Schlagwort-Archive: Heilberufler*innen als Täter

Neues Amnesty Journal: Verletzte Seelen — Folter und Heilberufe

Liebe Leser*innen,

wir freuen uns, dass das The­ma des aktuellen Amnesty Jour­nals sich mit Traum­folgestörun­gen durch Folter beschäftig und teils aktive Ver­wick­lung von Heilberufler*innen in Folter. Unser Kol­lege Steve Miles kommt in einem Artikel zu Wort. Auch unser Aktion­snetz steuert eine Selb­st­darstel­lung und ein Edi­to­r­i­al zu aktuellen Aspek­ten des The­mas bei.

Das Jour­nal lässt sich online bestellen, ist an größeren Kiosken erhältlich und geht allen Mit­gliedern direkt zu. (https://www.amnesty.de/journal)

Bei Fra­gen oder Feed­back jed­er Art zu unseren Artikeln nehmt gerne Kon­takt via kontakt@amnesty-heilberufe.de auf.

Euer Aktion­snetz Heilberufe

 

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Mitteilung zu dem Buch “Verratener Eid: Folter, Komplizenschaft medizinischen Personals und der Krieg gegen den Terror” von Steven Miles

Hier kön­nen Sie eine Zusam­men­fas­sung des Buchs “Ver­raten­er Eid: Folter, Kom­plizen­schaft medi­zinis­chen Per­son­als und der Krieg gegen den Ter­ror” von Steven Miles herunterladen:

2008-05 miles_verratener_eid buchbeschreibung

Die Zusam­men­fas­sung kön­nen Sie auch hier lesen:

Ver­raten­er Eid
Steven Miles MD, Arzt und Pro­fes­sor für Medi­zinis­che Ethik beschreibt in seinem Buch “Oath Betrayed:
Tor­ture, Med­ical Com­plic­i­ty, and the War on Ter­ror” — “Ver­raten­er Eid: Folter, Kom­plizen­schaft medi­zinis­chn Per­son­als und der Krieg gegen den Ter­ror” wie Ärzte, Psy­cholo­gen und andere Ange­hörige der Heil­berufe mit den Folter­ern in den US-Mil­itärge­fäng­nis­sen Guan­tanamo, Abu Ghraib und anderen zusam­me­nar­beit­en und ihre speziellen beru­flichen Ken­nt­nisse und Fähigkeit­en in den Dienst der Folter­prax­is stellen.
Beispiel­haft seien genannt
· Unter­suchung der Gefan­genen im Hin­blick darauf, ob und welche Folter­maß­nah­men an ihnen
vorgenom­men wer­den kön­nen und entsprechende Attestierung
· Anwe­sen­heit bzw. Erre­ich­barkeit des Arztes während der Folterung zur Fest­stel­lung des Zeit­punk­ts der Aus­set­zung der Folter­maß­nah­men und des Zeit­punk­ts ihrer Fortsetzung
· Ver­hal­tenspsy­chol­o­gisch entwick­elte Ver­hör­spläne mit Ein­satz von Demü­ti­gung, Schlaf- Entzug, sex­ueller Erniedri­gung, Gebrauch von Hun­den, Kälte-Expo­si­tion etc.
· Auswer­tung der Kranke­nak­ten der Gefan­genen im Hin­blick auf Dat­en, die spezielle Ansatzpunk­te für Ver­höre unter Anwen­dung von Zwangsmitteln/Folter bieten
· Wegschauen bei Ver­let­zun­gen durch Folter und oft auch Unter­las­sung der medi­zinis­chen Versorgung
· Unter­las­sung der Doku­men­ta­tion von Ver­let­zun­gen durch Folter oder auch nachträgliche Fälschung der Dokumentation
· bei Todes­fällen rou­tinemäßige Ver­weigerung der  Todes­bescheini­gun­gen bei Tod durch Folter und /oder Bescheini­gung natür­lich­er Todesur­sachen, wenn der Tod als Folge der Mis­shand­lun­gen einge­treten war u. a. m.

Als Kon­se­quenz aus diesen Vorgän­gen, die in den genan­nten Gefäng­nis­sen offen­bar zur alltäglichen Rou­tine des dor­ti­gen medi­zinis­chen Per­son­als gehören, regt Prof. Miles an, weltweit gel­tende Richtlin­ien für Ver­hal­ten und Pflicht­en von Ärzten und anderem medi­zinis­chem Per­son­al in jeglich­er Art von
Gefäng­nis­sen zu definieren und Ver­stöße gegen diese Richtlin­ien zu sanktionieren.
Als Entwurf sind diese Vorschläge von Prof. Miles auf Deutsch in der März-Aus­gabe 2008 des Ham­burg­er Ärzteblatts erschienen und wer­den hier wiedergegeben. Sie sollen eine Diskus­sion innerhalb
der Ärzteschaft, der Psy­cholo­gen und ander­er medi­zinis­ch­er Berufe anstoßen.

Steven D. Miles: Ärzte und Folter — Nach­folge­doku­ment der Dekla­ra­tion von Tokio

Mit der “Erk­lärung von Tokio” hat die WMA 1975 Richtlin­ien für Ärzte hin­sichtlich der Folter und ander­er For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung in Verbindung mit Inhaftierung und Gefan­gen­schaft aufgestellt, die einen Meilen­stein in der medi­zinis­chen Ethik darstellen. Ein­deutig wird dort fest­gelegt, dass ein Arzt unter keinen Umstän­den an Folterung oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung teil­nehmen, diese begün­sti­gen oder dulden und dafür auch keine Räum­lichkeit­en, Instru­mente, Stoffe, Ken­nt­nisse und Fähigkeit­en zur Ver­fü­gung stellen darf. Hinzu kamen 1984 die UN-Antifolterkon­ven­tion, und 1988 die “Grund­sätze der Vere­in­ten Natio­nen zum Schutze aller Per­so­n­en unter jed­er Form von Fes­t­nahme und Inhaftierung vor Folter und anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behandlung”
und eine Erk­lärung der WMA, die die ärztliche Pflicht, Anze­ichen von Folter zu doku­men­tieren, die Ver­ant­wor­tung ärztlich­er Beruf­sor­gan­i­sa­tio­nen fes­tlegt für Unter­suchung und Sanktionierung
von Ärzten, die sich an Folterun­gen beteili­gen und für den drin­gend notwendi­gen Schutz von Ärzten, die sich solch­er Beteili­gung verweigern.
Seit­dem sind poli­tis­che Entwick­lun­gen einge­treten, die für den Inhalt dieser Doku­mente von Bedeu­tung sind. Viele Ärz­teor­gan­i­sa­tio­nen haben in Anbe­tra­cht der Über­griffe an Gefan­genen im “Krieg gegen
den Ter­ror” ihre Beruf­sor­d­nun­gen hin­sichtlich ärztlich­er Mitwirkung bei Ver­hören deut­lich­er gefasst.
Ärzte sind zum Schutz der kör­per­lichen und geisti­gen Gesund­heit von Gefan­genen verpflichtet. Wir haben Zugang zu geheim gehal­te­nen Gefan­genen, die der Überwachung durch Men­scherecht­sor­gan­i­sa­tio­nen ent­zo­gen sind. Wir haben das Fach­wis­sen, Zeichen von Mis­shand­lun­gen zu erken­nen, auch
wenn wir nicht Zeu­gen solch­er Mis­shand­lun­gen waren oder wenn der Gefan­gene schweigt. Deshalb sind wir zum Kampf gegen die Folter verpflichtet.
Es ist daher an der Zeit, die ver­schiede­nen über unter­schiedliche Men­schen­rechts­doku­mente ver­streuten Inhalte zusam­men­z­u­fassen und ein umfassendes Nach­folge­doku­ment der Dekla­ra­tion von Tokio
zu entwick­eln, das die Gefäng­nisärzte in den Mit­telpunkt der Aufmerk­samkeit stellt und für das nach­fol­gend ein Entwurf skizziert und zur Diskus­sion gestellt wird:
Ethis­che Grund­sätze für Ärzte, die Gefan­gene betreuen, die der Gefahr der Folter und ander­er For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung aus­ge­set­zt sind. Ärzte und Ver­hörssi­t­u­a­tio­nen, Strafe und Gefäng­nis­be­din­gun­gen, die der Folter und Mis­shand­lung gle­ichzuset­zen sind:
Es ist eine grober Ver­stoß gegen die medi­zinis­chen Ethik und gegen inter­na­tionale Kon­ven­tio­nen, wenn Ärzte Folter oder andere grausame, unmen­schliche oder entwürdi­gende For­men von Behand­lung oder Bestra­fung unter­stützen, diese stillschweigend dulden, direkt oder indi­rekt, offen oder verdeckt, aktiv oder pas­siv daran teilnehmen.
Ein Arzt darf keine Räum­lichkeit­en, Instru­mente, Stoffe oder Ken­nt­nisse und Fähigkeit­en zur Ver­fü­gung stellen um Folter oder andere For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung zu fördern.
Ein Arzt darf nicht die Tauglichkeit von Gefan­genen oder Inhaftierten zu Ver­hör oder Strafe, die ihre kör­per­liche oder seel­is­che Gesund­heit nachteilig bee­in­flussen oder schädi­gen kön­nen, bescheinigen.
Der Arzt darf nicht während eines Ver­hörs anwe­send sein, in dessen Ver­lauf Folterung oder andere For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Ver­fahren durchge­führt oder ange­dro­ht werden.
Ein Arzt darf einem Gefan­genen eine Behand­lung nicht voren­thal­ten oder mit Voren­thal­tung dro­hen für den Fall, dass dieser bei einem Ver­hör oder bei Gefäng­nis­reg­u­lar­ien nicht mitwirkt.
Ein Arzt darf nicht dazu beitra­gen, die Fähigkeit des Opfers zu min­dern, sich der Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung zu widersetzen.
Ein Arzt darf sich nicht daran beteili­gen, Folter, Ver­höre unter Zwangsmß­nah­men und anderen Maß­nah­men, die die kör­per­liche oder geistige Gesund­heit eines Gefan­genen beein­trächti­gen, zu überwachen und zu modifizieren.
Ein Arzt, der bei ein­er dieser Sit­u­a­tio­nen mitwirkt, ist Mit­täter bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestrafung.

Kranke­nak­ten und Dokumentation:
Ein Arzt muss Kla­gen von Gefan­genen über Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung dokumentieren.
Ein Arzt muss Symp­tome von Folter und Mis­shand­lung dokumentieren.
Ein Arzt, der bei einem Gefan­genen eine Autop­sie durch­führt oder eine Todes­bescheini­gung ausstellt, muss diese Pflicht­en nach nationalen und inter­na­tionalen Geset­zen und unter Beach­tung all­ge­mein akzep­tiert­er medi­zinis­ch­er Stan­dards erfüllen.
Ein Arzt, der es unter­lässt, voll­ständi­ge und genaue klin­is­che und post­mor­tale Aufze­ich­nun­gen anzufer­ti­gen, kann sich der Mit­täter­schaft bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung schuldig machen.

Mel­dung von Folter oder anderen For­men grausamer,  unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestrafung:

Ein Arzt muss jeden Ver­dacht auf Folter oder andere For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdigender
Behand­lung oder Bestra­fung anzeigen.

Ein Arzt muss den Ver­dacht der Mit­täter­schaft von Ärzten und anderem medi­zinis­chem Per­son­al bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung anzeigen.Solche Anzeigen müssen, wo es möglich ist, an die Gefäng­nis- oder Regierungs­be­hör­den gehen. Wo dies nicht möglich ist soll­ten sie an Ärz­teor­gan­i­sa­tio­nen, Ärztekam­mern oder an  Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen weit­ergeleit­et werden.

Ein Arzt, der solche Mel­dun­gen unter­lässt, kann sich der Mit­täter­schaft bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung schuldig machen.

Unter­suchun­gen und Sank­tio­nen gegen Ärzte

Zulas­sung­sor­gane zur ärztlichen Tätigkeit soll­ten unverzüglich Mel­dun­gen über ärztliche Mit­täter­schaft bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung von Gefan­genen untersuchen.

Zulas­sung­sor­gane soll­ten angemessene Sank­tio­nen ver­hän­gen, falls sich solche Behaup­tun­gen als zutr­e­f­fend herausstellen.

Zulas­sung­sor­gane soll­ten glaub­hafte Behaup­tun­gen über straf­bares Fehlver­hal­ten an die zuständi­gen staatlichen Stellen zum weit­eren Vorge­hen weiterleiten.

Zulas­sung­sor­gane, die es unter­lassen auf die Mit­täter­schaft von Ärzten bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung angemessen zu reagieren, machen sich selb­st der Mit­täter­schaft an solchen Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit schuldig.

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Berufsethik in Krisenzeiten. Ärzte und Psychologen unter der Militärdiktatur in Südamerika

Hier kön­nen Sie den Artikel “Beruf­sethik in Krisenzeiten.
Ärzte und Psy­cholo­gen unter der Mil­itärdik­tatur in Südameri­ka” von Hora­cio Riquelme U. aus dem Jahr 2000 herunterladen:

2001 ärzte psy­cholo­gen mil­itärdik­tatur suedameri­ka Riquelme

Dieser Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 8, 2000, Nr. 4, und Jg. 9, 2001, Nr. 1, S. 361 — 379

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Während der Mil­itärdik­taturen in Südameri­ka stand oft die Tätigkeit von Ärzten und Psy­cholo­gen im Kon­flik­t­feld zwis­chen Men­schen­recht­en, beru­flich­er Ethik, insti­tu­tionell-admin­is­tra­tiv­en Repres­sio­nen und staatlichen Erwartun­gen und Sank­tio­nen. Einige Mit­glieder dieser Pro­fes­sio­nen stell­ten ihr fach­lich­es Wis­sen dem Repres­sion­sap­pa­rat zur Ver­fü­gung, andere lehn­ten sich dage­gen auf und sucht­en neue Wege, indi­vidu­ell wie öffentlich gegen Men­schen­rechtsver­brechen vorzuge­hen. Eine quel­len­be­zo­gene und durch Feld­forschung ergänzte Unter­suchung über Hand­lungs­be­din­gun­gen beru­flich­er Ethik unter total­itär­er Herrschaft in Argen­tinien, Chile und Uruguay wurde 1990–1995 durchge­führt. Der Beitrag zeich­net die zen­tralen Aspek­te der Wech­sel­wirkung von beru­flich­er Tätigkeit und Men­schen­recht­en in repres­siv­en Reg­i­men am Beispiel Argen­tiniens, Chiles und Uruguays nach. Die Ver­strick­ung von Ärzten und Psy­cholo­gen in Maß­nah­men der Unter­drück­ung, aber auch der Wahrung ethis­ch­er Werte in Krisen­zeit­en wer­den anhand von Fall­beispie­len dargestellt.

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Arzt und Menschenrechtsverletzungen. Zwischen Gewissen und Komplizenschaft

Laden Sie hier den Beitrag “Arzt und Men­schen­rechtsver­let­zun­gen. Zwis­chen Gewis­sen und Kom­plizen­schaft” aus dem Jahr 1998 von Torsten Lucas und Ch. Pross herunter:

1998 aerzte_und_menschenrecht

Das Abstract kön­nen Sie hier als Ein­stieg lesen:
Wie ein Blick in den Jahres­bericht von amnesty inter­na­tion­al zeigt, haben Men­schen­rechtsver­let­zun­gen mit gravieren­den gesund­heitlichen Fol­gen epi­demis­che Aus­masse. Durch
die Behand­lung von Folterüber­leben­den, die Durch­führung der Leichen­schau oder andere beru­fliche Auf­gaben wer­den Ärztin­nen und Ärzte und andere Heil­beru­fler zu Mitwissern. Sie spie­len daher bei der Aufdeck­ung oder Ver­tuschung von Ver­stössen gegen die
Men­schen­rechte eine Schlüs­sel­rolle. So ger­at­en sie in Gewis­senskon­flik­te und in Sit­u­a­tio­nen, in denen Ange­hörige staatlich­er Sicher­heit­skräfte sie bedro­hen. Häu­fig bleibt ihnen nur die
Wahl, entwed­er zu Kom­plizen der Täter oder selb­st zu Opfern zu werden.
Der fol­gende Beitrag schildert ein­er­seits Ver­fol­gungss­chick­sale von Ange­höri­gen der Heil­berufe und stellt ander­er­seits Ursachen und Aus­mass ihrer Kom­plizen- und Täter­schaft anhand von Beispie­len dar. Daneben wird über Ziele und Arbeitsweise des Aktion­snet­zes der Heil­berufe von amnesty inter­na­tion­al (ai) berichtet, in dem sich weltweit über 10 000 Mitar­beit­er aller Bere­iche des  Gesund­heitswe­sens zusam­mengeschlossen haben. ai fordert
Ärzte dazu auf, sich unter Nutzung ihrer beru­flichen Exper­tise durch die Doku­men­ta­tion von Folter­spuren ihrer Patien­ten zu Zeu­gen der Anklage zu machen. Es fol­gt die Forderung nach Präven­tion und einem stärk­eren inter­na­tionalen Engage­ment ärztlich­er Standes­or­gan­i­sa­tio­nen und ander­er Ver­bände der Heil­berufe für die Opfer staatlich­er Gewalt und gegen die Beteili­gung im Gesund­heitswe­sen Tätiger an Men­schen­rechtsver­let­zun­gen. In diesem Sinne wird die Ernen­nung von Men­schen­rechts­beauf­tragten durch die Berufsver­bände der Heil­berufe gefordert.

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Doctors and torture — factual links and ethical aspects

Hier kön­nen Sie den englis­chen Artikel “Doc­tors and tor­ture — fac­tu­al links and eth­i­cal aspects” von Torsten Lucas herunterladen:

1997-12 doctors_and_torture

Lesen Sie zum Ein­stieg das Abstract:

 

Ärzte haben bezüglich Folter eine Schlüs­sel­rolle. Sie haben beru­flichen Zugang zu den Opfern oder deren Leich­na­men. Ihre Ein­stel­lung und ihr Ver­hal­ten kön­nen entschei­dend sein, für die Behand­lung und Unter­stützung Folterüber­leben­der und die
Durch­set­zung folter­be­zo­gen­er Präven­tion, oder aber für Ver­tuschung, das Deck­en von Folter­ern und die Sta­bil­isierung repres­siv­er Regime. Def­i­n­i­tion, Funk­tion und Fol­gen von Folter, sowie typ­is­che Umstände ihres Auftretens und epidemiologische
Aspek­te wer­den disku­tiert. Symp­tome von Folter, deren unzure­ichende Erken­nung durch Ärzte und ihre diag­nos­tis­che Einord­nung im Rah­men der post­trau­ma­tis­chen Belas­tungsstörung wer­den angesprochen.
Im Mit­telpunkt des Manuskriptes ste­ht die Analyse der fak­tis­chen Zusam­men­hänge zwis­chen Arzt und Folter. Deren gesamtes Spek­trum wird dargestellt und anhand authen­tis­ch­er Beispiele illus­tri­ert. Ärzte kön­nen als Behan­del­nde oder Experten nach
der Folter die Über­leben­den stärken. Medi­zin­er kön­nen aber auch als Behan­dler oder ‘Experten’ während der Folter in Erschei­n­ung treten. Sie kön­nen an Bestra­fun­gen Verurteil­ter teil­nehmen, die der Folter gle­ichkom­men (‘legale Folter’), wie Aus­peitschun­gen, Zwangsam­pu­ta­tio­nen, oder legalen Hin­rich­tun­gen, bis hin zur
Explan­ta­tion von Orga­nen zum Tode verurteil­ter Gefan­gener zu
Trans­plan­ta­tion­szweck­en. Gewis­senhafte Ärzte, die sich trotz Ein­schüchterun­gen weigern, gegen ihre Standesethik zu ver­stoßen, gefährden ihre Kar­riere, ihre Fam­i­lien und sich selb­st. Viele wer­den ver­fol­gt oder inhaftiert und zahlre­iche Ärzte sind Opfer von ‘Ver­schwinden­lassen’ oder poli­tis­chen Mor­den gewor­den. Die Rolle
von Ärzten wird angesichts der fehlen­den Umset­zung existieren­der beruf­sethis­ch­er Dekla­ra­tio­nen disku­tiert. Während Medi­zin­er, die sich in Illi­nois, USA, aktiv an Hin­rich­tun­gen beteili­gen, bar bezahlt und per Gesetz vor den Diszi­pli­na­rauss­chüssen ihrer Beruf­s­gruppe geschützt wer­den, set­zen sich nur wenige medizinische
Berufsver­bände entschlossen für ver­fol­gte Kol­le­gen ein, die drin­gend die Unter­stützung benöti­gen, die ihnen in der Erk­lärung von Tokio seit­ens des Weltärztebun­des zugesichert wurde. Um ihre Glaub­würdigkeit zu wahren, muß die Ärzteschaft entschlossen­er gegen Medi­zin­er vorge­hen, die sich an Über­grif­f­en beteiligen,
während ehren­hafte und mutige Kol­le­gen, wenn stille Diplo­matie scheit­ert, durch die Mobil­isierung weltweit­er Öffentlichkeit geschützt wer­den müssen.

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Doctors and Torture — factual links and ethical aspects

Dies ist ein englis­ch­er Artikel von Torsten Lucas über die Beziehun­gen von Ärzten zu Folter und die ethis­chen Aspek­te davon aus dem Jahr 1997:

1997-12 doctors_and_torture

Hier find­en Sie den Anfang des Texts:

Ärzte haben bezüglich Folter eine Schlüs­sel­rolle. Sie haben beru­flichen Zugang zu den Opfern oder deren Leich­na­men. Ihre Ein­stel­lung und ihr Ver­hal­ten kön­nen entschei­dend sein, für die Behand­lung und Unter­stützung Folterüber­leben­der und die
Durch­set­zung folter­be­zo­gen­er Präven­tion, oder aber für Ver­tuschung, das Deck­en von Folter­ern und die Sta­bil­isierung repres­siv­er Regime. Def­i­n­i­tion, Funk­tion und Fol­gen von Folter, sowie typ­is­che Umstände ihres Auftretens und epidemio-logische
Aspek­te wer­den disku­tiert. Symp­tome von Folter, deren unzure­ichende Erken­nung durch Ärzte und ihre diag­nos­tis­che Einord­nung im Rah­men der post­trau­ma­tis­chen Belas­tungsstörung wer­den ange­sprochen. Im Mit­telpunkt des Manuskriptes ste­ht die Analyse der fak­tis­chen Zusam­men­hänge zwis­chen Arzt und Folter. Deren gesamtes Spek­trum wird dargestellt und anhand authen­tis­ch­er Beispiele illus­tri­ert. Ärzte kön­nen als Behan­del­nde  oder Experten nach der Folter die Über­leben­den stärken. Medi­zin­er kön­nen aber auch als Behan­dler oder ‘Experten’ während der Folter in Erschei­n­ung treten. Sie kön­nen an Bestra­fun­gen Verurteil­ter teil­nehmen, die der Folter gle­ichkom­men (‘legale Folter’), wie
Aus­peitschun­gen, Zwangsam­pu­ta­tio­nen, oder legalen Hin­rich­tun­gen, bis hin zur Explan­ta­tion von Orga­nen zum Tode verurteil­ter Gefan­gener zu Trans­plan­ta­tion­szweck­en. Gewis­senhafte Ärzte, die sich trotz Ein­schüchterun­gen weigern, gegen ihre Standesethik zu ver­stoßen, gefährden ihre Kar­riere, ihre Fam­i­lien und sich selb­st. Viele wer­den ver­fol­gt oder inhaftiert und zahlre­iche Ärzte
sind Opfer von ‘Ver­schwinden­lassen’ oder poli­tis­chen Mor­den gewor­den. Die Rolle von Ärzten wird angesichts der fehlen­den Umset­zung existieren­der beruf­sethis­ch­er Dekla­ra­tio­nen disku­tiert. Während Medi­zin­er, die sich in Illi­nois, USA, aktiv an Hin­rich­tun­gen beteili­gen, bar bezahlt und per Gesetz vor den   Diszi­pli­na­rauss­chüssen ihrer Beruf­s­gruppe geschützt wer­den, set­zen sich nur wenige medi­zinis­che Berufsver­bände entschlossen für ver­fol­gte Kol­le­gen ein, die drin­gend die Unter­stützung benöti­gen, die ihnen in der Erk­lärung von Tokio seit­ens des Weltärztebundes
zugesichert wurde. Um ihre Glaub­würdigkeit zu wahren, muß die Ärzteschaft entschlossen­er gegen Medi­zin­er vorge­hen, die sich an Über­grif­f­en beteili­gen, während ehren­hafte und mutige Kol­le­gen, wenn stille Diplo­matie scheit­ert, durch die Mobil­isierung weltweit­er Öffentlichkeit geschützt wer­den müssen.

 

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Mediziner und Todesstrafe

Der Artikel “Medi­zin­er und Todesstrafe: Täter, Opfer, Gutachter” von PD Dr. med. Michael Huber, Uni­ver­sität Köln, und Torsten Lucas, Men­schen­rechts­beauf­tragter der Ärztekam­mer Berlin, hier zum Download:

1996 mediziner_und_todesstrafe

Dies ist der Anfang des Artikels:

I Was haben Ärzte mit Hin­rich­tun­gen zu tun? Brisante Fakten.
Das Aus­maß gravieren­der Fol­gen von Men­schen­rechtsver­let­zun­gen auf die kör­per­liche und psy­chis­che Gesund­heit von Men­schen läßt sich — da es auch von Medi­zin­ern bis­lang kaum wahrgenom­men, bzw. benan­nt wurde — wohl am ehesten als “ver­bor­gene Epi­demie” beschreiben. Von Unfallchirur­gen über Psy­chi­ater, bis hin zu Patholo­gen, sind Ärzte aller Fachrich­tun­gen an der Behand­lung der Fol­gen oder
der Begutach­tung der Opfer beteiligt. Durch die Behand­lung von
Folterüber­leben­den, die Fest­stel­lung des Todes bei Hin­rich­tun­gen, die Durch­führung der Leichen­schau bei unklar­er — oder ein­deutig durch äußere Gewal­tein­wirkung bed­ingter — Todesur­sache oder andere beru­fliche Auf­gaben ger­at­en Medi­zin­er und andere Heil­beru­fler in Gewis­senskon­flik­te und unter Druck. Vielfach find­et dabei eine Ver­strick­ung in Tätigkeit­en statt, die den ethis­chen Prinzip­i­en der Heil­berufe grund­sät­zlich wider­sprechen. So auch bei der Ver­hän­gung der Todesstrafe und bei Exekutionen.
Cur­ran & Cas­sel, 1980, sprechen in diesem Zusam­men­hang von ein­er “Kor­rup­tion und Aus­beu­tung der gesellschaftlichen Rolle der Heil­berufe”. Die Instru­men­tal­isierung von Ärzten find­et vor allem mit dem Ziel statt, die gesellschaftliche Akzep­tanz der Todesstrafe zu ver­größern; ste­hen Ärzte doch seit Hip­pokrates für hohe ethis­che Maßstäbe und sug­geriert ihre Teil­nahme eine “saubere und schmer­zlose” Hinrichtung.
Ärztliche Tätigkeit­en im Zusam­men­hang mit der Todesstrafe kön­nen viele Facetten haben: Die Begutach­tung Angeklagter bezüglich  Zurech­nungs­fähigkeit, bzw. psy­chis­ch­er Krankheit oder geistiger Behin­derung, die Behand­lung zum Tode Verurteil­ter bis zum Zeit­punkt der Hin­rich­tung, die Beurteilung der soge­nan­nten “Hin­rich­tungs­fähigkeit”, aber auch die Beteili­gung medi­zinis­chen Per­son­als an der Vor­bere­itung und Durch­führung von Hin­rich­tun­gen, sowie an anschließenden
Orga­nent­nah­men zum Zwecke der Trans­plan­ta­tion. His­torisch gese­hen haben Ärzte außer­dem bei der Entwick­lung und Ver­feinerung von Hin­rich­tung­stech­niken eine Schlüs­sel­rolle gespielt (1,2,3).

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Die unerträgliche Gleichgültigkeit gegenüber Folter

Artikel unser­er Inter­net­zeitung von Torsten Lucas, den Sie hier herun­ter­laden können:

1996 gle­ichgueltigkeit ggü folter lucas

Aus der Ein­leitung des Artikels:

Durch die Behand­lung von Gefolterten, die Durch­führung der Leichen­schau oder andere
beru­fliche Auf­gaben wer­den Ärzte, Psy­cholo­gen und Pfle­gende bei gravieren-den
Men­schen­rechtsver­stößen zu Mitwissern. Die Schlüs­sel­rolle medi­zinis­chen Per­son­als bei der
Aufdeck­ung, oder aber bei der Dul­dung, der “Legit­imierung” und der Vertuschung
organ­isiert­er Gewalt wird bis heute verkan­nt oder ver­drängt. Men­schen­rechtsver­let­zun­gen mit
schw­eren gesund­heitlichen Fol­gen haben epi­demis­che Aus­maße. 50 Jahre nach den
Nürn­berg­er Ärzteprozessen gibt es weltweit nur wenige medi­zinis­che Berufsver­bände, die
wenn von Präven­tion die Rede ist, neben Imp­fun­gen, Rauchen und Ernährung auch an Folter
denken. Nicht ein­mal die Behand­lung Folterüber­leben­der wird the­ma­tisiert und unterstützt.
Der fol­gende Beitrag schildert Ver­fol­gungss­chick­sale von Ange­höri­gen der Heil-berufe und
stellt die Ursachen und das Aus­maß ihrer Kom­plizen- und Täter­schaft anhand konkreter
Beispiele dar. Daneben wird über Ziele, Arbeitsweise und Erfolg-reiche Inter­ven­tio­nen des
Aktion­snet­zes der Heil­berufe von ai berichtet, in dem sich weltweit über 10.000 in allen
Bere­ichen des Gesund­heitswe­sens Tätige zusam­mengeschlossen haben. Als Faz­it ergibt sich
die Forderung nach Präven­tion und einem stärk­eren inter­na­tionalen Engage­ment ärztlicher
Standes­or­gan­i­sa­tio­nen und ander­er Ver­bände der Heil­berufe für die Opfer organ­isiert­er Gewalt
und gegen die Beteili­gung im Gesund­heitswe­sen Tätiger an Menschenrechtsverletzungen.

 

 

 

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Human Rights Violations and the Health Professions: Caught Between Conscience and Complicity

Dies ist der erste Artikel unser­er Inter­net­zeitung aus dem Jahr 1995, eine Arbeit von Torsten Lucas und Chris­t­ian Pross über die Mitar­beit von Heil­beru­flern in Men­schen­rechtsver­brechen auf Englisch.

Den Artikel kön­nen Sie hier als .pdf herunterladen:

1995 human_rights and health pro­fes­sions lucas pross

 

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