Schlagwort-Archive: politische Gewalt

Die Überwältigung der Sinne durch das Foltertrauma

Laden Sie hier den Beitrag “Die Über­wäl­ti­gung der Sinne durch das Folter­trau­ma” aus dem Jahr 1999 von Volk­er Friedrich herunter:

1999 ueber­wael­ti­gung sinne folter­trau­ma tfriedric

Das Abstract kön­nen Sie hier als Ein­stieg lesen:

Der Autor ver­sucht, mit Hil­fe von Aus­sagen über die erlebte Folter zu skizzieren, was Folter im seel­is­chen und kör­per­lichen Erleben anrichtet. Die Berichte von Gefolterten sind die Grund­lage für seine Über­legun­gen, wie die See­len­land­schaft im Gefolterten aufge­baut ist und welche Schwierigkeit­en zu bedenken sind, um dem Erleben des Gefolterten nahezukom­men. Die Ein­wirkung der Folterge­walt auf die Sinne des Men­schen zwingt diesen in eine Regres­sion, in deren Ver­lauf er zu früh­esten dis­sozi­ierten Erfahrun­gen in seinem Ich und Selb­st gelangt. Diese erzwun­gene Regres­sion bren­nt sich wie eine Schock­narbe in Ich- und Selb­st­ge­fühl ein, dem er zeitlebens aus­ge­set­zt ist. Folter ist geeignet, die Struk­tur des Men­schen anzu­greifen, es ist die per­fideste und gewalt­tätig­ste Art von poli­tis­ch­er Gewalt, den poli­tis­chen Geg­n­er nicht physisch, son­dern psy­chisch in seinem weit­eren poli­tis­chen Kampf zu eli­m­inieren. Das Wis­sen um die seel­is­chen Vorgänge, die aus der Bewäl­ti­gung der Über­wäl­ti­gung der Sinne resul­tieren, ist wichtig, um dem Gefolterten begeg­nen zu können.

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Working with Survivors of Torture and Political Violence in New York City

Laden Sie hier den englis­chen Beitrag “Work­ing with Sur­vivors of Tor­ture and Polit­i­cal Vio­lence in New York City” aus dem Jahr 1999 von Jack Saul herunter:

1999 tsaul tor­ture sur­vivors ther­a­py NY

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 7, 1999, Nr. 1+2, S. 221 — 232

Das deutschsprachige Abstract kön­nen Sie hier als Ein­stieg lesen:

Der Autor beschreibt anhand eines Fall­beispiels die Lebens­be­din­gun­gen von Flüchtlin­gen nach trau­ma­tis­chen Erleb­nis­sen im Heimat­land und stellt anschließend ein von ihm und seinen Mitar­beit­ern entwick­eltes The­ater­pro­jekt der New York Uni­ver­si­ty vor. Es wurde für Opfer von Gewalt und Folter konzip­iert, basiert auf ihren Erfahrungs­bericht­en und hat u.a. zum Ziel, das Schweigen über die erlit­tene Trau­ma­tisierung zu brechen und der Per­son wieder tragfähige soziokul­turelle und poli­tis­che Sinnzusam­men­hänge zu eröff­nen. Durch die Grup­pe­nar­beit und den kreativ­en Prozeß kön­nen Ressourcen und Cop­ing-Mech­a­nis­men reak­tiviert wer­den, die dem Betrof­fe­nen zur Bewäl­ti­gung der trau­ma­tis­chen Erleb­nisse dienen, ohne daß dieser eine pro­fes­sionelle Hil­fe in Anspruch nehmen muß. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Förderung der spez­i­fis­chen, kul­tur­ab­hängi­gen Aus­drucks­fähigkeit, um das Erlebte — beispiel­sweise durch kollek­tive Trauer­rituale oder Erzäh­lun­gen — in einen sozialen Kon­text zu reintegrieren.

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Traumatisierungsvorgänge bei der Foltererausbildung

Hier kön­nen Sie den Artikel “Trau­ma­tisierungsvorgänge bei der Folter­eraus­bil­dung” von Peter Bop­pel aus dem Jahr 1999 herunterladen:

1999 trau­ma­tisierung folter­aus­bil­dung tboppel

Der Artikel erschien auch in :Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 7, 1999, Nr. 1+2, S. 19 — 28

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Nach einem Überblick über die Aus­bil­dung von Spezial­sol­dat­en und Folter­ern wird fest­gestellt, daß dieser Drill seel­isch als Trau­ma­tisierung ange­se­hen wer­den muß.
Trau­ma­ta wer­den ins­beson­dere impliz­it, aber auch expliz­it im Erin­nerungssys­tem gespe­ichert und wirken sich darüber hin­aus auf Ich‑, Abwehr‑, Gewis­sens- und Selb­st­struk­turen verän­dernd aus. Diese Verän­derun­gen sollen let­ztlich instru­men­tal­isiertes Töten und Foltern ermöglichen. Auf die gesellschaftliche Bedeu­tung bru­taler Erziehungs- und Aus­bil­dung­sprak­tiken in den vul­ner­a­blen Leben­sphasen Frühkind­heit und Adoleszenz bei der Her­stel­lung von Gewalt­po­ten­tialen wird hingewiesen.

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Die Verschränkung von äußerer und innerer Realität bei politischer Verfolgung und Folter — Das Unrechtserleben bei den Betroffenen und Möglichkeiten therapeutischer Behandlung

Hier kön­nen Sie den Artikel “Die Ver­schränkung von äußer­er und inner­er Real­ität bei poli­tis­ch­er Ver­fol­gung und Folter — Das Unrecht­ser­leben bei den Betrof­fe­nen und Möglichkeit­en ther­a­peutis­ch­er Behand­lung” von Bir­git Möller und Frei­hart Reg­n­er aus dem Jahr 1999 herunterladen:

1999 tmol­reg unrecht­ser­leben polit folter therapie

Den Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 7, 1999, Nr. 1+2, S. 59 — 86

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Poli­tis­che Repres­sion und Folter dienen der Absicherung von Herrschaft und zie­len neben dem Indi­vidu­um auch auf die Gesellschaft ab. Durch „Ver­wis­senschaftlichung“ und „Pro­fes­sion­al­isierung“ im Zusam­men­wirken mit mod­ern­ster Überwachung­stech­nolo­gie entste­ht ein Folter­sys­tem, das das Indi­vidu­um zer­stört und in seine psy­chis­chen Struk­turen ein­greift. Der Ein­satz sub­til­er  psy­chol­o­gis­ch­er und kör­per­lich­er Folter­meth­o­d­en und die daraus resul­tierende Regres­sion machen es dem Gefolterten zunehmend unmöglich, die Zer­störung als von außen kom­mend wahrzunehmen. Die externe Real­ität zwingt sich in die Psy­che des Opfers und beschädigt bzw. zer­stört dessen psy­chis­chen Struk­turen, was zur Aufrechter­hal­tung des repres­siv­en poli­tis­chen Sys­tems dient. Eine Experten­be­fra­gung mit Psy­chother­a­peutIn­nen von poli­tisch Ver­fol­gten zeigt, wie zen­tral in diesem Kon­text die Bedeu­tung des Unrecht­ser­lebens für die Gefolterten ist, und wie groß die Notwendigkeit, dieses ther­a­peutisch zu behan­deln, da andere Gefüh­le, wie Hoff­nungslosigkeit, Verzwei­flung, Ein­samkeit, häu­fig Sin­nver­lust, sich an das Unrecht­ser­leben binden. Retrau­ma­tisierende Erleb­nisse im Asyl­land wirken aggravierend und gen­er­al­isierend. Eine ther­a­peutis­che Hal­tung dazu kann sein, Partei für den Klien­ten zu ergreifen und das erlit­tene Unrecht zu bestäti­gen („vin­cu­lo com­pro­meti­do“). Poli­tisch bewußte Klien­ten haben häu­fig weniger starke Ungerechtigkeits­ge­füh­le, da sie die Logik des repres­siv­en Sys­tems erkan­nt und erwartet haben und von den direk­ten Tätern defokussieren kön­nen. Dies kann auch ther­a­peutisch genutzt wer­den („Kog­ni­tive Umstruk­turierung“). Poli­tis­ches Engage­ment, mit dem das Erlit­tene aktiv und öffentlich umge­set­zt wer­den kann (z.B. im Tes­ti­mo­ni­um), hat deshalb auch ther­a­peutis­chen Stel­len­wert. Die Ver­fol­gten lei­den am gesellschaftlich fort­geschriebe­nen Unrecht und der moralis­chen Unein­sichtigkeit der Täter. Wichtig ist daher eine Ent­pri­vatisierung des Erlit­te­nen im gesellschaftlichen Raum (bes. Gerichtsver­fahren gegen die Täter), durch die ein gesellschaftlich­er Schutzraum z.T. resti­tu­iert wird.

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Politische Traumatisierung: Folter, Verfolgung, Forced Migration und Möglichkeiten therapeutischer Hilfe — Vorbemerkungen zum Band

Hier kön­nen Sie den Artikel “Poli­tis­che Trau­ma­tisierung: Folter, Ver­fol­gung, Forced Migra­tion und Möglichkeit­en ther­a­peutis­ch­er Hil­fe — Vorbe­merkun­gen zum Band” von Bir­git Möller, Anto­nio Morten und Frei­hart Reg­n­er aus dem Jahr 1999 herunterladen:

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Den Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 7, 1999, Nr. 1+2, S. 3 — 8

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Bilder von Flüchtlingstrecks, Sam­mel­lagern, Notlei­den­den, Mas­sen­gräbern, Bom­bardierun­gen, Ruinen etc. sind in den Medi­en jüngst wieder täglich zu sehen. Was während des Koso­vo-Krieges stark an die Öffentlichkeit getra­gen wurde, spielt sich seit Jahrzehn­ten immer wieder in vie­len Län­dern der Welt ab: Bürg­erkriege, Ver­fol­gung, „Ver­schwinden­lassen“, Vertrei­bung, Verge­wal­ti­gung, Massen­mord, poli­tis­che Gewalt und Folter zwin­gen nach Schätzun­gen von amnesty inter­na­tion­al weltweit über 15 Mil­lio­nen Men­schen, in anderen Län­dern Zuflucht zu suchen, da der eigene Staat ihnen keinen sicheren Schutz gewähren kann (ai, 1997). Die Zahl der Flüchtlinge ist in den let­zten Jahren stetig angestiegen, unzäh­lige Men­schen hof­fen in frem­den Län­dern auf Asyl.
Den­noch ver­weigern bre­ite Teile der Gesellschaft und auch Regierun­gen, dieses Prob­lem und seine langfristi­gen Fol­gen angemessen zur Ken­nt­nis zu nehmen: Der Mehrzahl der Schutz­suchen­den wird ihr Asy­lantrag abgelehnt, oder sie find­en aus anderen Grün­den bei uns keine Auf­nahme. Obwohl amnesty inter­na­tion­al beispiel­sweise schon seit über zehn Jahren auf die im Koso­vo verübten sys­tem­a­tis­chen Men­schen­rechtsver­let­zun­gen an der alban­isch-stäm­mi­gen Bevölkerung hingewiesen, der inter­na­tionalen Gemein­schaft sorgfältig doku­men­tierte Berichte vorgelegt und vor ein­er katas­trophalen Eskala­tion des Kon­flik­tes gewarnt hat, wurde die Sit­u­a­tion in den Lage­bericht­en des Auswär­ti­gen Amtes ver­harm­lost, Flüchtlinge bis in den März 1999 hinein weit­er in jene Region abgeschoben. Zu Beginn des Krieges wies Außen­min­is­ter Fis­ch­er daraufhin, daß die sys­tem­a­tis­che ser­bis­che Ver­fol­gung gegen die Albaner bere­its seit 1992 betrieben wird. Das hätte zur Folge haben müssen, den Koso­vo-Albanern Asyl zu gewähren. Innen­min­is­ter Schi­ly ord­nete daraufhin beim Bun­de­samt zur Anerken­nung von Flüchtlin­gen einen Entschei­dungsstopp an, so daß diese Flüchtlinge for­t­an lediglich eine befris­tete Dul­dung erhiel­ten; sie müssen in Unsicher­heit leben und kön­nen jed­erzeit abgeschoben werden.

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