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Fachtagung “Folteropfer sehen — Versorgungspfade bahnen” in Düsseldorf

Das Amnesty-Aktion­snetz Heil­berufe möchte auf fol­gende Ver­anstal­tung hinweisen: 
Sehr geehrte Kol­legin­nen und Kollegen,
 
wir möcht­en Sie nun — sechs Wochen vorher — nochmals ganz her­zlich zu unser­er Fach­ta­gung “Folteropfer sehen — Ver­sorgungsp­fade bah­nen” ein­laden, die am 10. und 11. März 2017 in Düs­sel­dorf stat­tfind­en wird! Die Tagung find­et als Koop­er­a­tion zwis­chen dem Insti­tut für Rechtsmedi­zin im Uni­ver­sität­sklinikum Düs­sel­dorf, dem Zen­trum für Psy­chotrau­ma­tolo­gie Krefeld und dem Psy­chosozialen Zen­trum für Flüchtlinge Düs­sel­dorf statt.
 
Die Düs­sel­dor­fer Fach­ta­gung möchte zur Entwick­lung von Struk­turen zur Erken­nen und Ver­sorgung von Folteropfern beitra­gen. Sie schafft für die Schw­er­punk­te „Diag­nos­tik und Begutach­tung“ sowie „Ther­a­pie und Reha­bil­i­ta­tion“ ein Forum des Aus­tausches zwis­chen lokalen Insti­tu­tio­nen und inter­na­tion­al täti­gen Exper­tin­nen und Experten mit (rechts)medizinischen, (psycho)therapeutischen und juris­tis­chen Hintergründen.
 
Die Tagung richtet sich an alle ärztlich und ther­a­peutisch Täti­gen, die an der Diag­nos­tik und Ther­a­pie von Folteropfern beteiligt sind – von der hausärztlichen Ver­sorgung bis zu spezial­isierten Zen­tren — sowie son­stige Beruf­s­grup­pen (Anwälte, Flüchtlings­ber­atungsstellen), für die Begutach­tung und Ther­a­pie von Folteropfern rel­e­vant ist.
 
In der Anlage erhal­ten Sie das detail­lierte Tagung­spro­gramm. Für die Anmel­dung zur Tagung senden Sie bitte das beiliegende Anmelde­for­mu­lar aus­ge­füllt per Mail an: veranstaltung@med.uni-duesseldorf.de . Mehr Infor­ma­tio­nen unter www.folteropfer-sehen.de
 
Her­zlichen Gruß aus dem PSZ Düsseldorf
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Behandlungsmöglichkeiten für Gefolterte und Traumatisierte und Zugang zur Gesundheitsversorgung in der Türkei

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möcht­en auf die Veröf­fentlichung “Behand­lungsmöglichkeit­en für Gefolterte und Trau­ma­tisierte und Zugang zur Gesund­heitsver­sorgung in der Türkei” des IPPNW Deutsch­land  (Deutsche Sek­tion der Inter­na­tionalen Ärzte für die Ver­hü­tung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Ver­ant­wor­tung e. V./International Physi­cians for the Pre­ven­tion of Nuclear War) hinweisen.

Der Bericht beruht auf dem Gespräch mit Yavuz Önen, Vor­sitzen­der des türkischen Men­schen­rechtsvere­ins TIHV in Ankara, und
Dr. med. Alp Ayan, Psy­chi­ater des Reha­bil­i­ta­tion­szen­trums der TIHV in Izmir, mit denen auf der Tagung des Aktion­snetz Heil­berufe in Berlin am 28.05.2005 gesprochen wurde.

Den Text kön­nen sie hier herunterladen:

 

Sie kön­nen hier den gesamten Text direkt lesen:

Die bei­den Men­schen­rechtler waren Ref­er­enten auf ein­er Tagung des „Aktion­snet­zes der Heil­berufe in Amnesty Inter­na­tion­al“ in Berlin am 28.5.2005. Diese Gele­gen­heit nutzten Mit­glieder des IPP­NW-Arbeit­skreis­es Flüchtlinge / Asyl zu Gesprächen mit Her­rn Önen und Her­rn Ayan und poli­tis­chen Entscheidungsträgern.
Gespräche fan­den am 27.5.2005 statt: im Auswär­ti­gen Amt, im Bun­deskan­zler­amt, beim Men­schen­rechts­beauf­tragten der Bun­desregierung und beim Bun­de­samt für Migra­tion und Flüchtlinge, BAMF.

Im Fol­gen­den fassen wir die Aus­sagen von Yavuz Önen und Dr. Alp Ayan zusammen:
Die Arbeit mit Gefolterten in den Reha­bil­i­ta­tion­szen­tren der TIHV:
Seit 15 Jahren arbeit­et die Stiftung mit Folteropfern. Zur Zeit gibt es 5 Reha­bil­i­ta­tion­szen­tren in Ankara, Istan­bul, Izmir, Adana und Diyarbakir. In diesem Zeitraum haben sich 10 000 Men­schen an die Stiftung gewandt. Die Gesamtzahl der Gefolterten in der Türkei ist um ein Vielfach­es höher, die Stiftung spricht von ein­er Mil­lion gefolterten Men­schen in der Türkei. 2004 hat es in der Stiftung 922 Anfra­gen gegeben, 2005 (bis Novem­ber) 655. Es existieren Wartelis­ten, da nicht alle Per­so­n­en, die z.B. aus den Gefäng­nis­sen ent­lassen wer­den, sofort einen Ther­a­pieplatz bekom­men können.
Die Klien­ten haben vielschichtige Prob­leme und Bedürfnisse, soziale Not, kör­per­liche Ver­let­zun­gen und psy­chis­che Trau­mafol­gen. Eine Behand­lung von Folteropfern ist nur erfol­gver­sprechend, wenn die Rah­menbe­din­gun­gen stim­men. Es braucht soziale und juris­tis­che Sicher­heit, die Anerken­nung des erlit­te­nen Unrechts als Unrecht und Ver­trauen in die Helfer.
Da diese Rah­menbe­din­gun­gen nur in sel­te­nen Fällen gewährleis­tet wer­den kön­nen, beschränkt sich die Ther­a­pie oft auf Krisen­man­age­ment und Stabilisierung.
In den Zen­tren gibt es in der Regel drei fest angestellte Mitar­beit­er, einen Arzt für die Auf­nah­mege­spräche, einen Psy­cholo­gen und einen Sozialar­beit­er. Daneben gibt es eine wech­sel­nde Zahl von ehre­namtlich mitar­bei­t­en­den Ärzten ver­schieden­er Fachrichtungen.
Das Zen­trum in Izmir hat­te bis jet­zt mit Dr. Ayan einen fest angestell­ten Psychiater.
Wenn er jet­zt für ein Jahr zur Weit­er­bil­dung in die USA geht, muss auch seine Arbeit von ehre­namtlichen Kol­le­gen über­nom­men wer­den. Diese haben oft keine Aus­bil­dung in Trau­mather­a­pie und nur sehr begren­zte Kapaz­itäten, z.B. eine Ther­a­pi­es­tunde pro Woche. Pro Monat kann nur ein neuer Patient angenom­men werden.
In den Zen­tren der Stiftung bzw. in deren Umfeld arbeit­et fol­gen­des Fach­per­son­al, wobei auch hier nicht alle Psy­chi­ater eine Trau­maaus­bil­dung haben:
— Diyarbakir für ca. 4 Mil­lio­nen Ein­wohn­er: 4 Psy­chi­ater, davon 2 extern (nur ein­er von ihnen kann Kur­disch. Kur­disch kann aber sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein, wenn die Ther­a­pie nicht in der eige­nen Sprache, son­dern nur in der Regierungssprache möglich ist), neu: 1 aus­ge­bilde­ter Psychologe.
— Adana: 1 Psy­chi­ater ohne Zusatzaus­bil­dung (Behand­lung nur mit Medikamenten)
— Ankara: 1 extern­er Psychiater
— Izmir: 4 Externe arbeit­en in ihren Prax­en, davon 1 Psy­chi­ater, der aber nur 2 Std. in der Woche tätig sein kann
— Istan­bul: ein intern­er Psy­chi­ater (Halb­tagsstelle), auch wenig Externe; keine genauen Kenntnisse.
Psy­chi­ater in der Türkei haben große Berührungsäng­ste mit dem The­ma Folter und wollen vor allem aus zwei Grün­den nicht in diesem Bere­ich arbeiten:
1. gibt es juris­tis­che Prob­leme. Immer wieder sind Mitar­beit­er der Stiftung und ehre­namtlich mitar­bei­t­ende Ärzte unter Anklage gestellt und auch zu Geld oder Gefäng­nis­strafen verurteilt wor­den. (z.B. in Izmir 2 x 18 Monate) Selb­st wenn es nicht zur Verurteilung kommt, sind diese Ver­fahren eine große Belas­tung. Seit Jahren wer­den die Stiftun­gen und ihre Mitar­beit­er wegen ihrer Men­schen­recht­sar­beit in zahlre­ichen Prozessen angeklagt, wobei die Ver­hand­lun­gen ( z.B. 300 Tage in Hauptver­hand­lun­gen für Dr. Ayan) sich im all­ge­meinen über viele Jahre hinziehen, was für die Betrof­fe­nen per­sön­liche Belas­tun­gen und Behin­derun­gen der Arbeit bedeutet, und für die Men­schen, die Hil­fe suchen, Verun­sicherung und Gefährdung.
2. ist die Arbeit mit Folteropfern sehr belas­tend für die Psy­che der Therapeuten.
Viele Kol­le­gen been­den deshalb diese Arbeit vorzeit­ig, zumal es in der Türkei bish­er keine Super­vi­sion gibt. Lediglich eine Kol­le­gin aus Süd­deutsch­land hat in Izmir einige Super­vi­sion­ssitzun­gen angeboten.

Nach dem Todes­fas­ten in den türkischen Gefäng­nis­sen wur­den viele Gefan­gene mit einem Wer­nicke-Kor­sakow-Syn­drom ent­lassen. Viele melde­ten sich in den Zen­tren der Stiftung, die dadurch völ­lig über­lastet waren und seit­dem Wartelis­ten haben.
Laut Satzung wer­den in den Zen­tren der Stiftung alle Folteropfer angenom­men, auch diejeni­gen, die aus dem Aus­land zurück kom­men, z.B. auch aus dem Irak oder aus Guantanamo.
Es gibt auch von Seit­en der Folteropfer Hemm­schwellen, sich an die Stiftung zu wenden.
Die Stiftung ste­ht zwar nicht im Ver­dacht, mit dem Staat zusam­men zu arbeit­en, sie kann ihre Klien­ten aber auch nicht sich­er schützen. Immer wieder wur­den in der Ver­gan­gen­heit Polizeirazz­ien in den Zen­tren durchge­führt und Akten und Com­put­er beschlagnahmt. Trotz aller Beteuerun­gen der Regierung hat das bish­er in keinem Fall dazu geführt, dass die in den Akten aufge­führten Folter­fälle von den Sicher­heit­skräften ver­fol­gt und die genan­nten Folter­er angeklagt wor­den wären.
Außer­dem ist es für Men­schen schwierig, in die Zen­tren zu kom­men, wenn sie nicht in der Nähe wohnen. Eine kon­tinuier­liche, oft lang­wierige Ther­a­pie ist dann nur möglich, wenn sie Ver­wandte in der Nähe haben, bei denen sie unterkom­men kön­nen. Wenn die Patien­ten lebenslang behan­delt wer­den müssen, müssen sie vor Ort wohnen. Wenn größere Abstände der ther­a­peutis­chen Sitzun­gen möglich sind, kön­nen sie von weit­er her kom­men. Viele Men­schen jedoch kön­nen nicht kom­men, weil sie zu weit ent­fer­nt wohnen.
Der Erfolg der ther­a­peutis­chen Arbeit ist für die Kli­entIn­nen abhängig von ein­er ver­trauensvollen Beziehung, einem sicheren Umfeld, sozialer Unter­stützung und Arbeitsmöglichkeit­en, daneben eben­so von der Anerken­nung des Erlit­te­nen, der Äch­tung der Folter und der Bestra­fung der Folterer.
Ther­a­peutis­che Ange­bote für Klien­ten beste­hen in Milieuther­a­pie, Stützung des Umfelds und in direk­tem Schutz, d.h., wenn sich jemand an die Stiftung wen­det oder gewandt hat, dann wird ver­sucht, für den Klien­ten einen “inter­na­tionalen Schutz” zu erreichen.
Sog­ar bei ein­er Behand­lung im TIHV bedeutet es für die Klien­ten eine Über­win­dung hinzuge­hen. Anfangs haben sie auch kein Ver­trauen zum TIHV. Es dauert für die Mitar­beit­er oft Monate, bis sie an den Kern der Geschichte vor­drin­gen können.
Das Prob­lem des sozialen Umfelds, der sozialen Sicher­heit soll an einem Beispiel erläutert wer­den, wobei es um die Rolle der Dorf­schützer geht:
Dorf­schützer sind ein Teil des Sys­tems und erhal­ten vom Staat eine Art monatlich­es Gehalt und Waf­fen. Obwohl die geflüchteten Dorf­be­wohn­er offiziell noch die Felder in ihren Dör­fern besitzen, bear­beit­en in der Real­ität die Dorf­schützer diese Felder.
Die Dorf­schützer sind weit­er in den Dör­fern und passen auf, dass sie ihre Priv­i­legien nicht ver­lieren und eben­so, dass die Felder nicht verkauft wer­den kön­nen. Auch die Grund­buchämter ver­hin­dern, dass die früheren Besitzer dort hinge­hen können.
Für den Fall, dass die Dorf­be­wohn­er zurück­kehren wollen, bekom­men sie daher Schwierigkeit­en oder sind in Gefahr ( z.B. Todes­fälle von Rückkehrern!).

Dr. Alp Ayan:
„In der Türkei wur­den von Trau­mather­a­peuten Stan­dards für die spez­i­fis­che und umfassende Behand­lung von kör­per­lichen und psy­chis­chen Trau­ma- und Folter­fol­gen entwick­elt: Vor­rangig gilt, solange die Gefahr der Retrau­ma­tisierung beste­ht, kann keine Ther­a­pie erfol­gre­ich stat­tfind­en. Entschei­dend ist das soziale Gefüge während der Ther­a­pie, jedoch befind­en wir uns auch da auf dün­nem Eis, wenn z.B. das Trau­ma evtl. etwas mit dem Vater zu tun hat. Eben­so ist bei jed­er — wenn evtl. auch begren­zten — Fes­t­nahme eine Extrem­trau­ma­tisierung (Retrau­ma­tisierung) zu befürcht­en. Eben­so ist es bei der Kon­fronta­tion mit dem Ort der Gefahr, der Folter.
Es muss sehr sen­si­bel mit dem Umfeld umge­gan­gen werden.
Im Sinne des sozialen Umfelds müssen die Mitar­beit­er und
Men­schen­rechtsvertei­di­ger in den Stiftun­gen zusät­zlich beurteilen: Ist es in der Türkei zu ein­er Besserung gekom­men, wird noch gefoltert? Wie funk­tion­iert der Rechtsstaat? Entsprechen Richter/Gerichtsurteile rechtsstaatlichen Stan­dards oder sind sie men­schen­ver­ach­t­end? Dies ist in der Türkei der Fall. Wie ste­ht es mit der Straflosigkeit?“
Für den Fall, dass eine große Anzahl Men­schen in den Stiftun­gen um Hil­fe bit­ten wür­den, gäbe es ein Prob­lem der Kapaz­ität. Die Mitar­beit­er kön­nten ihre Stan­dards nicht mehr aufrechter­hal­ten und müssten dies veröf­fentlichen. Die Kapaz­itäten der Stiftung sind auch durch finanzielle Schwierigkeit­en begren­zt, so dass die Mitar­beit­er bere­its jet­zt an ihren Gehäl­tern und Räum­lichkeit­en sparen, nicht aber an der Qual­ität ihrer Arbeit.
Trau­mather­a­pie außer­halb der Reha­bil­i­ta­tion­szen­tren der TIHV
Im West­en der Türkei gibt es einige Psy­chi­ater mit ein­er Zusatzaus­bil­dung für Trau­mather­a­pie. Sie arbeit­en in pri­vater Prax­is, müssen in der Regel pri­vat bezahlt wer­den. Im Osten gibt es keine speziell aus­ge­bilde­ten Psy­chi­ater und nur wenig Möglichkeit­en, eine Ther­a­pie zu bekom­men. In Tunceli gibt es z.B. gar keine Psy­chi­ater. Die Zahl der Fachärzte ist sehr klein.
Nur medika­men­töse Ther­a­pie ist möglich, bei psy­chis­chen Trau­mafol­gen aber nur als unter­stützende Behand­lung sinnvoll.
In den psy­chi­a­trischen Kranken­häusern im Osten der Türkei gibt es keine Psy­chi­ater mit ein­er entsprechen­den Zusatzaus­bil­dung. Für Folteropfer ist es auch kaum möglich, in einem staatlichen oder Uni­ver­sität­skranken­haus behan­delt zu werden.
Eine wichtige Voraus­set­zung für die Behand­lung ist das Ver­trauen des Patien­ten in den Ther­a­peuten. Ein Opfer staatlich­er Gewalt kann dieses Ver­trauen in einem  staatlichen Kranken­haus kaum entwick­eln, in dem sich schon am Ein­gang ein Polizeiposten befind­et, in dem über­all Bilder des Staats­grün­ders Atatürk und türkische Fah­nen hän­gen, in dem sich auf lan­gen Fluren unüber­sichtlich viele Men­schen drängen.

Retrau­ma­tisierung
Dr. Alp Ayan:
„Die Frage der Retrau­ma­tisierungs­ge­fahr sollte in Rela­tion geset­zt wer­den zu der Häu­figkeit von Trau­ma­tisierung bei Folteropfern. Laut inter­na­tionaler Sta­tis­tiken ist eine Erkrankung­shäu­figkeit für PTSD und komor­bide Störun­gen 35–40 %. Wichtig sei dabei festzustellen , dass sich das Krankheits­bild ein­er PTSD o.ä. oft erst nach vie­len Jahren zeigt. Auch eine Gefolterte®, der/die nur unter Alb­träu­men lei­det oder gar keine Symp­tome hat, könne sich plöt­zlich umbrin­gen oder erst nach ca. 30 Jahren Symp­to­matik bekom­men (Trau­ma führt zu Ver­mei­dung, der Gefolterte will vergessen, dadurch entste­ht ein Energi­es­tau, wodurch es plöt­zlich zum Aus­bruch der Symp­to­matik kom­men kann) . Eine Sta­tis­tik zur Retrau­ma­tisierung sei daher nicht möglich, die Gefahr jedoch immer zu bedenken.“
Yavuz Önen, IHD:
„Es gibt keine inländis­che Fluchtal­ter­na­tive, da die Men­schen nicht sich­er sind, dass sie erneut festgenom­men wer­den. In Istan­bul und in anderen Städten ist es z.B. nicht erlaubt als „fliegende Händler“ zu arbeit­en. Bei Kon­trollen ist der  Geburt­sort entscheidend“.

Zugang zur Gesundheitsversorgung
Für mit­tel­lose Men­schen gibt es in der Türkei die „Yesil Kart“, die beim Gou­verneur beantragt wer­den muss. Sie berechtigt zur Behand­lung in Gesund­heitssta­tio­nen, staatlichen Kranken­häusern und auf Über­weisung auch in den meis­ten Uni­ver­sität­skliniken. Seit einem Jahr wer­den auch Medika­mentenkosten abgedeckt.
Es gibt jedoch viele Hin­dernisse. Im Südosten bekom­men ca. 70% der Antrag­steller keine Karte. Nach dem Gesetz muss zwar eine Bescheini­gung über die Gründe ein­er Ver­weigerung der Grü­nen Karte aus­gestellt wer­den; dies geschieht in der Prax­is nicht. Kommt ein Antrag­steller mit einem Recht­san­walt, heißt es, der Antrag sei nicht abgelehnt, er sei noch im Entschei­dung­sprozess. In den Großstädten im West­en ist es etwas bess­er. Hier gibt es manch­mal Sozialar­beit­er, die helfen.
Gründe:
Bin­nen­ver­triebene sind oft nicht gemeldet, die Kom­mune ver­weigert die Reg­istrierung. Bin­nen­ver­triebene gel­ten nicht als bedürftig, weil sie in ihrem Heimat­dorf noch als Besitzer eines Haus­es oder Feldes einge­tra­gen sind, über das sie allerd­ings nicht ver­fü­gen kön­nen, weil z.B. Dorf­schützer Haus und Hof nutzen.
Die Antrag­steller wer­den sehr schlecht behan­delt, beson­ders wenn sie aus den kur­dis­chen Gebi­eten kom­men. („Geh doch zur PKK, sollen die für Dich sor­gen!“) Anträge wer­den über lange Zeit nicht bearbeitet.

Folter und Straflosigkeit im Jahre 2005

Die Prax­is entspricht nicht den Geset­zen und inter­na­tionalen Abkommen:
a) Keine zügige Strafver­fol­gung der Folterer;
b) keine Haft­be­fehle gegen Folterer;
c) falls über­haupt Strafen, dann nur geringe;
d) ganz wenige Folter­er sind bestraft worden;
e) keine Sus­pendierun­gen, lange Ver­fahrens­dauer; angeklagte Folter­er kom­men oft nicht zu den Ver­hand­lun­gen, sie bekom­men ihre Rente und haben nichts zu befürchten.
Beispiel: 2004 wur­den 13 Ver­fahren gegen Folter­er ein­geleit­et, 54 Beamte wur­den angeklagt, nur 4 verurteilt (sie wur­den jedoch nur versetzt).
IHD und TIHV veröf­fentlichen jährlich Berichte und Sta­tis­tiken über Folter. Durch die Anmel­dun­gen beim TIHV beste­ht Ken­nt­nis zu Folter und den damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Umstän­den, Polizei­haft usw. in allen Provinzen:
— nur in 16 % hat­ten die Klien­ten die Möglichkeit, einen Recht­san­walt hinzuzuziehen,
— nur in 27% wur­den sie einem Arzt vorgeführt.
— 58,9% der beim TIHV angemelde­ten Klien­ten sind nicht reg­istri­erte und schw­er gefolterte Menschen.
— von den durch TIHV reg­istri­erten Fällen haben sich 55% bei den Fes­t­nah­men länger in Haft befun­den als geset­zlich vorgesehen.
— die neuerd­ings ange­wandten Folter­meth­o­d­en führen zu weniger offen­sichtlichen Spuren; die Fol­gen sind meist unsichtbar.
— 83,9% Folter­maß­nah­men bei poli­tis­chen Gefan­genen; Rest­prozentsatz bei krim­inellen Häftlingen.
— die Zahl der angemelde­ten Men­schen, die im Osten und Südosten geboren sind, hat sich abso­lut vermehrt.
— die schlecht­en Haftbe­din­gun­gen haben sich eben­so ver­schlim­mert: sowohl bei den all­ge­meinen Recht­en, Ernährung, Hygiene, Gesund­heitssi­t­u­a­tion, Iso­la­tion, ins­bes. gegenüber poli­tisch Gefan­genen. Auf­grund dieser Tat­sachen kommt es zu Protesten und Hunger­streiks, die auch zu Todes­fällen führen.

München/Berlin im Jan­u­ar 2006

Dr. med. Wal­traut Wirtgen
(FA F Psy­chother­a­peutis­che Medi­zin, Psy­cho­analyse, freie MItar­bei­t­erin bei Refu­gio München), Dr. med. Gisela Pen­tek­er (Türkeibeauf­tragte der IPPNW)

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Psychosoziale Betreuung von Folteropfern in der Bundesrepublik

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hier kön­nen Sie den Beitrag “Psy­chosoziale Betreu­ung von Folteropfern in der Bun­desre­pub­lik” von Dr. Ulrike Heckl in ihrer Funk­tion als Men­schen­rechts­beauf­tragte des BPP-Prä­sid­i­ums herunterladen:

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Den voll­ständi­gen Text kön­nen Sie auch hier lesen:

Obwohl sie damit gegen die „All­ge­meine Erk­lärung der Men­schen­rechte“ (1948), der „Erk­lärung der Gen­er­alver­samm­lung der UN über den Schutz vor Folter“ (1975) sowie der „Europäis­chen Kon­ven­tion zur Ver­hin­derung der Folter (1987) ver­stoßen, wird in mehr als Hun­dert Staat­en (Jahres­berichte von amnesty inter­na­tion­al) Folter als Instru­ment zum Ver­hör oder zur sys­tem­a­tis­chen Unter­drück­ung ange­wandt. Die Mehrheit aller Betrof­fe­nen über­lebt die Mißhand­lun­gen; denn Folter wird nicht einge­set­zt, um den Tod des Einzel­nen her­beizuführen, auch wenn immer wieder Men­schen unter der Folter qualvoll ster­ben. Ziel von Folter ist die Erniedri­gung und die Ver­nich­tung der Per­sön­lichkeit; denn Men­schen mit ein­er gebroch­enen Per­sön­lichkeit ver­lieren ihre Fähigkeit zum Widerstand.
Gelingt die Flucht — oft unter drama­tis­chen Umstän­den — aus ihrem Heimat­land, dann begin­nt für sie die erniedri­gende Proze­dur des Asylge­suchs. In den „Lagern“ herrschen meist unerträgliche und men­sche­nun­würdi­ge Zustände, die die Erin­nerun­gen an die Zeit der Gefan­gen­schaft wieder wachrufen. Hinzu kommt die Anhörung vor der Asyl­be­hörde. Hier ste­ht die Glaub­würdigkeit der Asyl­suchen­den auf dem Prüf­s­tand. Schon ein unbe­deu­ten­der Wider­spruch kann zur Ablehnung des Asy­lantrags führen. Inzwis­chen weiß man, daß ins­beson­dere trau­ma­tisierte Men­schen häu­fig unfähig sind, über ihre Mißhand­lun­gen zu sprechen. Insofern bringt die Anhörungssi­t­u­a­tion diese Men­schen in eine Wieder­hol­ungssi­t­u­a­tion der Ver­höre und Inhaftierung durch Polizei und Mil­itärs in ihren Heimatlän­dern und die ständi­ge Angst vor ein­er Abschiebung wirkt erneut als Traumatisierung.
Auch wenn die physis­chen Ver­let­zun­gen irgend­wann geheilt sind, die psy­chis­chen Ver­let­zun­gen dauern an und bleiben ohne fremde Hil­fe und Behand­lung zeitlebens erhal­ten. Trau­ma­tisierte Men­schen kön­nen unter starken Depres­sio­nen, Äng­sten und Alp­träu­men lei­den. Weit­er­hin gehören innere Unruhe, Wah­n­vorstel­lun­gen, Ohn­machts­ge­füh­le, Apathie und Gedächtss­chwund zu den Merk­malen, die bei den Opfern zu beobacht­en sind.
Inzwis­chen haben sich in eini­gen Städten der Bun­desre­pub­lik Psy­chosoziale Beratungszen­tren für Flüchtlinge — und Behand­lungszen­tren für Folteropfer gegrün­det.. Hier leis­ten fach­lich hochqual­i­fizierte ÄrztIn­nen, Psy­chologIn­nen, Psy­chother­a­peutIn­nen, Sozialar­bei­t­erIn­nen, Phys­io­ther­a­peutIn­nen und Dol­metscherIn­nen gemein­sam eine fundierte Betreu­ung der Flüchtlinge.
Aus den hier gewon­nen umfan­gre­ichen Erfahrun­gen lassen sich Rückschlüsse über Verän­derun­gen oder eine Zunahme von kör­per­lichen und psy­chis­chen Folter­meth­o­d­en in den jew­eili­gen Herkun­ft­slän­dern der Flüchtlinge schließen und regen schließlich auch dazu an, Konzepte zur Behand­lung von Folter­fol­gen zu erar­beit­en und auszu­tauschen . Darüber hin­aus fließen diese gewonnenen Erken­nt­nisse gezielt in Fort­bil­dun­gen für inter­essierte Kol­legIn­nen ein.
Im fol­gen­den möchte ich eine kurze Über­sicht über die Zen­tren, die mir bekan­nt sind, geben:

Berlin (Behand­lungszen­trum für Folteropfer, Klinikum Wes­t­end): polik­lin­is­che Ein­rich­tung zur medi­zinis­chen und psy­chother­a­peutisch — sozialen Behand­lung von extrem­trau­ma­tisierten Opfern staatlich organ­isiert­er Gewalt. Der Auf­gaben­bere­ich erstreckt sich über all­ge­mein­medi­zinis­che und psy­chi­a­trische Diag­nos­tik und Ther­a­pie, Gutacht­en im Auf­trag von Gericht­en und Ver­sorgungsämtern, Sozialther­a­pie, Phys­io­ther­a­pie und psy­chother­a­peutis­che Einzel- Paar‑, Fam­i­lien- und Grup­penther­a­pi­en (tiefenpsy­chol­o­gis­ch­er und klien­ten­zen­tri­ert­er Ansatz, kog­ni­tive Ver­hal­tens­ther­a­pie, Psy­chodra­ma, Gestalt­ther­a­pie, Fam­i­lien­ther­a­pie, Hyp­nother­a­pie, Kun­st­ther­a­pie). Im Bere­ich der Forschung beste­ht eine Koop­er­a­tion mit Hochschulen und darüber­hin­aus wird von den Mitar­bei­t­erIn­nen des Zen­trums Super­vi­sion für Heil­beru­fler, Dol­metsch­er und Insti­tu­tio­nen angeboten.

Berlin („Xenion“): psy­chother­a­peutis­che Beratungsstelle für poli­tisch Ver­fol­gte, die extrem­trau­ma­tisieren­den Erfahrun­gen, wie poli­tis­chem Ter­ror, Folter und Krieg aus­ge­set­zt waren. Ange­bote beste­hen in psy­chol­o­gis­ch­er Beratung und Kriesen­ber­atung, sys­temis­ch­er Einzelther­a­pie, Paar- und Fam­i­lien­ther­a­pie, Grup­penpsy­chother­a­pie, Psy­chodra­ma, in Fort­bil­dun­gen zu Prob­lem­stel­lun­gen in der Flüchtlingsar­beit und im interkul­turellen Arbeits­bere­ich, sowie in Hil­fen bei Aufenthalts‑, Arbeits- und sozial­rechtlichen Problemen.

Bre­men (PSZ „Refu­gio“): psy­chosoziales Zen­trum, dessen Schw­er­punkt in Krisen­ber­atung und Beratung in den Flüchtling­sun­terkün­ften liegt. Es wird Einzel — und Grup­penther­a­pi­en für Folteropfer und Hil­fen bei psy­cho­so­ma­tis­chen Beschw­er­den ange­boten, sowie speziell Betreu­ung von unbe­gleit­eten min­der­jähri­gen Flüchtlin­gen. Außer­dem wer­den Kon­tak­te zu Ämtern, Ärzten und Ther­a­peuten vermittelt.

Düs­sel­dorf (PSZ): psy­chosoziales Zen­trum, in dem Flüchtlinge bei Prob­le­men, die durch die Haft‑, Lager- und Folter­erfahrun­gen wie auch die Exil­si­t­u­a­tion her­vorgerufen sind, berat­en wer­den. In der bera­ter­isch — ther­a­peutis­chen Arbeit wer­den sozialkul­turelle, psy­chol­o­gis­che, medi­zinis­che, flüchtlings — und migra­tionsspez­i­fis­che Aspek­te inte­gri­ert. Im psy­chother­a­peutis­chen Bere­ich sind die Ther­a­peutIn­nen klien­ten­zen­tri­ert, ver­hal­tens­ther­a­peutisch, tiefenpsy­chol­o­gisch, fam­i­lien- und gestalther­a­peutisch ori­en­tierte. Außer­dem wird mit Psy­chodra­ma, Kun­st­ther­a­pi­en, Entspan­nungs- und Imag­i­na­tionsver­fahren gear­beit­et. Darüber­hin­aus wer­den Super­vi­sion für andere Ein­rich­tun­gen und Work­shops ange­boten. In Düs­sel­dorf beste­ht eine enge Zusam­me­nar­beit mit Ärzten, Ther­a­peuten, Kliniken und Anwäl­ten aus der Region.

Freiburg i. Br. (Psy­chosoziale Beratungsstelle für Migranten und ihre Fam­i­lien): die Beratungsstelle wurde als ergänzende Ein­rich­tung zu den dezen­tralen Dien­sten in der Flüchtlingssozialarbeit
kon­sti­tu­iert und ist deshalb eine über­ge­ord­nete Anlauf­stelle für ver­schiedene Migra­tions­grup­pen. Im Mit­telpunkt ste­ht die „Reha­bil­i­ta­tion von Folteropfern“ in Form von psy­chol­o­gis­ch­er Beratung, psy­chother­a­peutis­ch­er Behand­lung, die auch das Ange­bot von Kun­st­ther­a­pie und Konzen­tra­tiv­er Bewe­gungs­ther­a­pie sowie Sozial­ber­atung der Migran­tInnen bein­hal­tet. Die Beratungsstelle ste­ht für Anfra­gen zu rechtlichen Fragestel­lun­gen, Infor­ma­tio­nen zu bes­timmten Flucht­grup­pen oder eth­nis­chen Grup­pen, zu Herkun­ft­slän­dern, Rück- und Weit­er­wan­derungsmöglichkeit­en und zu Hil­f­s­möglichkeit­en in ver­schiede­nen Lebenssi­t­u­a­tio­nen, Sprachkursen und zu spez­i­fis­chen Ein­rich­tun­gen und Beratungsst­stellen zur Verfügung.

Frank­furt / M. (PSZ): psy­chosoziales Zen­trum mit Schw­er­punkt auf Beratung und Ther­a­pie für trau­ma­tisierte Flüchtlinge und Opfer organ­isiert­er Gewalt mit einem inte­gra­tiv­en Ansatz, der neben ver­schiede­nen ther­a­peutis­chen Rich­tun­gen speziell interkul­turelle Beratung und Ther­a­pie bein­hal­tet. Über die Kurz- und Langzeit­ther­a­pi­en für Einzelne, Paare und Fam­i­lien bieten die Frank­furter flucht- und exil­be­zo­gene Selb­ster­fahrungs­grup­pen an. Konzepten­twick­lung für Beratung und Ther­a­pie von Flüchtlin­gen, Erstellen von Gutacht­en, Vorträge, Sem­i­nare, Work­shops in Zusam­me­nar­beit mit nationalen und inter­na­tionalen Insti­tu­tio­nen und prax­is­be­zo­gene Begleitung und Fort­bil­dung gehören eben­falls zum Aufgabenbereich.

Hom­burg / Saar: an den Uni­ver­sität­skliniken des Saar­lan­des soll dem­nächst eine Sta­tion zur Behand­lung schw­er trau­ma­tisiert­er Patien­ten, ins­beson­dere von Folteropfern, ein­gerichtet wer­den. Neben der spez­i­fis­chen Psy­chother­a­pie für Extrem­trau­ma­tisierte soll die Behand­lung Kun­st- und Musik­ther­a­pie, Kör­perther­a­pie und Phys­io­ther­a­pie umfassen. Hin­sichtlich der kör­per­lichen Folgeschä­den wird eine enge Koop­er­a­tion mit den organ­medi­zinis­chen Kliniken der Uni­ver­sität bestehen.

Köln (PSZ): die Unter­stützung umfaßt psy­chother­a­peutis­che, psy­chi­a­trische und psy­cho­so­ma­tis­che Diag­nos­tik und psy­cho­an­a­lytisch — sys­temisch ori­en­tierte Einzel- und Fam­i­lien­ther­a­pie, psy­chother­a­peutis­che Kurzzeitver­fahren, Kun­st- Tanz- und Bewe­gungs­ther­a­pie, medi­zinis­che Begutach­tun­gen, Sozial­ber­atung und rechtliche Unter­stützung. Im Pro­gramm ste­hen weit­er­hin Frauen­grup­pen und Deutschkurse. Von den Mitar­bei­t­erIn­nen wird für Kol­legIn­nen und Ehre­namtliche fach­liche Beratung, Super­vi­sion und Fort­bil­dun­gen angeboten.

München („Refu­gio“): Beratungs- und Behand­lungszen­trum für trau­ma­tisierte und gefolterte Flüchtlinge sowie Flüchtlinge, die sich in psy­chis­chen Krisen befind­en. Eine enge Zusam­me­nar­beit hat sich mit Ärzten, Sozial­dien­sten, Anwäl­ten und Gericht­en etabliert.

Saar­brück­en (PSZ): Schw­er­punkt liegt in der  Asylver­fahren­srechtlichen und aus­län­der­rechtlichen Einzelfall­ber­atung in Zusam­me­nar­beit mit den Rechts­ber­ater­netz der Diakonie, Beratung von Flüchtlingskindern (schulis­che und beru­fliche Inte­gra­tion, Hil­festel­lung bei famil­iären Kon­flik­ten sowie bei Prob­le­men im sozialen Umfeld).Darüberhinaus wer­den Sprach- und Ori­en­tierungskurse angeboten

Ulm (Behand­lungszen­trum für Folteropfer): Haup­tauf­gaben­bere­ich liegt in der Erstel­lung von ärztlichen Gutacht­en zur erlit­te­nen Folter und deren gesund­heitlichen Fol­gen als Grund­lage für Asylver­fahren. Die Beson­der­heit im Ulm, ist, daß ein flex­i­bles Net­zw­erk aus Sozial­dien­sten, niederge­lasse­nen Ther­a­peuten und Ärzten aufge­baut wer­den kon­nte, das auch die Bere­iche der Körper‑, Kunst‑, Musik‑, Gestalt- und Gespräch­spsy­chother­a­pie umfaßt. Im Behand­lungszen­trum find­en Super­vi­sion, Fort­bil­dun­gen und Fam­i­lienkon­feren­zen statt. Außer­dem beste­ht eine Zusam­me­nar­beit mit der Uni­ver­sität Ulm (die Infor­ma­tio­nen wur­den aus ai — Jour­nal 9 / 1996 und Tätigkeits­bericht­en der Zen­tren entnommen).
Die Über­sicht hat keine Anspruch auf Voll­ständigkeit, da sich immer wieder Ini­tia­tiv­en grün­den, deren Aktiv­itäten über­re­gion­al erst verzögert bekan­nt wer­den. Auch in Gera, Greif­swald und Magde­burg wur­den vor einiger Zeit psy­chosoziale Zen­tren für Flüchtlinge gegrün­det, zu denen ich aber lei­der keine näheren Infor­ma­tio­nen habe.
Die Teams der einzel­nen Zen­tren set­zen sich häu­fig aus Fachkräften zusam­men, die aus unter­schiedlichen Kul­turkreisen stam­men. Träger der genan­nten Ein­rich­tun­gen sind i.d.R. kirch­liche Ver­bände und Wohlfahrtsver­bände, im Einzelfall wie in Freiburg, wer­den auch Gelder aus EU — Mit­teln bere­it­gestellt. Ins­ge­samt sind die Zen­tren jedoch ver­mehrt durch empfind­liche finanzielle Kürzun­gen getrof­fen, die die inhaltliche Arbeit nicht nur erschw­eren, son­dern teil­weise auch in Frage stellen, da Mitar­beit­er­stellen nicht weit­er finanziert wer­den können.

Die meis­ten der genan­nten Zen­tren sind im ai — Arbeit­skreis „Medi­zin / Psy­cholo­gie / Pflege“ einge­bun­den. Beson­ders hil­fre­ich und effek­tiv haben regionale amnesty — Grup­pen dazu beige­tra­gen, die medi­zinisch — psy­chol­o­gis­che, foren­sis­che und psy­chi­a­trische Gutachtertätigkeit in den Behand­lung­sein­rich­tun­gen mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen über die betrof­fe­nen Län­der und Eth­nien zu versorgen.

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