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Freispruch für Prof. Sebnem Korur Fincanci und Prof. Gencay Gürsoy in Istanbul

Wir möcht­en auf fol­gende Pressemit­teilung der IPPNW vom 14. Juli 2020 hinweisen:

Freis­pruch für Prof. Seb­nem Korur Fin­can­ci und Prof. Gen­cay Gür­soy in Istanbul

Die IPPNW begrüßt den Freis­pruch von Prof. Seb­nem Korur Fin­can­ci und Prof. Gen­cay Gür­soy am 7. Juli 2020 durch das “Gericht für schwere Straftat­en” in Istan­bul. Mit mehr als 2.000 anderen Akademiker*innen hat­ten die bei­den Anfang 2016 einen Frieden­sap­pell unterze­ich­net, der sich gegen die unver­hält­nis­mäßi­gen Mil­itär­op­er­a­tio­nen im Südosten des Lan­des richtete, die mas­siv gegen die Men­schen­rechte ver­stießen: „We will not be a par­ty to this crime.” Tausende der Unterzeichner*innen wur­den daraufhin ent­lassen, mehr als 800 ver­haftet und 204 zu Gefäng­nis­strafen von ein bis drei Jahren verurteilt. So auch Seb­nem Korur Fin­can­ci und Gen­cay Gür­soy am 12. Dezem­ber 2018.

Am 26. August 2019 hob das Beru­fungs­gericht die Urteile mit Ver­weis auf die Mei­n­ungs­frei­heit auf und ver­wies sie zurück an das Gericht für schwere Straftat­en nach Istan­bul, wo jet­zt der Freis­pruch erfol­gte. “Wir erwarten, dass auch die übri­gen Angeklagten freige­sprochen wer­den und die Ent­lasse­nen wieder ihre Arbeit an den Uni­ver­sitäten des Lan­des aufnehmen kön­nen,” erk­lärte IPP­NW-Ärztin Gisela Penteker.

Prof. Seb­nem Korur Fin­can­ci ist eine inter­na­tion­al bekan­nte und anerkan­nte Rechtsmedi­ziner­in, die bei der Aufkärung von Kriegsver­brechen z.B. in Bosnien beteiligt war. Sie ist die Vor­sitzende der Türkischen Men­schen­rechtss­tiftung und eine der maßge­blichen Ver­fasserin­nen des Istan­bul-Pro­tokolls zum Nach­weis von Folter, das als UN-Doku­ment aufgenom­men wurde. Sie ist eine uner­müdliche und uner­schrock­ene Kämpferin für die Men­schen­rechte und ist deshalb immer wieder ins Visi­er des Staates ger­at­en. Wegen weit­er­er ange­blich­er Verge­hen muss sie sich vor Gericht noch ver­ant­worten. Amnesty Inter­na­tion­al und die Ärz­teor­gan­i­sa­tion IPPNW Deutsch­land arbeit­en seit vie­len Jahren gerne und ver­trauensvoll mit ihr zusammen.

Prof. Korur Fin­can­ci ist mit ihrer pro­fun­den Sachken­nt­nis und ihrer leb­haften Fre­undlichkeit ein gern gese­hen­er Gast bei mehreren Ver­anstal­tun­gen gewe­sen und 2011 mit dem inter­na­tionalen medi­zinis­chen Frieden­spreis aus­geze­ich­net worden.

Vor der Gerichtsver­hand­lung am 7. Juli in Istan­bul haben Seb­nem Korur Fin­can­ci und Gen­cay Gür­soy darauf hingewiesen, dass die Umstände, die zum Frieden­sap­pell geführt haben, weit­er fortbeste­hen. Immer noch wer­den im Südosten der Türkei täglich Men­schen willkür­lich ver­haftet, gewählte Bürgermeister*innen abge­set­zt, Parteivertreter ver­fol­gt und die Lebens­grund­lage viel­er Men­schen zer­stört. Sie wer­den sich weit­er für die Achtung der Men­schen­rechte in der Türkei und weltweit einsetzen.

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Bericht von der Fachtagung “Menschenrechtsverletzungen an Menschen mit psychischen Erkrankungen, Epilepsie und geistiger Behinderung” am 16.02.2019 in Kassel

Men­schen­rechtsver­let­zun­gen an Men­schen mit psy­chis­chen Erkrankun­gen, Epilep­sie und geistiger Behinderung 

Aktion­snetz Heil­berufe von Amnesty Inter­na­tion­al ver­anstal­tete inter­na­tionale Fach­ta­gung in Kassel

 Am 16.02.2019 fand im Gießhaus der Uni­ver­sität Kas­sel eine Fach­ta­gung zum The­ma Men­schen­rechtsver­let­zun­gen an Men­schen mit psy­chis­chen Erkrankun­gen, Epilep­sie und geistiger Behin­derung statt. Die Tagung wurde von dem Aktion­snetz Heil­berufe organ­isiert, von Amnesty Inter­na­tion­al finanziert und in Simul­tanüber­set­zung zweis­prachig (Englisch-Deutsch) durchge­führt. Anwe­send waren Mit­glieder von Amnesty Inter­na­tion­al, Vertreter von NGOs und andere Inter­essierte, viele aus ther­a­peutis­chen Berufen.

La mal­adie du démon – Krankheit der Dämonen

Am Vor­abend der Tagung ent­führte die Regis­seurin  Lilith Kugler das Pub­likum mit ihrem inzwis­chen preis­gekrön­ten Erstlingswerk nach Burk­i­na Faso und stellte uns die Sit­u­a­tion psy­chisch und epilep­tisch erkrank­ter Men­schen vor. Psy­choseerkrank­te Men­schen wer­den zum eige­nen Schutz und dem der Gemeinde in Ver­schlä­gen ver­steckt und dort oder in der Natur an Bäume fest­ge­bun­den. Teils wer­den hier­für weit außer­halb liegende Gebetscamps in Anspruch genom­men, die nur in der unmit­tel­baren Umge­bung bekan­nt sind und kein­er Kon­trolle unter­liegen. Dort wer­den sie von ihren Ver­wandten oder, falls diese sie nicht auf­suchen, von Mit­gliedern des Camps mit Essen ver­sorgt. Die „ Behand­lung“ erfol­gt meist auss­chließlich mit Gebeten, um die bösen Geis­ter auszutreiben. Es gibt kein­er­lei psy­chi­a­trische Ver­sorgung mit Medika­menten. Die Erkrank­ten ver­brin­gen oft Jahre unter einem Baum und der Film zeigt ein Beispiel, wie sich ein Betrof­fen­er immer tiefer in die Erde gräbt, und andere, die mit sich selb­st sprechen oder gar ganz ver­s­tum­men.  Ein­fühlsam und ohne jedes Pathos stellt Lilith Kugler in der Begleitung eines Pfar­rers die Sit­u­a­tion in der Ver­sorgung und die Hin­ter­gründe für das Erleben und Han­deln der Men­schen vor Ort dar.  Der Pfar­rer sucht einige Patien­ten auf und ver­sucht, sie von ihren Ket­ten zu befreien und für sie wieder einen Platz in ihren Gemein­schaften zu find­en. Der christliche Seel­sorg­er bemüht sich die herge­brachte Kul­tur mit men­schlich­er Begleitung und den Errun­gen­schaften medi­zinis­ch­er Möglichkeit­en zu verbinden, um die Men­schen in die Zivil­i­sa­tion und Gesun­dung zurück­zubrin­gen  Die medi­zinis­che Ver­sorgung geschieht über einen psy­chi­a­trischen Fach­pfleger, der von wei­ther anreist und zwei Tage im Monat eine ambu­lante Sprech­stunde durch­führt. Die Ver­sorgung mit Medika­menten ist ein großes Problem.

Auch einzelne Betrof­fene mit ihrem Schick­sal und auch ihren pos­i­tiv­en Krankheitsver­läufen, den Fol­gen der Erkrankung für sie und ihre Fam­i­lien den wer­den vorgestellt. Die Sit­u­a­tion der Helfer in dem lokalen Hil­f­spro­jekt wird eben­falls ange­sprochen.  Die Erkrankun­gen wer­den in der lokalen Tra­di­tion als Aus­druck von Besessen­heit inter­pretiert, was dazu führt, dass die Dämo­nen ver­trieben oder gebändigt wer­den müssen. Die Dämo­nen kön­nen auch auf andere Men­schen über­sprin­gen und so ger­at­en auch die Helfer in Ver­dacht von den Dämo­nen infiziert zu sein. Der Film zeigt aber auch, wie mit ein­fachen Mit­teln eine ele­mentare Ver­sorgung entwick­elt wer­den kann. Diese Ver­sorgung wird ger­ade mit der Hil­fe zweier deutsch­er NGOs ausgebaut.

Die Regis­seurin war bei der anschließen­den Diskus­sion anwe­send und hat auf die zahlre­ichen Fra­gen geant­wortet. Inzwis­chen ist sie erneut in Burk­i­na Faso, zeigt dort ihren Film – auch den Men­schen, die im Film mitwirken – und sie und wir sind auf die dor­tige Res­o­nanz ges­pan­nt. Der Film kann für Vorstel­lun­gen in Kinos und Ver­anstal­tun­gen ange­fragt wer­den, um auch hierzu­lande eine bre­it­ere Öffentlichkeit für das The­ma zu erreichen.

Die Posi­tion von Amnesty Inter­na­tion­al zu Men­tal Health und Human Rights. Aus­gangspunkt und Fragen

Michael Hup­pertz, Psy­chi­ater, Psy­chother­a­peut, Sozi­ologe und Mit­glied des Aktion­snetz Heil­berufe, führte in seinem Ein­führungsvor­trag in die The­matik der lange ver­bor­ge­nen Men­schen­rechtsver­let­zun­gen an psy­chisch und epilep­tisch erkrank­ten Men­schen in Län­dern ohne rel­e­vante psy­chi­a­trische Ver­sorgung ein. Er sprach aus men­schen­rechtlich­er Per­spek­tive  über die Prob­leme, die sich auf dem Weg zu ein­er Verbesserung ihrer Sit­u­a­tion stellen. Wenn in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten von Mis­shand­lun­gen psy­chisch kranker Men­schen die Rede war, so im Zusam­men­hang mit Kri­tik an willkür­lichen und gewalt­samen Behand­lun­gen im Rah­men psy­chi­a­trisch­er Insti­tu­tio­nen. Aber immer schon und bis heute wür­den um ein Vielfach­es  mehr Men­schen außer­halb als inner­halb psy­chi­a­trisch­er Insti­tu­tio­nen ihrer ele­mentaren Rechte beraubt. Das liege schlicht daran, dass es weltweit etwa 1,5 Mio. Bet­ten in psy­chi­a­trischen Insti­tu­tio­nen incl. Heimen gibt, aber min­destens 200mal so viele schw­er psy­chisch kranke Men­schen in armen Län­dern, die keinen Zugang zu psy­chi­a­trisch­er Behand­lung haben. Erst seit etwa 10 Jahren werde das Prob­lem, das Fach­leuten schon lange bekan­nt ist, vor allem durch inves­tiga­tive Jour­nal­istin­nen und Jour­nal­is­ten an die Öffentlichkeit gebracht. Auch Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen incl. Amnesty Inter­na­tion­al küm­mern sich bis heute wenig um die Sit­u­a­tion dieses großen Teils der Bevölkerung. Es gehe also auch um eine Inklu­sion dieser Gruppe in die Men­schen­rechts­be­we­gung. Anhand der Entwick­lung von Amnesty Inter­na­tion­al führte er aus, wie die Organ­i­sa­tion sich zunächst den poli­tisch Gefan­genen und den bürg­er­lichen und poli­tis­chen Recht­en wid­mete, sich später all­ge­mein für die Abschaf­fung von Folter und Todesstrafe ein­set­zte. 2001 wurde das Man­dat auf die Wahrung aller Men­schen­rechte ausgeweitet.

Dabei wurde bisweilen, aber nie umfassend, auch die Lage psy­chisch kranker und behin­dert­er Men­schen berück­sichtigt. Neuerd­ings scheint die The­matik aber auf inter­na­tionaler Ebene stärk­er in den Fokus zu treten, was durch wichtige inter­na­tionale Kon­ven­tio­nen befördert wurde. Dabei stellen sich ver­schiedene Prob­leme bzgl. der Koop­er­a­tion mit regionalen und staatlichen Akteuren, der Ver­mit­tel­barkeit des mod­er­nen Konzepts der Men­schen­rechte in ländlichen Regio­nen, den Möglichkeit­en von NGOs auf inter­na­tionale Ver­hand­lun­gen und nationale Gesund­heit­spoli­tik Ein­fluss zu nehmen. Ger­ade NGOs, die sich vor Ort prak­tisch engagieren, müssen im Auge haben, dass sie nicht dazu beitra­gen, dass sich die Irrwege der west­lichen Psy­chi­a­trie beim Auf­bau der psy­chi­a­trischen Ver­sorgung in Entwick­lungslän­dern wieder­holen. Ins­beson­dere der Auf­bau großer sep­a­rater psy­chi­a­trisch­er Ein­rich­tun­gen sei abzulehnen, weil er inef­fizient und teuer sei und solche Insti­tu­tio­nen ger­ade unter prekären Bedin­gun­gen für Men­schen­rechtsver­let­zun­gen beson­ders anfäl­lig sind.  Zudem bestünde die Gefahr, dass den Regierun­gen der betrof­fe­nen Län­der, die in der Regel nur sehr wenig oder gar nichts für Men­tal Health aus­geben, die Ver­ant­wor­tung für das The­ma seel­is­ch­er Gesund­heit abgenom­men werde. Bei dem effizien­ten und bezahlbaren Auf­bau der psy­chi­a­trischen Ver­sorgung inner­halb der all­ge­meinen dezen­tralen und ambu­lanten Gesund­heitsver­sorgung könne man sich dage­gen auf die inter­na­tionale Exper­tise z.B. der WHO berufen. Michael Hup­pertz for­mulierte zum Abschluss zahlre­iche Fra­gen an die Teil­nehmerIn­nen der Tagung, deren Beant­wor­tung für ein möglich­es zukün­ftiges Engage­ment von Amnesty Inter­na­tion­al wichtig sein könnte.

Glob­al Men­tal Health und Men­schen­rechte – ein Überblick über die aktuelle Situation

Wolf­gang Krahl vom Inter­na­tionalen Net­zw­erk zur Entwick­lungszusam­me­nar­beit im Bere­ich psy­chis­che Gesund­heit e.V., Psy­chi­ater und Foren­sik­er an der Uni­ver­sität München, der seit Jahrzehn­ten  in ver­schiede­nen Schwellen- und Entwick­lungslän­dern in Forschung, Aus­bil­dung und Koop­er­a­tionspro­jek­ten tätig ist, stellte ein­drucksvoll, aus­ge­hend von der Erk­lärung der Men­schen­rechte dar, dass die geistige Gesund­heit lange Zeit bei der Real­isierung dieser Men­schen­rechte ver­nach­läs­sigt wurde. Fam­i­lien ger­ade in armen Län­dern wür­den als einzige Unter­stützer von psy­chisch Erkrank­ten aus Eigen- und Fremd­schutz zu zahlre­ichen Men­schen­rechtsver­let­zun­gen greifen, indem sie ihre Ange­höri­gen etwa anket­ten und wegschließen. Das beste Anti­stigmapro­gramm sei eine gute Behand­lung und Reha­bil­i­ta­tion! Sie nehme auch gle­ichzeit­ig die Last von den betrof­fe­nen Fam­i­lien,  ent­laste sie für andere Auf­gaben und Tätigkeit­en und sei eine konkrete Entwick­lung­shil­fe. Hierzu gehöre dem Zielkat­a­log der WHO fol­gend eine gute Erstver­sorgung psy­chisch Erkrank­ter bis in die örtlichen Kom­munen hinein, die Ver­fü­gung über Psy­chophar­ma­ka, die Aus­bil­dung von Experten für Men­tal Health, die keine Psy­chi­ater sein müssten, und dann auch die Aufk­lärungsar­beit und Psy­choe­duka­tion übernehmen soll­ten. Hierzu bedarf es der staatlichen Imple­men­tierung und Ver­net­zung ver­schieden­er Sek­toren, ein Mon­i­tor­ing und weit­ere Forschungsar­beit­en. Er wies darauf hin, dass auch in Europa die Entwick­lung der Psy­chi­a­trie ein langer Prozess war, der im 18. Jahrhun­dert begonnen habe und zu den ersten Befreiun­gen psy­chisch Kranker aus ihren Fes­seln führte. Wolf­gang Krahl erin­nerte auch an die weltweit umfassend­sten und organ­isiertesten Men­schen­rechtsver­let­zun­gen in Deutsch­land zwis­chen 1933–1945. Im Rah­men des T4 Pro­gramms wur­den unter maßge­blich­er Beteili­gung von Psy­chi­atern und Pflegekräften 200.000 Erkrank­te sys­tem­a­tisch  ermordet, viele zwangssterilisiert.

Wolf­gang Krahl stellte dar, wieviel Geld die Staat­en für die psy­chi­a­trische Ver­sorgung aus­geben und wie weit die Schere zwis­chen Län­dern mit hohem und solchen mit niedrigem Pro-Kopf-Einkom­men auseinan­derge­ht. Low und Low­er-Mid­dle-Income-Coun­tries geben in der Regel unter 1% ihrer niedri­gen Gesund­heits­bud­gets, bisweilen auch gar nichts, für die Behand­lung dieser Erkrankun­gen aus. Dadurch hät­ten Mil­liar­den Men­schen keinen Zugang zu psy­chi­a­trisch­er Ver­sorgung. Dabei sind diese nach Infek­tion­skrankheit­en und Ver­let­zun­gen die häu­fig­sten Erkrankun­gen über­haupt. Er zeigte, zu welch drastis­chen Fol­gen dies für Betrof­fene führen kann. In der Regel sind tra­di­tionelle Heil­er die erste Anlauf­stelle für Betrof­fene und ihre Fam­i­lien. Tra­di­tionelle Heil­meth­o­d­en kön­nten auch immer wieder für leichtere For­men von Depres­sio­nen, Abhängigkeit­serkrankun­gen und neu­ro­tis­chen Krankheits­bildern erfol­gre­ich sein. Bei schw­eren Depres­sio­nen, Schiz­o­phre­nie, bipo­laren Psy­cho­sen und Epilep­sie hinge­gen müssten zeit­nah psy­chi­a­trische Behand­lun­gen, unter anderem mit Psy­chophar­ma­ka  und Antiepilep­ti­ka zum Ein­satz kommen.

Psy­chis­che Gesund­heit und Men­schen­rechte an der Elfenbeinküste

Nathalie Kouak­ou von Amnesty Inter­na­tion­al Elfen­beinküste referierte zur Sit­u­a­tion in ihrem Land, in dem sie sich seit mehreren Jahren für eine Imple­men­tierung von Men­schen­rechts­stan­dards auch im Gesund­heitssys­tem stark macht. Ger­ade psy­chisch Erkrank­te seien in der Wahrnehmung und Vertei­di­gung ihrer Rechte beein­trächtigt und entsprechend beson­ders prädes­tiniert, Opfer von Men­schen­rechtsver­let­zun­gen zu wer­den. Obgle­ich die WHO das Recht auf psy­chis­che Gesund­heit als einen zen­tralen Baustein des Woh­lerge­hens definiert, wer­den von seel­is­ch­er Erkrankung, Epilep­sie oder Intel­li­genz­min­derung Betrof­fene noch oft stig­ma­tisiert, aus­geschlossen von Bil­dung, poli­tis­chen Debat­ten, Wahlen, Fam­i­lien­grün­dung etc.  In der Elfen­beinküste sei  die ganze The­matik der Lebenssi­t­u­a­tion psy­chisch Kranker marginalisiert.

Nathalie Kouak­ou stellte die UN Kon­ven­tion über die Rechte Behin­dert­er und den Men­tal Health Aktion­s­plan  vor, die über die medi­zinis­che Behand­lung hin­aus soziale Verbesserun­gen für betrof­fene Per­so­n­en fordern und darauf zie­len, Bar­ri­eren der Inte­gra­tion abzubauen. Sie wollen Ver­ant­wortliche und Entschei­dungsträger aufmerk­sam machen, anre­gen und auf Möglichkeit­en hin­weisen, wie sie dazu beitra­gen kön­nen entsprechende Leitlin­ien umzuset­zen und die Rechte der Betrof­fe­nen zu schützen und zu gewährleis­ten. Die Kon­ven­tion zielt im Beson­deren aber  auf die Wohn‑, Lebens- und Behand­lungssi­t­u­a­tion, deren Stan­dards dem heuti­gen Wis­senszuwachs Genüge tun muss. Es soll  auch ein anderes Bild psy­chis­ch­er Erkrankung in die Gesellschaft getra­gen wer­den, etwa durch verbesserte Aufk­lärung der Bevölkerung. Entwürdi­gende Behand­lung und Unter­bringung sollte eben­so geah­n­det wer­den wie zunächst ein­mal den Betrof­fe­nen die Möglichkeit gegeben wer­den muss, diese zu bean­standen. Die Regierung sollte Instru­mente zur Ver­fü­gung stellen, Patien­ten und deren Fam­i­lien etwa auch in Form von Ver­bän­den und Selb­sthil­fe­grup­pen zu stärken. Große psy­chi­a­trische Insti­tu­tio­nen in Großstädten soll­ten durch eine wohnort­nähere psy­chosoziale und medi­zinis­che Ver­sorgung erset­zt wer­den. Um dies alles zu gewährleis­ten, müssten in der Admin­is­tra­tion staatliche Stellen zur Koor­di­na­tion und Pla­nung geschaf­fen wer­den. Auch die Afrikanis­che Union habe sich weit­ge­hend den Pos­tu­lat­en der WHO angeschlossen, den­noch man­gele es an der Sicht­bar­ma­chung des Prob­lems im Land und dem engagierten Ange­hen durch das Gesund­heitsmin­is­teri­um. Die prekäre Sit­u­a­tion der man­gel­nden Ressourcen ein­er­seits und des wenig engagierten Ange­hens der Umset­zung der Leitlin­ien ander­er­seits befördert wiederum die Fort­set­zung der herkömm­lichen Prak­tiken des religiös-kul­turellen Ver­ständ­niss­es von seel­is­chen Beein­träch­ti­gun­gen mit der Gefahr der fort­ge­set­zten Mis­shand­lung, Mis­sach­tung und Aus­gren­zung der Betrof­fe­nen. Dazu gehören auch sex­ueller Miss­brauch im Rah­men magis­chen Denkens sowie Ent­führun­gen und Organentnahmen.

Trotz des son­st dynamis­chen Prozess­es in der Entwick­lung des Lan­des herrsche hier das magis­che Denken von Schuld, Magie, Besessen­heit vor. Zur ohne­hin schwachen medi­zinis­chen Ver­sorgung des noch durch Fol­gen des Mil­itär­putsches von 1999, ver­schiedene Krisen und den Bürg­erkrieg 2002–2011 geze­ich­neten Lan­des  gibt es ein erhöht­es Aufkom­men von Trau­mafolgestörun­gen. Für die psy­chi­a­trische Ver­sorgung gibt es nur wenig Fachkräfte, und nur in 25% der Gesund­heits­dis­trik­te gibt es über­haupt irgen­deine Form von psy­chi­a­trisch­er Ver­sorgung. Ander­er­seits hat die Elfen­beinküste in ein­er neuen Ver­fas­sung 2016 fest­gelegt, dass alle Men­schen mit Behin­derung vor Diskri­m­inierung beschützt und nie­mand wegen sein­er men­tal­en oder kör­per­lichen Ver­fas­sung benachteiligt wer­den darf.

In ihren abschließen­den Forderun­gen unter­strich Nathalie Kouak­ou die Notwendigkeit weit­er­er Unter­suchun­gen hin­sichtlich  Epi­demi­olo­gie, sozi­ol­o­gis­ch­er Dat­en und Recht­slage der betr­e­f­fend­en Krankheits­bilder an der Elfen­beinküste, eine verbesserte Erre­ich­barkeit der Erstan­lauf­stellen in den Kom­munen auch für psy­chis­che Erkrankun­gen, für die Investi­tion in Aus­bil­dung von Fach­per­son­al, aber auch von ehre­namtlichen  Frei­willi­gen in den dör­flichen Struk­turen, um ein gutes Unter­stützungsnet­zw­erk und Aufk­lärungsar­beit aufzubauen.

Von West­afri­ka bis Südostasien: Trans­for­ma­tion des Zugangs zur psy­chi­a­trischen Ver­sorgung durch die Qual­i­ty Rights der WHO und die Arbeit von CBM im Bere­ich der psy­chis­chen Gesundheit

Car­men Valle ist als Bera­terin für Men­tal-Health-Pro­jek­te der Christof­fel-Blind­en-Mis­sion (cbm) ins­beson­dere auch in Bezug auf Men­schen­rechts­bil­dung , in ver­schiede­nen Län­dern Afrikas und Asien tätig. Sie schloss sich mit der Darstel­lung den Erfahrungswerten und Lösungsmod­ellen ihrer Organ­i­sa­tion an. Sie schilderte, wie es gelin­gen kann, basale Net­zw­erke vor Ort zu schaf­fen, Entschei­dungsträger und Men­schen in der Ver­sorgung von beein­trächtigten Per­so­n­en zu unter­stützen. Cbm set­zt u.a. auf soge­nan­nte Peer­groups, d.h. auf Men­schen, die lebenser­fahren sind und den Respekt der Gemeinde genießen und gle­ichzeit­ig aufgeschlossen sind für die Imple­men­tierung ein­er sozialpsy­chi­a­trischen Ver­sorgung in den Gemein­den und prak­tisch oft ther­a­peutisch wirken. Ein­drucksvoll stellte sie  ein durch­dacht­es Konzept der ver­schiede­nen Ebe­nen dar, wie die Län­der auch zukün­ftig ohne die zunächst flankieren­den NGOs das ein­mal aufge­baute Sys­tem eigen­ständig pfle­gen und weit­er­en­twick­eln kön­nen. Psy­chis­che Gesund­heit­spflege und Berück­sich­ti­gung der Sit­u­a­tion psy­chisch kranker, stig­ma­tisiert­er Men­schen mit Epilep­sie und geistiger Beein­träch­ti­gung soll­ten im Gesamtkonzept von Entwick­lungsar­beit inte­gri­ert wer­den, etwa bei Bil­dung­spro­jek­ten in Schulen und Kindergärten. Hier kann auch bere­its der Inklu­sion­s­gedanke frühzeit­ig einge­bracht wer­den, eben­so  wie bei Eltern- und Gemein­de­v­er­samm­lun­gen. So wird auch die Acht­samkeit gegenüber der beson­deren Gefährdung der Betrof­fe­nen für Über­griffe und Mis­shand­lun­gen und damit die soziale Kon­trolle, die als Schutz dienen kann, gestärkt. Das Konzept ihrer Organ­i­sa­tion beste­ht darin bei not­fallmäßig ange­forderten Hil­fen in Schwellen- und Entwick­lungslän­dern etwa nach Erd­beben, Tsuna­mi o.ä. neben den soge­nan­nten basic needs dann auch die seel­is­che Gesund­heit geson­dert in den Blick und die Arbeit vor Ort ein­fließen zu lassen. Weltweit wer­den Vor-Ort-Train­er in Erster Hil­fe in Bezug auf Erstver­sorgung nach Trau­ma­tisierung entsprechend den WHO Richtlin­ien ausgebildet.

Die Sit­u­a­tion trau­ma­tisiert­er Men­schen in Liberia

Susanne Grosse, Sozial­wis­senschaft­lerin an der Uni­ver­sität Kas­sel, sorgte als Haush­er­rin der Ver­anstal­tung mit dem Gießhaus nicht nur für eine angenehme Tagungsat­mo­sphäre, son­dern berichtete ihrer­seits angesichts ihres bevorste­hen­den Forschungsaufen­thaltes in Liberia nicht nur von der dort noch ähn­lich desas­trösen Sit­u­a­tion Betrof­fen­er mit anschaulichem Film- und Bild­ma­te­r­i­al, son­dern verdeut­lichte auch anhand der Pflege­s­tandards in Deutsch­land, dass wir noch gar nicht solange selb­st von ein­er schlecht­en Ver­sorgung ent­fer­nt sind. Die Psy­chi­a­trie-Enquete und Besucherkom­mis­sio­nen hät­ten hier zwar für mehr Trans­parenz und Stan­dards gesorgt, bedürften aber ein­er ständi­gen Verbesserung. Ger­ade den betrof­fe­nen Men­schen falle es ja schw­er, für ihre Rechte einzuste­hen. In Pro­jek­ten in Liberia wer­den Men­schen für die psy­chosoziale Begleitung auch ins­beson­dere der zahlre­ichen trau­ma­tisierten Men­schen im Land aus­ge­bildet. Tausende ehe­ma­liger rekru­tiert­er Kinder­sol­dat­en sind inzwis­chen erwach­sen und haben selb­st Fam­i­lien, tra­gen aber nicht sel­ten Trau­mafolgestörun­gen mit sich — mit wiederum gravieren­den Fol­gen für sich und die Gesellschaft.

Die prak­tis­che Bedeu­tung inter­na­tionaler Men­schen­recht­skon­ven­tio­nen für die Entwick­lung der psy­chi­a­trischen Versorgung 

Mar­gret Oster­feld, Psy­chi­a­terin im Ruh­e­s­tand und engagiert  bei Aktion Psy­chisch Kranke e.V.  war nicht nur engagierte Kri­tik­erin bei vorheri­gen Vorträ­gen, son­dern trug selb­st von ihrer Tätigkeit beim UN Unter­auss­chuss zur Präven­tion von Folter vor, in deren Rah­men regelmäßig Teams Ver­sorgung­sein­rich­tun­gen in ver­schiede­nen Län­dern besuchen und Berichte erstellen, inwiefern entsprechende Stan­dards zur Ver­sorgung einge­hal­ten bzw. mis­sachtet wer­den und verbessert wer­den soll­ten. Diese Teams haben in der Regel Zugang zu allen psy­chi­a­trischen Ein­rich­tun­gen und erstellen Berichte zu der men­schen­rechtlichen Sit­u­a­tion in diesen Ein­rich­tun­gen. Wenn sie keinen freien Zugang bekom­men, brechen sie ihre Tätigkeit ab. Die Berichte wer­den an die zuständi­gen Behör­den weit­ergeleit­et und Vorschläge zur Verbesserung der Sit­u­a­tion gemacht. Eine Veröf­fentlichung darüber hin­aus wird nicht angestrebt, um die Koop­er­a­tion mit den Regierun­gen nicht zu gefährden.

Diskus­sion auf dem Podi­um und mit dem Publikum

Die Vorträge — mod­eriert von Mir­jam Ibold, Psy­cholo­gin, Mit­glied des Aktion­snet­zes der Heil­beru­fler ‑wur­den von leb­haften Diskus­sio­nen begleit­et, für die auch viel Zeit zur Ver­fü­gung stand. In der abschließen­den Podi­ums­diskus­sion  — Mod­er­a­tion: Gesine Heet­derks, Psy­chi­a­terin und Neu­rolo­gin — ging es unter anderem um die Frage, welche Kon­se­quen­zen sich für ein möglich­es Engage­ment von Amnesty Inter­na­tion­al ergeben. Es bildete sich ein Kon­sens her­aus, dass für die Verbesserung der Sit­u­a­tion von Men­schen mit psy­chis­chen Erkrankun­gen und Epilep­sie eine Dop­pel­strate­gie sin­nvoll ist. Ein­er­seits kann eine nach­haltige Verän­derung ihrer Sit­u­a­tion nur erre­icht wer­den, wenn entsprechen­der Ein­fluss auf die Regierung aus­geübt wird. Die betrof­fe­nen Staat­en haben ver­schiedene men­schen­rechtlich bedeut­same Kon­ven­tio­nen, u. a. die wichtige Kon­ven­tion für die Rechte von Men­schen mit Behin­derun­gen von 2008, unter­schrieben. Sie kön­nen und müssen darauf hingewiesen wer­den, dass die Sit­u­a­tion dieser Men­schen eine Ver­let­zung ele­mentar­er Men­schen­rechte darstellt. Ander­er­seits jedoch erfol­gen Men­schen­rechtsver­let­zun­gen wie die Anket­tung von Men­schen in aller Regel nicht aus sadis­tis­chen Motiv­en, son­dern angesichts fehlen­der Alter­na­tiv­en und Hil­flosigkeit im Umgang mit den rät­sel­haften Krankheit­en. Deshalb kann eine solche poli­tis­che Strate­gie nur erfol­gre­ich sein, wenn zusät­zlich anhand geeigneter Pilot­pro­jek­te gezeigt wird, dass auch in armen Län­dern wie Burk­i­na Faso, der Elfen­beinküste oder Äthiopi­en, wie Wolf­gang Krahl aus­führlich beschrieb, eine medi­zinis­che Ver­sorgung dieser Men­schen zu erschwinglichen Kosten möglich ist und daher in die staatlichen Gesund­heit­spro­gramme über­nom­men wer­den kann. Es geht also nicht darum, die Regierun­gen an den Pranger zu stellen, son­dern sie anhand der­ar­tiger Pilot Pro­jek­te für eine Koop­er­a­tion zu gewin­nen, und zwar in ihrem eige­nen Inter­esse, weil auf diese Weise ein fun­da­men­tales Men­schen­recht­sprob­lem in ihren Län­dern ange­gan­gen und vielle­icht gelöst wird.

Es geht darum, durch Aufk­lärung über psy­chis­che Erkrankun­gen, Epilep­sie und geistige Behin­derung und vor allem durch die reale Verbesserung der Behand­lung und der Betreu­ung der Betrof­fe­nen einen ermuti­gen­den und hil­fre­ichen Umgang mit diesen Men­schen zu fördern. Diese Aufk­lärung und Ermu­ti­gung sollte die Betrof­fe­nen und Ange­höri­gen, die Gesund­heitsmi­tar­beit­er, aber auch die Behör­den und die Zivilge­sellschaft ein­beziehen. Die Devise „ Don‘t blame“ sollte so weit wie möglich berück­sichtigt wer­den. Stel­lung­nah­men soll­ten für die ver­ant­wortlichen Regierun­gen gesichtswahrend und real­is­tisch for­muliert wer­den, damit weit­ere Unter­suchun­gen, Über­prü­fun­gen der Entwick­lung, neue Vorschläge usw. in ständi­ger Koop­er­a­tion mit den Admin­is­tra­tio­nen möglich sind.

 

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Zwischenbericht Prozess gegen Serdar Küni

Wir möcht­en auf fol­gen­den Sach­bericht auf Basis der Infor­ma­tio­nen der Men­schen­rechtss­tiftung der Türkei (TIHV) hin­weisen. Es han­delt sich nicht um offizielle Mei­n­un­gen oder Infor­ma­tio­nen von Amnesty Inter­na­tion­al, trotz­dem möcht­en wir euch hierüber informieren:

Am 25.4.2018 fand der Beru­fung­sprozeß gegen Ser­dar Küni vor dem Bezirks­gericht in Shir­nak statt, wurde aber gle­ich wieder auf den 24. Sep­tem­ber 2018 vertagt. Zur Erin­nerung: Dr. med.Serdar Küni hat während der Belagerung und Beschießung sein­er kur­dis­chen Heimat­stadt Cisre durch türkisches Mil­itär Ver­wun­dete als Arzt behan­delt. Deshalb wurde er wegen Ter­ror­is­te­nun­ter­stützung inhaftiert, angeklagt und in der erste Instanz zu vier Jahren und zwei Monat­en Gefäng­nis verurteilt. Sein Beispiel hat weltweit große Empörung her­vorgerufen, selb­st der Weltärztebund hat sich detail­liert zu seinem Fall geäußert. Der erste Prozeß wurde inten­siv inter­na­tion­al beobachtet. Die Kri­tik an der Prozeßführung im ersten Prozeß führte dann zur Aufhe­bung des Urteils und zur Rück­ver­weisung an das unsprüngliche Gericht. Solange das Urteil nicht recht­skräftig wird, wurde Dr. Ser­dar Küni aus dem Gefäng­nis ent­lassen und lebt zur Zeit mit sein­er Fam­i­lie in Cizre. Er darf nicht reisen und Besuche außer­halb der Türkei machen. Die lange Ungewißheit zehrt stark an den Ner­ven aller, die durch diesen Prozeß direkt und indi­rekt betrof­fen sind.

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Menschenrechtlich kritische Verschärfung des bayerischen Psych KHGs geplant

Liebe Leser*innen,

wir möcht­en euch auf die geplante, men­schrechtlich sehr kri­tisch zu sehende Ver­schär­fung des bay­erischen Psych KHGs hinweisen.

Hier eine inhaltlich aus­führliche Stel­lung­nahme der DGPPN hierzu:

https://www.dgppn.de/presse/stellungnahmen/stellungnahmen-2018/baypsychkhg.html

euer Aktion­snetz Heilberufe

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Amnesty-Menschenrechtspreis 2018 an Nadeem-Zentrum in Ägypten

Liebe Leser*innen,

wir möcht­en euch auf die diesjähri­gen Preisträger*innen des Amnesty-Men­schen­recht­spreis 2018 aufmerk­sam machen, das Nadeem-Zen­trum in Ägypten. Preisträgerin­nen sind die vier Lei­t­erin­nen des Zen­trums, die seit zwanzig Jahren Folter doku­men­tieren und Folterüber­lebende medi­zinisch und psy­chol­o­gisch unterstützen.

Jan­u­ary 6, 2018- Cairo, Egypt : Founders of the Nadeem Cen­ter. (Dana Smillie/Polaris) ///
Nadeem Cen­ter

Hier kön­nt ihr genaueres über die diesjähri­gen Preisträger erfahren (bitte auf diesen Satz klicken).

Ein Bericht über die diesjähri­gen Preisträger in der Süd­deutschen (bitte auf diesen Satz klicken).

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Neuer Bericht Prozess ggn. Prof. Sebnem Korur Fincanci und Dr. Necdet Ipekyüz vom 26./27.12.2017

Zur Prozess­beobach­tung  am 26.12. und 27.12.2017

Dies ist ein nicht von Amnesty autorisiert­er oder ver­ant­worteter Bericht, auf den wir als wichtiges Prozess­beobach­tungs­doku­ment ein­er inter­na­tionalen Del­e­ga­tion des IPPNW Ende diesen Jahres hin­weisen möchten.

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 Zur Ein­führung: Prof. Seb­nem Korur Fin­can­ci ist Gerichtsmedi­ziner­in und Vor­sitzende der inter­na­tion­al bekan­nten türkischen  Men­schen­rechtss­tiftung. Sie war in den 90iger Jahren mit führend an der For­mulierung des Istan­bul-Pro­tokolls zur Unter­suchung von Folter­spuren. Das Istan­bul-Pro­tokoll ist mit­tler­weile ein offizielles UN-Dokument.

Diese mutige Frau, die sich nation­al wie inter­na­tion­al durch wis­senschaftliche Exper­tise, Mut und Behar­rlichkeit einen großen Namen gemacht hat,  hat­te sich zusam­men mit dem Jour­nal­is­ten Erol Önderoglu und Ahmet Nesin in ein­er Sol­i­dar­ität­sak­tion für die pro kur­dis­che Zeitung Özgür Gün­dem im Mai 2016 einge­set­zt. Alle drei sind nun „wegen Pro­pa­gan­da für eine ter­ror­is­tis­che Organ­i­sa­tion“ angeklagt. Ihnen dro­ht 10 und mehr Jahre Haft. Die Zeitung ist mit­tler­weile verboten.

Bish­er haben 4 Ter­mine stattge­fun­den, die alle nach 5 bis 10 Minuten wieder ver­schoben wur­den. Der let­zte war im Juni 2017. Bewusst wurde der neue Gericht­ster­min auf den 26.12.2017 ange­set­zt, um möglichst wenige Prozess­beobachter aus dem west­lichen Aus­land zu haben.

Vor dem Gerichtssaal war großes Gedränge, nicht alle kon­nten im über­vollen Gerichtssaal Platz nehmen. Unter den aus­ländis­chen Beobachtern waren  Vertreter von Reportern ohne Gren­zen aus Deutsch­land und Frankre­ich, vom franzö­sis­chen Schrift­stellerver­band, von PHR Frankre­ich und wir 3, Gisela, Eva und Elu von der IPPNW.

Die Ein­reise war ohne Prob­leme, im Gericht selb­st wer­den keine indi­vidu­ellen Dat­en oder Namen aufgenom­men, so dass Sicher­heit­sprob­leme für uns nicht bestanden. Die Prozesse sind öffentlich, die Zuschauerzahlen allerd­ings durch begren­zte Sitz­plätze eher klein gehal­ten. Schon bei mein­er Prozess­beobach­tung Anfang Dezem­ber hat­te das son­st eher ängstliche und zurück­hal­tende deutsche Kon­sulat uns ermutigt, die Prozesse gegen Men­schen­recht­sak­tivis­ten zu beobacht­en. Gravierende Sicher­heit­sprob­leme für uns Deutsche sahen sie nicht. Mit der Freilas­sung von Steub­n­er, Toluk und der Aus­reiseer­laub­nis von Sharo Garip scheint die Poli­tik der Geisel­haft aufgegeben zu sein.

Immer wieder wur­den wir im Vor­feld gebeten, die zivile Oppo­si­tion nicht im Stich zu lassen und inter­na­tionale Präsenz bei diesen Prozessen zu zeigen. Zur Zeit find­en fast täglich Prozesse gegen die Akademik­er für den Frieden statt. Die innerge­sellschaftliche Oppo­si­tion wird weit­er­hin geknebelt, was sich ger­ade wieder in den 2 neuen Dekreten, mit denen der Präsi­dent Erdo­gan und seine Regierung autoritär regiert, nieder­schlägt: Die Straf­frei­heit für diejeni­gen, auch Zivil­sten, die „Ter­ror­is­ten“ und „Putschis­ten“ umge­bracht haben, die Ein­heit­sklei­dung für die poli­tis­chen Gefan­genen vor Gericht. Trotz­dem ist die Zivilge­sellschaft aktiv.

Der Prozess wurde von ganz neuen Richtern geleit­et. Diese gaben anfänglich zu, nicht genü­gend eingear­beit­et zu sein. Auf Antrag der Vertei­di­gung, den Prozess wegen der Bewahrung der Mei­n­ungs­frei­heit doch einzustellen, wie Experten schon im Som­mer in zwei Schrift­stück­en einge­bracht haben, wurde der Prozess für etwa 15 Minuten unter­brochen, danach lediglich die Ver­schiebung auf den 18. April bekan­nt gegeben. Für uns heißt es, am 18. April wieder präsent zu sein, die Ein­ladung und das Beipro­gramm wird im Feb­ru­ar durch den TIHV bekan­nt gemacht.

Prozess­beobach­tung 26/27.12.17 Teil II

Der 2. Teil unser­er Reise  fand mit dem fre­undlichen Abschied in dem Behand­lungszen­trum für Folteropfer in Istan­bul statt. Wir waren ein­ge­laden, an ihrer Jahre­send­feier bei gutem Essen, Trinken und Musik teilzunehmen. Wir beka­men sog­ar Geschenke für das Neue Jahr mit und natür­lich die guten Wün­sche, ver­bun­den, sie als Men­schen­rechtler in schwieri­gen Zeit­en nicht im Stich zu lassen. In der Nacht brachte uns das Flugzeug nach Diyabakir.

Strahlen­der Son­nen­schein mit bis zu 15 Grad Cel­sius war der Kon­trast zum Anlass unseres Kurzbe­such­es in Diyabakir. Dr. Necdet Ipekyüz, eines der wichtig­sten Mit­glieder der Zivilge­sellschaft im medi­zinis­chen Bere­ich in Diyabakir, Gynäkologe, früher­er Präsi­dent der Ärztekam­mer Diyabakir, später vorüberge­hend auch Leit­er des Behand­lungszen­trums für Folteropfer in Diyabakir (TIHV), eben­falls aktiv in ver­schiede­nen medi­zinis­chen und gesellschaftlichen Organ­i­sa­tio­nen –wir haben ihn auf unseren Del­e­ga­tion­sreisen regelmäßig tre­f­fen kön­nen- ist unter dem absur­den Vor­wurf, dem Ter­ror­is­mus Vorschub zu leis­ten, weil er medi­zinis­che Vorträge, u.a. zum sozialen Trau­ma in der kur­dis­chen Gesellschaft des Südostens der Türkei, vor dem bish­er nicht ver­bote­nen Demokratis­chen Sozial­fo­rum gehal­ten habe. Ihm dro­ht Gefäng­nis­strafe. Wir drei, Eva, Gisela und Elu, waren die einzi­gen inter­na­tionalen Prozess­beobachter bei diesem Prozess, anson­sten waren eine ganze Rei­he von Sym­pa­thisan­ten und Unter­stützern aus der Region, aus Ankara und Istan­bul gekom­men, um ihm den Rück­en zu stärken. Auch seine Frau und seine drei schon erwach­se­nen Kinder, u.a. auch die aus­ge­bildete Psy­cholo­gin, die mit syrischen Flüchtlin­gen arbeit­et, kon­nten wir bei dieser Gele­gen­heit ken­nen lernen.

Die Kon­trollen, um ins Gerichts­ge­bäude zu kom­men, waren sehr scharf, zweima­lige Durch­leuch­tung und Fest­stel­lung der Iden­tität waren die drei Sta­tio­nen. Wir als Per­so­n­en aus dem Aus­land haben bei dieser Gele­gen­heit beson­ders große Aufmerk­samkeit bekom­men. Erst irgendwelche anony­men Autoritäten mussten grünes Licht geben, dass wir auch den Prozess beobacht­en konnten.

Obwohl um 10.00 Uhr der Prozess ange­set­zt war, erfuhren wir erst gegen Mit­tag, dass er auf 14.00 Uhr ver­schoben wor­den war. Erst im Gerichtssaal wurde den Anwäl­ten und dem Angeklagten bekan­nt, dass neben Dr. Ipekyüz noch gegen zwei andere Angeklagte im sel­ben Ver­fahren ver­han­delt wurde: gegen den Agrar­wis­senschaftler Dr. Dilek­ci Veysi, der von Van über einen Bild­schirm zugeschal­tet wurde, und dem Arzt Dr. Dogan Osman aus Adana, den von den Unter­stützern von Dr.Ipekyüz  bis dahin nie­mand kan­nte. Alle drei sind angeklagt wegen Ihres Engage­ments im demokratis­chen Sozial­fo­rum, das ange­blich der PKK nahe ste­hen würde (was offen­sichtlich absurd ist), bish­er aber legal agieren kann.

Alle drei Angeklagten wiesen die Vor­würfe in engagierten Stel­lung­nah­men zurück. Das Pub­likum klatschte sog­ar nach der Vertei­di­gungsrede von Dr. Necet Ipekyüz, was darauf schließen lässt, dass sie inhaltlich sehr beein­druck­end war. (Lei­der gab es keine Über­set­zung für uns). Sie liegt uns schriftlich in türkisch­er Sprache vor, muss aber nach unser­er Rück­kehr erst noch über­set­zt wer­den. Zumin­d­est der Vor­sitzende Richter hat die Aus­führun­gen sehr aufmerk­sam ver­fol­gt. Die beige­ord­neten Rich­terin­nen waren noch sehr jung.

Nach­dem die Anwälte der Angeklagten noch ihre eigene Stel­lung­nahme abgegeben haben, wurde der Prozess auf den 18. Mai vertagt. Als Resumee fasste Dr.Metin Bakkalci vom TIHV in Ankara nach dem Prozess fol­gen­der­maßen zusam­men: „Die Richter haben ver­standen, dass es eine stu­pide Anklage ist, die jeglich­er Grund­lage ent­behrt. Sie kön­nen wegen der derzeit­i­gen poli­tis­chen Großwet­ter­lage in der Türkei nicht einen Freis­pruch riskieren, deshalb verzögern sie und fällen keine Entschei­dung. Anson­sten müssen sie befürcht­en, aus­gewech­selt zu wer­den oder gar ihren Job zu ver­lieren. Irgendwelche Richter wer­den sich  find­en, die im Sinne der Regierung urteilen“

Für die Angeklagten ist das eine höchst zer­mür­bende Angele­gen­heit, für die unter­stützen­den Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen  bedeutet es, dass sie durch den Aufwand mit diesen Prozessen in ihrer eigentlichen Arbeit block­iert sind, ein effek­tives und ele­gantes Mit­tel, um die oppo­si­tionelle aktive Zivilge­sellschaft lahm zu leg­en. Umso wichtiger erscheint es uns, dass wir ihnen mit unser­er Präsenz ihnen kön­nen, dass sie nicht allein da stehen.

Solche Tre­f­fen sind auch immer wieder gute Gele­gen­heit­en, alte Bekan­nte zu tre­f­fen und mit ihnen zu reden. So trafen wir beim Prozess Dr. Ser­dar Küni aus Cizre, der selb­st am 24.4.2018 seinen Revi­sion­sprozess in Shir­nak hat. Er freute sich, uns wieder zu sehen. Die Anspan­nung und Stra­pazen des let­zten Jahres waren ihm aber noch anzuse­hen. Ob er sich und seine Fam­i­lie langfristig in Cizre hal­ten kann, wo er im dor­ti­gen Zen­trum des TIHV weit­er aktiv ist, son­st aber keine Anstel­lung mehr hat, ist fraglich.

Und noch eine alte Bekan­nte aus früheren Tagen kon­nten wir tre­f­fen. Dara, eine der weni­gen christlichen Arme­nierin­nen noch in der Stadt. Sie ist immer noch geze­ich­net von den trau­ma­tis­chen Fol­gen des Krieges 2015/2016. Die Sit­u­a­tion ihrer Fam­i­lie hat sich durch weit­ere Zwis­chen­fälle ver­schlechtert: Ihr Brud­er ist im Gefäng­nis, ihr Fre­und und Lebens­ge­fährte grund­los von der Polizei zusam­mengeschla­gen wor­den, so dass er im Kranken­haus an mehreren Knochen­brüchen operiert wer­den musste, sie selb­st sitzt im Touris­tikzen­trum, das sie in früheren Tagen mit viel Elan und Enthu­si­as­mus aufge­baut hat­te, isoliert, allein und ohne Tätigkeit, jed­er Zeit kann sie ent­lassen wer­den. Das neueste Dekret, das jed­er Zivilist, der einen „Ter­ror­is­ten“ tötet, straf­frei aus­ge­ht, hat sie noch beson­ders schock­iert: sie sitzt an ihrem Arbeit­splatz als bekan­nte Ange­hörige ein­er sehr kleinen Min­der­heit qua­si wie auf einem Präsen­tierteller. Sie fühlt sich wie auch andere über­haupt nicht mehr sich­er. Auch sie denkt an Flucht, ein her­ber Ver­lust für Diyarbakir. Wir haben sie in der Ver­gan­gen­heit als sehr mutige und kämpferische Frau ken­nen gel­ernt. Angst, Res­ig­na­tion und zunehmende Recht­losigkeit vertreiben die let­zten  Ange­höri­gen ein­er christlichen Min­der­heit. Die Türkei wird dadurch kul­turell und sozial ärmer.

Die Prozesse gegen Akademik­er, Jour­nal­is­ten, Men­schen­rechtler und Arztkol­le­gen wer­den weit­er gehen. Wer sich vorstellen kann, sich an Beobach­tun­gen zu beteili­gen, kann sich gerne mit ein­er form­losen Anfrage an uns via interesse<at>amnesty-heilberufe.de melden.

 

 

 

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Aktionsnetz Heilberufe referiert auf “Jugend@Amnesty”

Hier ein Bericht unseres Ref­er­enten vom diesjähi­gen “Jungend@Amnesty” in Karlsruhe:

Wir vom aktion­snetz Heil­berufe wur­den vor eini­gen Monat­en ange­fragt, ob wir für das Tre­f­fen von AI ‑Jugend in Karl­sruhe vom 24.11. ‑16.11.2017 etwas anzu­bi­eten hät­ten. Ich habe dann einen Work­shop zum The­ma Umgang mit trau­ma­tisierten Flüchtlin­gen in Asyl­ber­atung und All­t­ag ange­boten. Dieser wurde auch gerne angenom­men. Über 20 Teil­nehmer, meist sehr junge Leute (Schüler-innen und Stu­den­ten-innen) kamen zu diesem Work­shop am Sam­stag nach­mit­tag. Schon in der Vorstel­lungsrunde zeigte sich, dass alle in irgenein­er Weise mit Flüchtlin­gen, Flüchtlingskindern oder unbe­gleit­eten, min­der­jähren Geflüchteten zu tun haben, sei es als Berater-In, Helfer-In oder ein­fach pri­vat. An den vie­len konkreten Fra­gen  wurde deut­lich, dass einige Unsicher­heit im Umgang mit trau­ma­tisierten Geflüchteten beste­ht. Viele wün­schen sich mehr Infor­ma­tion, Begleitung und Unter­stützung durch erfahrene Mit­glieder. Beson­ders dankbar wur­den auch konkrete Tipps und Ver­hal­tensregeln aufgenom­men. Ich habe noch ein­mal bekräftigt, dass ehre­namtliche Helfer, egal in welchem Feld sie arbeit­en, Inter­vi­sion oder Super­vi­sion brauchen und dies auch gegenüber der Organ­i­sa­tion einge­fordert wer­den darf. Ich habe auch das Ange­bot gemacht, dass Ref­er­enten unseres Aktion­snet­zes auf Ein­ladung in die jew­eili­gen Orts­grup­pen kom­men, um über dieses The­ma zu referieren oder einen Work­shop anzu­bi­eten. Das Inter­esse am The­ma, aber auch der Druck, der auf die häu­fig recht jun­gen Helfer-Innen lastet, war spür­bar und sollte durch pro­fes­sionelle Ange­bote auch begeg­net wer­den. Außer­dem habe ich unsere derzeit­i­gen drei Schw­er­punk­te, Men­schen­rechte an psy­chisch Kranke und Behin­derte, Prozeßbeobach­tung für heil­beru­flich ori­en­tierte Men­schen­rechtler in der Türkei und Men­schen­rechtsver­let­zun­gen an Geflüchtete im heiberu­flichen Ver­sorgungs­bere­ich erläutern kön­nen und Per­so­n­en, die als Stu­den­ten und Stu­dentin­nen im zukün­fti­gen heil­beru­flichen Berufs­feld ihre Aus­bil­dung machen, ein­ge­laden, zu unseren hal­b­jährlichen Tre­f­fen zu kommen. 

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Comicbesprechung: Freedom Hospital von Hamid Sulaiman

Gesund­heitsver­sorgung im syrischen Bürgerkrieg.

Der schroff geze­ich­nete Com­ic aus dem Jahr 2012 zeich­net die Arbeit in einem geheimen Kranken­haus nach, das jede*n Verletzte*n behan­delt. Eine Phar­mazeutin finanziert das Pro­jekt, behan­delt wer­den Kämpfer jeglich­er Frak­tio­nen der Oppo­si­tion, zwei Ärzte

Gesund­heitsver­sorgung im syrischen Bürg­erkrieg. Eine Literaturempfehlung.

Der schroff geze­ich­nete Com­ic aus dem Jahr 2012 zeich­net die Arbeit in einem geheimen Kranken­haus nach, das jede*n Verletzte*n behan­delt. Eine Phar­mazeutin finanziert das Pro­jekt, behan­delt wer­den Kämpfer jeglich­er Frak­tio­nen der Oppo­si­tion, zwei Ärzte arbeit­en mit. Heute wis­sen wir, dass die Lage nur noch schlim­mer wurde. Im Com­ic hof­fen die Fig­uren auf ein baldiges Ende des Kon­flik­ts, doch nur mehr Tote unter der Bevölkerung wie dem Per­son­al sind zu bekla­gen. Schließlich führt ein­er der ehe­ma­li­gen Patien­ten die lokale Fil­iale des Islamis­chen Staats an und erlangt die Kon­trolle über die Stadt, die nominell gemäßigtere Oppo­si­tion wird eli­m­iniert oder ver­trieben. Das Kranken­haus zieht deshalb notge­drun­gen in ein gren­z­na­h­es Flüchtlingslager um. Die Arbeit geht weiter.

Anknüpfend an unsere Ver­anstal­tung „Folter in syrischen Kranken­häusern“ vor vie­len Jahren ergibt sich die Notwendigkeit nicht staatlich­er medi­zinis­ch­er Ver­sorgung, wie sie in diesem Buch dargestellt wird. Ein wichtiger Beitrag zur Doku­men­ta­tion medi­zinis­ch­er, human­itär­er Arbeit.

arbeit­en mit. Heute wis­sen wir, dass die Lage nur noch schlim­mer wurde. Im Com­ic hof­fen die Fig­uren auf ein baldiges Ende des Kon­flik­ts, doch nur mehr Tote unter der Bevölkerung wie dem Per­son­al sind zu bekla­gen. Schließlich führt ein­er der ehe­ma­li­gen Patien­ten die lokale Fil­iale des Islamis­chen Staats an und erlangt die Kon­trolle über die Stadt, die nominell gemäßigtere Oppo­si­tion wird eli­m­iniert oder ver­trieben. Das Kranken­haus zieht deshalb notge­drun­gen in ein gren­z­na­h­es Flüchtlingslager um. Die Arbeit geht weiter.

Anknüpfend an unsere Ver­anstal­tung „Folter in syrischen Kranken­häusern“ vor vie­len Jahren ergibt sich die Notwendigkeit nicht staatlich­er medi­zinis­ch­er Ver­sorgung, wie sie in diesem Buch dargestellt wird. Ein wichtiger Beitrag zur Doku­men­ta­tion medi­zinis­ch­er, human­itär­er Arbeit.

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