fall von Petro Grig­orenko“ geschrieben hat­te. Grig­orenko (1921–1987) war ukrainis­ch­er Kom­man­dant in der sow­jetis­chen Armee, kri­tisierte aber schon früh die poli­tis­che Führung der SU und war Mit­be­grün­der der Men­schen­rechts­be­we­gung. Er kam von 1969 bis 1974 in die Psy­chi­a­trie und sollte als „geisteskrank“/schizophren erk­lärt werden.

Gluz­man sollte 1971 dazu ein Gutacht­en schreiben, attestierte Grig­orenko allerd­ings in diesem Gutacht­en völ­lige geistige Gesundheit.

Ab 1972 ver­büßte S. Gluz­man seine Strafe im Lager bei Perm. 1974 kam auch Vladimir Bukows­ki in dieses Lager und mit diesem zusam­men schrieb er 1975 das „Hand­buch der Psy­chi­a­trie für Dis­si­den­ten“, in dem Ratschläge für Dis­si­den­ten im Umgang mit Psy­chi­atern gegeben wurden.

Diese Schrift und viele anderen Berichte über seine Lage, über die Ver­höre, die Umstände im Lager, die Arbeits­be­din­gun­gen, Hunger­streiks, das Schick­sal und die Beschrei­bung einzel­ner Mit­ge­fan­gener wie des Dichters Vasyl Stus, des Dis­si­den­ten Valery Marchenko und ander­er, sein Nach­denken über Angst und Frei­heit, wur­den aus dem Lager geschmuggelt, natür­lich unter höch­ster Bedro­hung, und gelangten über Samis­dat und Tamis­dat in den Westen.

Es hat mich sehr berührt und auch aufgewühlt, im oben erwäh­n­ten Buch nun Artikel, Briefe, Appelle, Gericht­surteile, Gedichte etc. abge­druckt zu lesen, die ich während der Betreu­ung des „Fall­es Gluz­man“ in x‑mal kopiert­er Form, manch­mal kaum mehr les­bar, bekom­men hat­te und bis heute auf­be­wahre. Ich habe mich damals oft gefragt, wie denn diese ganzen Berichte über­haupt den Weg aus dem Lager und dann in die Welt geschafft haben — nun, jet­zt im Buch wird dies beschrieben…und der let­zte Artikel darin ist ein Dank an die „muti­gen Frauen“, die bei Besuchen die kost­bare Fracht über­nah­men und für ihre Ver­bre­itung sorgten.

Diese Berichte waren die Voraus­set­zung dafür, dass der West­en über den Miss­brauch der Psy­chi­a­trie in der SU über­haupt erst erfuhr – lei­der wurde dies, wie Hart­mut Berg­er im Vor­wort des Buch­es beschreibt, ger­ade von den Vertretern der Reformpsy­chi­a­trie in Deutsch­land erst ein­mal weit­ge­hend ignoriert.

Diese Hal­tung habe ich, als junge Psy­chi­a­terin, bei meinen Aktio­nen für Semy­on Gluz­man, lei­der auch öfters erlebt. Viele kon­nten und woll­ten sich diesen Miss­brauch der Psy­chi­a­trie in der SU ein­fach nicht vorstellen.

Aber es gab doch zunehmend Aufrufe in der inter­na­tionalen Gemein­schaft der Psy­chi­a­trie, die sich für Ken­nt­nis­nahme, Aufk­lärung und Unter­stützung der Inhaftierten einsetzten.

1982 wurde S. Gluz­man nach Kiew ent­lassen und hat seine Arbeit als Wis­senschaftler, als Psy­chi­ater, als Aufk­lär­er, Zeitzeuge auf vielfältige und bewun­derungswerte Weise fort­ge­set­zt. Er bekam viele Ehrun­gen weltweit und lebt heute, soweit ich erfahren kon­nte, in Kiew.

 — Dr. med. Gisela Krauß, Heidelberg

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Gesundheitsversorgung als Menschenrecht — 8. Hannöversches Forum zum Tag der Menschenrechte

Am 10. Dezem­ber, dem Tag der Men­schen­rechte, lädt der Rat der Reli­gio­nen seit 2013 jedes Jahr in Zusam­me­nar­beit mit Amnesty Inter­na­tion­al Han­nover zu einem Forum ein, um auf Men­schen­rechtsver­let­zun­gen weltweit hinzuweisen.

Begrüßung und Schlussworte:

  • Prof. Dr. Wolf­gang Rein­bold, 1. Vor­sitzen­der Haus der Reli­gio­nen e.V.
  • Ali Fari­di, 2. Vor­sitzen­der Haus der Reli­gio­nen e.V.

Haup­tre­fer­at:

  • Dr. Petra Bahr, Region­al­bis­chöfin des Spren­gels Han­nover der Ev.-Luth. Lan­deskirche Han­novers, Mit­glied des Deutschen Ethikrates

Rede­beiträge zum Referat:

  • Regine Kra­marek, Bürg­er­meis­terin der Stadt Hannover
  • Hamideh Mohagheghi, Sprecherin des Rates der Reli­gio­nen Hannover
  • Anke Brames­feld, Amnesty-Aktion­snetz Heilberufe

Im Anschluss: Offene Diskussion

Die Ver­anstal­tung find­et als Online-Ver­anstal­tung statt.
Anmel­dung und weit­er Infor­ma­tio­nen unter: https://www.haus-der-religionen.de/de/veranstaltungen/8‑hannoeversches-forum-zum-tag-der-menschenrechte

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Video zum Anketten psychisch kranker Menschen

Im fol­gen­den ca. 5‑minütigen Video von Human Rights Watch wird das weltweite Prob­lem des Anket­tens psy­chisch kranker Men­schen dargestellt und die bish­eri­gen Bestre­bun­gen gewürdigt, die Sit­u­a­tion zu verbessern.

Der Link in diesem Beitrag ver­weist auf Seit­en, für deren Inhalt AI keine Ver­ant­wor­tung übernehmen kann. Auch gibt deren Inhalt nicht zwangsläu­fig die Mei­n­ung von Amnesty Inter­na­tion­al wieder.

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