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Mitteilung zu dem Buch “Verratener Eid: Folter, Komplizenschaft medizinischen Personals und der Krieg gegen den Terror” von Steven Miles

Hier kön­nen Sie eine Zusam­men­fas­sung des Buchs “Ver­raten­er Eid: Folter, Kom­plizen­schaft medi­zinis­chen Per­son­als und der Krieg gegen den Ter­ror” von Steven Miles herunterladen:

2008-05 miles_verratener_eid buchbeschreibung

Die Zusam­men­fas­sung kön­nen Sie auch hier lesen:

Ver­raten­er Eid
Steven Miles MD, Arzt und Pro­fes­sor für Medi­zinis­che Ethik beschreibt in seinem Buch “Oath Betrayed:
Tor­ture, Med­ical Com­plic­i­ty, and the War on Ter­ror” — “Ver­raten­er Eid: Folter, Kom­plizen­schaft medi­zinis­chn Per­son­als und der Krieg gegen den Ter­ror” wie Ärzte, Psy­cholo­gen und andere Ange­hörige der Heil­berufe mit den Folter­ern in den US-Mil­itärge­fäng­nis­sen Guan­tanamo, Abu Ghraib und anderen zusam­me­nar­beit­en und ihre speziellen beru­flichen Ken­nt­nisse und Fähigkeit­en in den Dienst der Folter­prax­is stellen.
Beispiel­haft seien genannt
· Unter­suchung der Gefan­genen im Hin­blick darauf, ob und welche Folter­maß­nah­men an ihnen
vorgenom­men wer­den kön­nen und entsprechende Attestierung
· Anwe­sen­heit bzw. Erre­ich­barkeit des Arztes während der Folterung zur Fest­stel­lung des Zeit­punk­ts der Aus­set­zung der Folter­maß­nah­men und des Zeit­punk­ts ihrer Fortsetzung
· Ver­hal­tenspsy­chol­o­gisch entwick­elte Ver­hör­spläne mit Ein­satz von Demü­ti­gung, Schlaf- Entzug, sex­ueller Erniedri­gung, Gebrauch von Hun­den, Kälte-Expo­si­tion etc.
· Auswer­tung der Kranke­nak­ten der Gefan­genen im Hin­blick auf Dat­en, die spezielle Ansatzpunk­te für Ver­höre unter Anwen­dung von Zwangsmitteln/Folter bieten
· Wegschauen bei Ver­let­zun­gen durch Folter und oft auch Unter­las­sung der medi­zinis­chen Versorgung
· Unter­las­sung der Doku­men­ta­tion von Ver­let­zun­gen durch Folter oder auch nachträgliche Fälschung der Dokumentation
· bei Todes­fällen rou­tinemäßige Ver­weigerung der  Todes­bescheini­gun­gen bei Tod durch Folter und /oder Bescheini­gung natür­lich­er Todesur­sachen, wenn der Tod als Folge der Mis­shand­lun­gen einge­treten war u. a. m.

Als Kon­se­quenz aus diesen Vorgän­gen, die in den genan­nten Gefäng­nis­sen offen­bar zur alltäglichen Rou­tine des dor­ti­gen medi­zinis­chen Per­son­als gehören, regt Prof. Miles an, weltweit gel­tende Richtlin­ien für Ver­hal­ten und Pflicht­en von Ärzten und anderem medi­zinis­chem Per­son­al in jeglich­er Art von
Gefäng­nis­sen zu definieren und Ver­stöße gegen diese Richtlin­ien zu sanktionieren.
Als Entwurf sind diese Vorschläge von Prof. Miles auf Deutsch in der März-Aus­gabe 2008 des Ham­burg­er Ärzteblatts erschienen und wer­den hier wiedergegeben. Sie sollen eine Diskus­sion innerhalb
der Ärzteschaft, der Psy­cholo­gen und ander­er medi­zinis­ch­er Berufe anstoßen.

Steven D. Miles: Ärzte und Folter — Nach­folge­doku­ment der Dekla­ra­tion von Tokio

Mit der “Erk­lärung von Tokio” hat die WMA 1975 Richtlin­ien für Ärzte hin­sichtlich der Folter und ander­er For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung in Verbindung mit Inhaftierung und Gefan­gen­schaft aufgestellt, die einen Meilen­stein in der medi­zinis­chen Ethik darstellen. Ein­deutig wird dort fest­gelegt, dass ein Arzt unter keinen Umstän­den an Folterung oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung teil­nehmen, diese begün­sti­gen oder dulden und dafür auch keine Räum­lichkeit­en, Instru­mente, Stoffe, Ken­nt­nisse und Fähigkeit­en zur Ver­fü­gung stellen darf. Hinzu kamen 1984 die UN-Antifolterkon­ven­tion, und 1988 die “Grund­sätze der Vere­in­ten Natio­nen zum Schutze aller Per­so­n­en unter jed­er Form von Fes­t­nahme und Inhaftierung vor Folter und anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behandlung”
und eine Erk­lärung der WMA, die die ärztliche Pflicht, Anze­ichen von Folter zu doku­men­tieren, die Ver­ant­wor­tung ärztlich­er Beruf­sor­gan­i­sa­tio­nen fes­tlegt für Unter­suchung und Sanktionierung
von Ärzten, die sich an Folterun­gen beteili­gen und für den drin­gend notwendi­gen Schutz von Ärzten, die sich solch­er Beteili­gung verweigern.
Seit­dem sind poli­tis­che Entwick­lun­gen einge­treten, die für den Inhalt dieser Doku­mente von Bedeu­tung sind. Viele Ärz­teor­gan­i­sa­tio­nen haben in Anbe­tra­cht der Über­griffe an Gefan­genen im “Krieg gegen
den Ter­ror” ihre Beruf­sor­d­nun­gen hin­sichtlich ärztlich­er Mitwirkung bei Ver­hören deut­lich­er gefasst.
Ärzte sind zum Schutz der kör­per­lichen und geisti­gen Gesund­heit von Gefan­genen verpflichtet. Wir haben Zugang zu geheim gehal­te­nen Gefan­genen, die der Überwachung durch Men­scherecht­sor­gan­i­sa­tio­nen ent­zo­gen sind. Wir haben das Fach­wis­sen, Zeichen von Mis­shand­lun­gen zu erken­nen, auch
wenn wir nicht Zeu­gen solch­er Mis­shand­lun­gen waren oder wenn der Gefan­gene schweigt. Deshalb sind wir zum Kampf gegen die Folter verpflichtet.
Es ist daher an der Zeit, die ver­schiede­nen über unter­schiedliche Men­schen­rechts­doku­mente ver­streuten Inhalte zusam­men­z­u­fassen und ein umfassendes Nach­folge­doku­ment der Dekla­ra­tion von Tokio
zu entwick­eln, das die Gefäng­nisärzte in den Mit­telpunkt der Aufmerk­samkeit stellt und für das nach­fol­gend ein Entwurf skizziert und zur Diskus­sion gestellt wird:
Ethis­che Grund­sätze für Ärzte, die Gefan­gene betreuen, die der Gefahr der Folter und ander­er For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung aus­ge­set­zt sind. Ärzte und Ver­hörssi­t­u­a­tio­nen, Strafe und Gefäng­nis­be­din­gun­gen, die der Folter und Mis­shand­lung gle­ichzuset­zen sind:
Es ist eine grober Ver­stoß gegen die medi­zinis­chen Ethik und gegen inter­na­tionale Kon­ven­tio­nen, wenn Ärzte Folter oder andere grausame, unmen­schliche oder entwürdi­gende For­men von Behand­lung oder Bestra­fung unter­stützen, diese stillschweigend dulden, direkt oder indi­rekt, offen oder verdeckt, aktiv oder pas­siv daran teilnehmen.
Ein Arzt darf keine Räum­lichkeit­en, Instru­mente, Stoffe oder Ken­nt­nisse und Fähigkeit­en zur Ver­fü­gung stellen um Folter oder andere For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung zu fördern.
Ein Arzt darf nicht die Tauglichkeit von Gefan­genen oder Inhaftierten zu Ver­hör oder Strafe, die ihre kör­per­liche oder seel­is­che Gesund­heit nachteilig bee­in­flussen oder schädi­gen kön­nen, bescheinigen.
Der Arzt darf nicht während eines Ver­hörs anwe­send sein, in dessen Ver­lauf Folterung oder andere For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Ver­fahren durchge­führt oder ange­dro­ht werden.
Ein Arzt darf einem Gefan­genen eine Behand­lung nicht voren­thal­ten oder mit Voren­thal­tung dro­hen für den Fall, dass dieser bei einem Ver­hör oder bei Gefäng­nis­reg­u­lar­ien nicht mitwirkt.
Ein Arzt darf nicht dazu beitra­gen, die Fähigkeit des Opfers zu min­dern, sich der Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung zu widersetzen.
Ein Arzt darf sich nicht daran beteili­gen, Folter, Ver­höre unter Zwangsmß­nah­men und anderen Maß­nah­men, die die kör­per­liche oder geistige Gesund­heit eines Gefan­genen beein­trächti­gen, zu überwachen und zu modifizieren.
Ein Arzt, der bei ein­er dieser Sit­u­a­tio­nen mitwirkt, ist Mit­täter bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestrafung.

Kranke­nak­ten und Dokumentation:
Ein Arzt muss Kla­gen von Gefan­genen über Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung dokumentieren.
Ein Arzt muss Symp­tome von Folter und Mis­shand­lung dokumentieren.
Ein Arzt, der bei einem Gefan­genen eine Autop­sie durch­führt oder eine Todes­bescheini­gung ausstellt, muss diese Pflicht­en nach nationalen und inter­na­tionalen Geset­zen und unter Beach­tung all­ge­mein akzep­tiert­er medi­zinis­ch­er Stan­dards erfüllen.
Ein Arzt, der es unter­lässt, voll­ständi­ge und genaue klin­is­che und post­mor­tale Aufze­ich­nun­gen anzufer­ti­gen, kann sich der Mit­täter­schaft bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung schuldig machen.

Mel­dung von Folter oder anderen For­men grausamer,  unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestrafung:

Ein Arzt muss jeden Ver­dacht auf Folter oder andere For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdigender
Behand­lung oder Bestra­fung anzeigen.

Ein Arzt muss den Ver­dacht der Mit­täter­schaft von Ärzten und anderem medi­zinis­chem Per­son­al bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung anzeigen.Solche Anzeigen müssen, wo es möglich ist, an die Gefäng­nis- oder Regierungs­be­hör­den gehen. Wo dies nicht möglich ist soll­ten sie an Ärz­teor­gan­i­sa­tio­nen, Ärztekam­mern oder an  Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen weit­ergeleit­et werden.

Ein Arzt, der solche Mel­dun­gen unter­lässt, kann sich der Mit­täter­schaft bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung schuldig machen.

Unter­suchun­gen und Sank­tio­nen gegen Ärzte

Zulas­sung­sor­gane zur ärztlichen Tätigkeit soll­ten unverzüglich Mel­dun­gen über ärztliche Mit­täter­schaft bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung von Gefan­genen untersuchen.

Zulas­sung­sor­gane soll­ten angemessene Sank­tio­nen ver­hän­gen, falls sich solche Behaup­tun­gen als zutr­e­f­fend herausstellen.

Zulas­sung­sor­gane soll­ten glaub­hafte Behaup­tun­gen über straf­bares Fehlver­hal­ten an die zuständi­gen staatlichen Stellen zum weit­eren Vorge­hen weiterleiten.

Zulas­sung­sor­gane, die es unter­lassen auf die Mit­täter­schaft von Ärzten bei Folter oder anderen For­men grausamer, unmen­schlich­er oder entwürdi­gen­der Behand­lung oder Bestra­fung angemessen zu reagieren, machen sich selb­st der Mit­täter­schaft an solchen Ver­brechen gegen die Men­schlichkeit schuldig.

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Dreißig Jahre danach Zu den Folgen der Militärdiktatur in Argentinien

Hier kön­nen Sie den Artikel “Dreißig Jahre danach Zu den Fol­gen der Mil­itärdik­tatur in Argen­tinien” von Osval­do Bay­er aus dem Jahr 2006 herunterladen:

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Der Aritkel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 129–140

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Impres­sio­nen eines lateinamerikanis­chen Exilierten in Deutsch­land. Sein­er Büch­er wegen ver­fol­gt; ihre öffentliche Ver­bren­nung. Ver­gle­iche zu Hitler-Deutsch­land. Dank an die Men­schen­recht­sor­gan­i­sa­tio­nen für ihre Hil­fe für die exilierten Lateinamerikan­er. Das Sys­tem des „Ver­schwinden­lassens“ von Men­schen: „Der argen­tinis­che Tod“. Export deutsch­er Waf­fen an Dik­taturen. Die Ober­fläch­lichkeit europäis­ch­er Poli­tik­er bei der Ein­schätzung lateinamerikanis­che Dik­taturen. Die Rück­kehr. Die Müt­ter der Plaza de Mayo.

Thir­ty Years On

On the con­se­quences of the mil­i­tary dic­ta­tor­ship in Argenti­na Impres­sions of a Latin Amer­i­can exile in Ger­many. Per­se­cut­ed because of his books; their pub­lic burn­ing. Com­par­isons with Hitler’s Ger­many. Thanks to the human rights organ­i­sa­tions for their sup­port of an exiled Latin Amer­i­can. The sys­tem of dis­ap­pear­ing peo­ple. „The Argen­tin­ian Death“. The export­ing of Ger­man weapons to dic­ta­tor­ships. Euro­pean politi­cians’ super­fi­cial judge­ments of Latin Amer­i­can dic­ta­tor­ships. The return. The Moth­ers of the Plaza de Mayo.

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Oath Betrayed: Torture, Medical Complicity, and the War on Terror

Das Inter­view zu der Beteil­i­tung von Heil­beru­flern in der Folter im Rah­men des Kriegs gegen des Ter­rors u.a. in Guan­tanamo mit Steven Miles kön­nen Sie HIER sehen. Auf der Seite find­en Sie auch das voll­ständi­ge Tran­skript des Themas.

After 9/11, the U.S. mil­i­tary began using physi­cians, psy­chol­o­gists and oth­er med­ical per­son­nel to assist in the inter­ro­ga­tions of pris­on­ers at Guan­tanamo Bay and else­where. We take a look at the role of doc­tors and inter­ro­ga­tion with Dr. Steven Miles, an expert in med­ical ethics and author of the new book, “Oath Betrayed: Tor­ture, Med­ical Com­plic­i­ty, and the War on Ter­ror.” [includes rush transcript]

While the issue of mil­i­tary tri­bunals and the legal sta­tus of pris­on­ers at Guan­tanamo Bay remains in the media spot­light, anoth­er aspect of the US prison camp is large­ly being left out of the dis­cus­sion in the cor­po­rate media–the abuse of pris­on­ers at Guan­tanamo and the active par­tic­i­pa­tion of doc­tors in torture.

After 9/11, the Pen­ta­gon began using so-called behav­ioral sci­ence con­sul­tants, or “bis­cuit” teams to help inter­roga­tors obtain infor­ma­tion from pris­on­ers at Guan­tanamo Bay and else­where. These med­ical teams report­ed­ly advised the mil­i­tary on how to “break” detainees to make them more cooperative.

  • Dr. Steven Miles, author of “Oath Betrayed: Tor­ture, Med­ical Com­plic­i­ty, and the War on Ter­ror.” He is a pro­fes­sor of med­i­cine at the Uni­ver­si­ty of Min­neso­ta Med­ical School and a fac­ul­ty mem­ber of its Cen­ter for Bioethics. He is also a prac­tic­ing physician.
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Geschichten in Händen Zeugenbericht von der Begleitung der Opfer schwerer Menschenrechtsverletzungen in Lateinamerika

Hier kön­nen Sie den Artikel “Geschicht­en in Hän­den Zeu­gen­bericht von der Begleitung der Opfer schw­er­er Men­schen­rechtsver­let­zun­gen in Lateinameri­ka” von Car­los Martín Beris­tain aus dem Jahr 2006 herunterladen:

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Der Aritkel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 33–48

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Der Artikel basiert auf Erfahrun­gen aus der psy­chosozialen Arbeit mit Opfern und Über­leben­den von Men­schen­rechtsver­let­zun­gen in ver­schiede­nen Län­dern Lateinamerikas. Er zeigt auf, dass der Bei­s­tand als ein Werkzeug zu ver­ste­hen ist, sich dem Schmerz zu stellen, aber auch einen Beitrag leis­ten kann im Kampf der Men­schen gegen die Ursachen des Lei­dens. Im Einzel­nen wer­den analysiert, inwiefern die Unter­stützung der Opfer auf ihre Beurteilung der Wirkung der Men­schen­rechtsver­let­zun­gen Ein­fluss hat, wobei die Gefahr ver­mieden wer­den soll, dass sie erneut zu Opfern wer­den. Zweit­ens unter­sucht der Artikel den Wert von Zeu­ge­naus­sagen und Stim­men der Opfer in den Prozessen der Wieder­her­stel­lung des sozialen Lebens. Im Weit­eren wer­den die Berück­sich­ti­gung indi­vidu­eller und kollek­tiv­er Erfahrun­gen behan­delt sowie die Infragestel­lung indi­vid­u­al­is­tis­ch­er Herange­hensweisen hin­sichtlich der Kon­fronta­tion mit sozialen und poli­tis­chen Prob­le­men. Der Artikel beleuchtet zudem den Beitrag der Opfer und Über­leben­den von Men­schen­rechtsver­let­zun­gen im Kampf um Gerechtigkeit und die Her­aus­forderun­gen an Psy­chologIn­nen und Medi­ziner­In­nen in diesem Begleitprozess.

His­to­ries in Car­ing Hands
A Witness’s Report on the Sup­port of Vic­tims of Severe Human Rights Vio­la­tions in Latin America.

The arti­cle is based on expe­ri­ences from the psy­cho­log­i­cal and social work with vic­tims and sur­vivals of human rights vio­la­tions in dif­fer­ent coun­tries in South Amer­i­ca. It shows that the „sup­port“ can be used as a tool to con­front the pain but also helps the peo­ple in their bat­tle against the caus­es of their suf­fer­ing. Specif­i­cal­ly it ana­lyzes its con­tri­bu­tion to the eval­u­a­tion of the impact of these vio­la­tions, avoid­ing the risk of sec­ondary vic­tima­ti­za­tion. The arti­cle describes also the val­ue of tes­ti­monies and voic­es from vic­tims in the process for the recon­struc­tion of social nets. It ana­lyzes the con­sid­er­a­tion of indi­vid­ual and col­lec­tive expe­ri­ences and the ques­tion­ing of the indi­vid­ual approach­es to con­front social and polit­i­cal prob­lems. In addi­tion it explains the con­tri­bu­tion of vic­tims and sur­vivals to the fight for jus­tice and the chal­lenges that are faced by psy­chol­o­gists and med­ical pro­fes­sion­als in rela­tion to the process of accompaniment.

His­to­rias entre las manos
Un tes­ti­mo­nio de acom­pañamien­to a las víctimas

Este artícu­lo se basa en la expe­ri­en­cia de tra­ba­jo psi­coso­cial con víc­ti­mas y sobre­vivientes de vio­la­ciones de dere­chos humanos en var­ios país­es de Améri­ca Lati­na. Plantea apoyo es una her­ramien­ta para enfrentar el dolor pero tam­bién con­tribuye a la lucha de la gente con­tra las causas del sufrim­ien­to. Especí­fi­ca­mente se anal­iza su con­tribu­ción a la eval­u­ación del impacto de dichas vio­la­ciones evi­tan­do el ries­go de la vic­tim­ización secun­daria; el val­or del tes­ti­mo­nios y de las voces de las víc­ti­mas en los pro­ce­sos de recon­struc­ción del teji­do social.; la con­sid­eración de la expe­ri­en­cia indi­vid­ual y colec­ti­va, y el cues­tion­amien­to de los enfo­ques indi­vid­u­al­is­tas para enfrentar prob­le­mas de causa social y políti­ca; la con­tribu­ción de las víc­ti­mas y sobre­vivientes de vio­la­ciones de dere­chos humanos en la lucha por la jus­ti­cia; y los desafíos que supone para la psi­cología y los pro­fe­sion­ales de salud este pro­ce­so de acompañamiento.

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Die Verurteilung der Folterer durch Recht und Gewissen Politisch-rechtliche Aspekte therapeutischer Menschenrechtsarbeit in der Türkei

Hier kön­nen Sie den Artikel “Die Verurteilung der Folter­er durch Recht und Gewis­sen Poli­tisch-rechtliche Aspek­te ther­a­peutis­ch­er Men­schen­recht­sar­beit in der Türkei” von Alp Ayan aus dem Jahr 2006 herunterladen:

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Der Aritkel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 19–31

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Der Artikel beruht auf einem Inter­view zum The­ma „Unrecht­ser­leben bei poli­tisch Trau­ma­tisierten“ in der Türkei. Deren Gerechtigkeitssinn wird durch Folter oft beschädigt; sie glauben nicht mehr an eine im Prinzip gerechte und sichere Welt. Das gilt für poli­tisch aktive wie nicht-aktive Betrof­fene gle­icher­maßen. Straflosigkeit für die Folter­er trägt hierzu stark bei. Gerechtigkeitssinn und Hoff­nung sind wichtige Größen für den Ther­a­pieprozess. Entsprechend bietet die Türkische Men­schen­rechtss­tiftung ihren Klient/inn/en auch juris­tis­che Unter­stützung an. Allerd­ings bergen Gerichtsver­fahren das Risiko der Retrau­ma­tisierung in sich, was in der Ther­a­pie genau abgek­lärt wer­den muss. Die Verurteilung der Täter im per­sön­lichen und kollek­tiv­en Gewis­sen kann für die Ver­fol­gten eine ähn­lich pos­i­tive Wirkung haben wie deren Verurteilung vor Gericht, weil dadurch Schuld- und Wert­losigkeits­ge­füh­le ver­ringert wer­den – die Schuld wird ein­deutig den Folter­ern zugeschrieben. Dies erfordert eine partei­is­che Grund­hal­tung in der Ther­a­pie. Wegen der steten Retrau­ma­tisierungs­ge­fahr, beson­ders im Zuge eines Gerichtsver­fahrens, ist eine sup­port­ive Ther­a­pie vorzuziehen. Dabei kann eine zu starke Iden­ti­fika­tion mit den Klien­ten zu Prob­le­men führen, etwa zu ein­er reak­tiv­en Dis­tanzierung. Fern­er kostet es viel pro­fes­sion­ale und per­sön­liche Energie, den Druck, der durch schikanöse Gerichtsver­fahren auf men­schen­rechtlich engagierte Therapeut/inn/en aus­geübt wird, von der Ther­a­pie fernzuhal­ten. Die Ther­a­pie mit poli­tisch Trau­ma­tisierten ist im Rah­men des inter­na­tionalen Engage­ments gegen Unrecht und Ungerechtigkeit zu sehen.
Con­dem­na­tion of Tor­tur­ers by Law and Conscience
Pub­lic and legal aspects of ther­a­peu­tic human rights work in Turkey
This arti­cle is based on an inter­view con­duct­ed on the sub­ject of „Expe­ri­ences of Injus­tice in Polit­i­cal­ly Trau­ma­tised Per­sons“ in Turkey. Tor­ture vic­tims’ sense of jus­tice is fre­quent­ly impaired and they no longer believe in a world that is just and safe in prin­ci­ple. This is true both of sur­vivors who are polit­i­cal­ly active and of those who are not. Fail­ure to con­vict tor­tur­ers plays a major role in this impair­ment. A sense of jus­tice and hope is an impor­tant ele­ment of ther­a­py. The Turk­ish Human Rights Foun­da­tion there­fore also offers its clients legal sup­port. How­ev­er, court cas­es are asso­ci­at­ed with the risk of retrau­ma­ti­sa­tion, which must be dis­cussed in therapy.
Con­demn­ing the per­pe­tra­tors in their own per­son­al and col­lec­tive con­sciences can have a sim­i­lar­ly pos­i­tive effect for the sur­vivors as if they had been sen­tenced by a court, because feel­ings of guilt and worth­less­ness are reduced – the guilt is clear­ly assigned to the tor­tur­er. This requires an atti­tude of par­tial­i­ty in ther­a­py. Owing to the con­stant threat of retrau­ma­ti­sa­tion, par­tic­u­lar­ly in the course of court pro­ceed­ings, sup­port­ive ther­a­py is the treat­ment mode of choice. How­ev­er, too strong an iden­ti­fi­ca­tion with the client can lead to prob­lems, e.g. reac­tive dis­tanc­ing. It also requires much pro­fes­sion­al and per­son­al ener­gy to keep the pres­sure exert­ed on ther­a­pists com­mit­ted to human rights by stress­ful court pro­ceed­ings out of ther­a­py. Ther­a­py with peo­ple who have been polit­i­cal­ly trau­ma­tised must be con­sid­ered part of the inter­na­tion­al com­mit­ment to the strug­gle against injustice.

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