Schlagwort-Archive: Rechtssystem

Traumatisierte Flüchtlinge und Überlebende von Folter in der Asylgesetzgebung von 1998 — Flüchtlings-Kinder in der Generationenfolge

Hier kön­nen Sie den Artikel “Trau­ma­tisierte Flüchtlinge und Über­lebende von Folter in der Asylge­set­zge­bung von 1998 -
Flüchtlings-Kinder in der Gen­er­a­tio­nen­folge” von Wal­traud Wirt­gen aus dem Jahr 1999 herunterladen:

1999 fluechtlingskinder trau­ma twirtgen

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 7, 1999, Nr. 1+2, S. 151 — 163

Die Zusam­men­fas­sung kön­nen Sie hier lesen:
Aus der Arbeit des Beratungs- und Behand­lungszen­trums für Flüchtlinge und Folteropfer REFUGIO München wird die Fort­set­zung trau­ma­tisieren­der Prozesse durch die Asyl- und  Aus­län­derge­set­zge­bung dargestellt. Ein legaler Zugang zu Schutz und
Asyl in Deutsch­land ist fak­tisch nicht mehr gegeben: Auf­grund ihrer Sprachlosigkeit (ein Haupt­symp­tom ihrer Trau­mafol­gen) und ihrer in der Sit­u­a­tion i.a. durch sie nicht beweis­baren „staatlichen“ Ver­fol­gung wird der Asy­lantrag der Flüchtlinge i.d.R. bere­its in der Erstan­hörung beim Bun­de­samt für die Anerken­nung aus­ländis­ch­er Flüchtlinge (BAFL) abgelehnt. Fol­gen des fehlen­den Schutzes, ein­er adäquaten
Behand­lung und der ständi­gen Angst vor der dro­hen­den Abschiebung sind Chronifizierung von kör­per­lichen und psy­cho­so­ma­tis­chen Folter­fol­gen, Depres­sio­nen und
Angst­neu­rosen. Als Hauptlei­d­tra­gende geben Flüchtlingskinder ihre trau­ma­tis­chen Erfahrun­gen, die fehlende emo­tionale Zuwen­dung ihrer trau­ma­tisierten Eltern und deren häu­fige psy­chis­che „Ver­steinerung“ an die näch­sten Gen­er­a­tio­nen weit­er. Angeboten
psy­chosozialer Unter­stützung bleibt zumeist nur eine Krisen- und „Feuer­wehr“- Funk­tion; angemessene Hil­fe und Behand­lung sind unter den gegen­wär­ti­gen, gesellschaftlich vorgegebe­nen Rah­menbe­din­gun­gen kaum möglich. Der soziokulturelle,
gesamt­ge­sellschaftliche und gesund­heitliche Schaden im Heimat- wie im „Gast“- land sind unabsehbar.

Share

Abschiebedrohung — für die Flüchtlinge eine Traumatisierung ohne Ende

Hier kön­nen Sie den Artikel “Abschiebedro­hung — für die Flüchtlinge eine Trau­ma­tisierung ohne Ende” von Dr. Ulrike Heckl aus dem Jahr 1998 herunterladen:

1998 trau­ma und abschiebung_heckl

Lesen Sie auch den Artikel hier:

Seit dem „Asylkom­pro­miss“ von 1993 ist die Zahl der in der Bun­desre­pub­lik um Asyl Suchen­den drastisch gesunken. Die Ein­reise ist nur noch auf dem Landweg ille­gal über Schlep­per möglich. Kom­men Flüchtlinge näm­lich über einen soge­nan­nten sicheren Drittstaat in die BRD, kön­nen die Gren­zschutzbeamte sie sofort und ohne jedes Ver­fahren zurückweisen.
Bei ein­er Ein­reise per Flugzeug gilt die „Flughafen­regelung“. Die Flüchtlinge wer­den bere­its im Tran­sit­bere­ich des Flughafen­gelän­des abge­fan­gen und in ein­er Flüchtling­sun­terkun­ft, genannt
„Trans­fik­tion“, unterge­bracht. „Das erste, was sie begreifen müssen, ist, daß sie nicht in Deutsch­land sind (…). Die Flucht ist keineswegs zu Ende, son­dern höch­stens die touris­tis­che Kom­po­nente“, so der Leit­er des Frank­furter Flughafen­sozial­dien­stes (FR v. 12.1.98) In
einem verkürzten Asylver­fahren — es soll nach drei Wochen been­det sein — wird über ihr Schick­sal entsch­ieden. Diese rechtsstaatlich frag­würdi­gen Ver­fahren enden meist mit ein­er pauschalen Ablehnung des Asy­lantrags und in Kon­se­quenz mit ein­er sofor­ti­gen Abschiebung der Flüchtlinge in einen soge­nan­nten sicheren Drittstaat oder in ihr Herkun­ft­s­land. Fehlen Papiere oder das Herkun­ft­s­land weigert sich, die oder den Betroffene/n zurück­zunehmen, dann kann der Aufen­thalt in diesem umfunk­tion­ierten gefäng­nis­ar­ti­gen Fracht­ge­bäude Wochen
dauern. Dieses Vorge­hen bedeutet, daß die Flüchtlinge auf diese Weise kein richtiges Asylver­fahren erhal­ten und zum anderen die Gefahr ein­er Ket­ten­ab­schiebung beste­ht, daß näm­lich jedes Land sie wieder in das vorherige soge­nan­nte sichere Drit­t­land zurückschickt.
Es find­et so keine Über­prü­fung des Einzelfalls mehr statt und nicht wenige Flüchtlinge lan­den nach ein­er Odyssee am Ende wieder dort, von wo aus sie — oft wegen Folter und Ver­fol­gung — geflo­hen sind.
Die meis­ten Men­schen, die hier um Asyl bit­ten, kom­men aus Bürg­erkriegslän­dern als Einzelper­so­n­en oder mit ihren Fam­i­lien. In den ersten Tagen nach der Ankun­ft find­et ein Erstinterview
beim Bun­de­samt für die Anerken­nung aus­ländis­che Flüchtlinge statt. Von den Flüchtlin­gen wird erwartet, daß sie ihr Ver­fol­gungss­chick­sal detail­liert und wider­spruchs­frei schildern.
Auf­grund jedoch ihrer folter- und traum­abe­d­ingten Schädi­gun­gen sind ein Großteil dieser Per­so­n­en nicht in der Lage, sofort nach ihrer Flucht, zu diesem Zeit­punkt und in diesem Rah­men über ihre Folter­erleb­nisse zu sprechen. Sie sind nicht fähig ihre erlit­te­nen Mißhand­lun­gen ver­fahrens­gerecht adäquat darzule­gen und ihr Asy­lan­liegen vorzubrin­gen Auch Gedächt­nis- und Konzen­tra­tionsstörun­gen im Rah­men eines post­trau­ma­tis­chen Belas­tungssyn­droms oder als Folge von Hirn­ver­let­zun­gen nach Schlä­gen kön­nen ver­hin­dern, daß diese Men­schen präzise Angaben machen kön­nen. Die Anhörung beim Bun­de­samt kann bei den
Über­leben­den von Folter alte Erin­nerun­gen an Ver­höre in ihrem Heimat­land reak­tivieren. In vie­len Fällen ver­bi­etet Scham, erlit­te­nen Mißhand­lun­gen preiszugeben. Direk­te Befra­gun­gen bedeuten immer eine Kon­fronta­tion, da die erlebte erniedri­gende Behand­lung wieder­erlebt wird mit all ihren psy­chis­chen Auswirkun­gen. Um sich vor so ein­er Reizüber­flu­tung zu schützen, reagiert ein großer Teil der Flüchtlinge mit Ver­drän­gung und Ver­mei­dung. Und darüber hin­aus beste­ht zusät­zlich häu­fig auch die Furcht, daß die Aus­sagen dem Geheim­di­enst im Heimat­land zugänglich gemacht wer­den könnten.
Für die Asylver­hand­lung bedeutet eine nicht strin­gente Darstel­lung eines Ver­fol­gungss­chick­sals, daß die Glaub­würdigkeit der betr­e­f­fend­en Per­son infrage gestellt ist — eine nicht mehr
zu kor­rigierende Kon­se­quenz. Nicht sel­ten wird der Asy­lantrag bere­its bei der Erstan­hörung als „unglaub­würdig“ oder „offen­sichtlich unbe­grün­det“ abgelehnt und dem oder der Asylsuchenden
„grobes Ver­schulden“ bezüglich sein­er oder ihrer unge­nauen Darstel­lung ihrer Ver­fol­gungs­geschichte zur Last gelegt.
Die meis­ten Asyl­suchen­den haben keine Vorstel­lung davon, was bei der Erstan­hörung von ihnen erwartet wird, d.h. welche Punk­te in ihrer Ver­fol­gungs­bi­ogra­phie asyl­rel­e­vant sind. .
Speziell viele Flüchtlings­frauen haben vor dem Hin­ter­grund ihrer kul­turellen Herkun­ft nie gel­ernt über sich zu sprechen.
Inzwis­chen weiß man, daß ein detail­liertes Sprechen über Folter­erfahrun­gen und Mißhand­lun­gen und das Zulassen und Äußern der dabei emp­fun­de­nen Gefüh­le maßge­blich von ver­schiede­nen Fak­toren abhängig ist: Neben ein­er angst­freien Atmo­sphäre, aber auch — wie schon oben erwäh­nt — von der Fähigkeit, sich an Einzel­heit­en über­haupt zu erin­nern, von dem
kul­turellen Hin­ter­grund, ins­beson­dere bezüglich Verge­wal­ti­gun­gen und sex­ueller Mißhand­lun­gen; vom Geschlecht der AnhörerIn­nen oder Rich­terIn­nen wie auch der Dolmetscherperson.
Trotz gle­ich­er Nation­al­ität gibt es in vie­len Herkun­ft­slän­dern rival­isierende poli­tis­che Grup­pierun­gen, Fam­i­lien- oder Stammes­fe­hden, die sich neg­a­tiv auf die Aussagebereitschaft
des Flüchtlings auswirken kön­nen. Ganz abge­se­hen davon, kön­nen Über­set­zun­gen immer Unsicher­heit und gegebe­nen­falls Miß­trauen mit sich bringen.
Die Zeit des Wartens während des Asylver­fahrens ist für die meis­ten Asyl­suchen­den zer­mür­bend.  Durch die Folter ist ihr Selb­st­wert­ge­fühl zer­stört. Gefühlss­chwankun­gen mit Depressionen
und Wutaus­brüchen führen zu Kon­flik­ten in den Unterkün­ften. Die Aus­sicht­slosigkeit ihrer Lage weckt wiederum trau­ma­tis­che Erin­nerun­gen. In diesen Sit­u­a­tio­nen kann es zu akuten
reak­tiv­en Psy­cho­sen kom­men und nicht sel­ten auch zu Suizid­ver­suchen. Erst zu diesem Zeit­punkt wird i.d.R. der Kon­takt zu ein­er Beratungsstelle oder einem Behandlungszentrum
geknüpft und im Rah­men der dor­ti­gen geschützten Atmo­sphäre kann es den Betrof­fen gelin­gen, die Folter­erfahrun­gen preiszugeben. Für den Ver­lauf des Asylver­fahrens hat diese „ver­spätete
Mit­teilung“ fatale Fol­gen. Nicht sel­ten wird ihnen vorge­wor­fen, „eine aus­gedachte Geschichte“ kon­stru­iert zu haben. Die in einen Asyl­fol­geantrag einge­bracht­en gutachter­lichen Stel­lung­nah­men seit­ens der Behand­lungszen­tren zu den kör­per­lichen und seel­is­chen Folter­schä­den kon­nten bish­er nur in den sel­tensten Fällen ein pos­i­tives Ergeb­nis mit Asy­lan­erken­nung bewirken.
Bei Unter­stel­lung, daß ein Flüchtling sich ein­er Abschiebung entziehen kön­nte, kann über eine Abschiebe­haft von bis zu 18 Monat­en ver­fügt wer­den. Sie beruht nicht auf einem Delikt
der inhaftierten Per­son, son­dern alleine auf der oben­ge­nan­nten Befürch­tung. Zu dem Reper­toire der Abschiebeprax­is gehören häu­fig zusät­zliche repres­sive Maß­nah­men, wie Knebelungen
oder Fes­selun­gen. Speziell in Abschiebe­haft ist die Suizidge­fahr sehr groß. Die Tat­sache, wie Straf­fäl­lige inhaftiert zu sein, kön­nen die Flüchtlinge psy­chisch nur schw­er verkraften.
Die erneute Unsicher­heit über die eige­nen Zukun­ft und die Angst vor dem, was sie in ihren Herkun­ft­slän­dern bei ein­er Abschiebung erwartet, läßt die Flüchtlin­gen mit Hunger­streik reagieren,
Rasierklin­gen ver­schluck­en, sich aufzuhän­gen oder sich die Pul­sadern aufschneiden.
Seit der Änderung des Asyl­rechts ste­ht für die AnhörerIn­nen die Rekon­struk­tion des Fluchtwegs viel mehr im Vorder­grund als die konkreten Ver­fol­gungs­bi­ogra­phien der AntragstellerInnen.
Die Anhörung erfol­gt unter einem extrem zeitlichen Druck mit ein­er Fokussierung auf die aus Behör­den­sicht entschei­dungsrel­e­van­ten Fra­gen ohne Berück­sich­ti­gung der indi­vidu­ellen psy­chis­chen Sit­u­a­tion der Befragten, d.h. mit wenig Respekt vor der Persönlichkeit
der Flüchtlinge. Ein angemessen­er Umgang mit Folterüber­leben­den kann nicht in einem Ver­wal­tungsakt gewährleis­tet wer­den. Es bedarf der Ver­mit­tlung grundle­gen­der Ken­nt­nisse in Gesprächs­führung, sowie im Umgang mit seel­is­chen Trau­ma­ta und ein­er Sensibilisierung
für indi­rek­te Andeu­tun­gen von Folter und Mißhand­lun­gen. Hier kön­nen Psy­chologIn­nen als kom­pe­tente Bera­terIn­nen für VertreterIn­nen der­jeni­gen Beruf­s­grup­pen, die in einem Asylverfahren
involviert sind, einen ganz wichti­gen Beitrag für einen men­schlicheren und respek­tvolleren Umgang in ein­er ohne­hin schon für die Flüchtlinge retrau­ma­tisieren­den Sit­u­a­tion leisten.

Dr. Ulrike Heckl

Share

Doctors and torture — factual links and ethical aspects

Hier kön­nen Sie den englis­chen Artikel “Doc­tors and tor­ture — fac­tu­al links and eth­i­cal aspects” von Torsten Lucas herunterladen:

1997-12 doctors_and_torture

Lesen Sie zum Ein­stieg das Abstract:

 

Ärzte haben bezüglich Folter eine Schlüs­sel­rolle. Sie haben beru­flichen Zugang zu den Opfern oder deren Leich­na­men. Ihre Ein­stel­lung und ihr Ver­hal­ten kön­nen entschei­dend sein, für die Behand­lung und Unter­stützung Folterüber­leben­der und die
Durch­set­zung folter­be­zo­gen­er Präven­tion, oder aber für Ver­tuschung, das Deck­en von Folter­ern und die Sta­bil­isierung repres­siv­er Regime. Def­i­n­i­tion, Funk­tion und Fol­gen von Folter, sowie typ­is­che Umstände ihres Auftretens und epidemiologische
Aspek­te wer­den disku­tiert. Symp­tome von Folter, deren unzure­ichende Erken­nung durch Ärzte und ihre diag­nos­tis­che Einord­nung im Rah­men der post­trau­ma­tis­chen Belas­tungsstörung wer­den angesprochen.
Im Mit­telpunkt des Manuskriptes ste­ht die Analyse der fak­tis­chen Zusam­men­hänge zwis­chen Arzt und Folter. Deren gesamtes Spek­trum wird dargestellt und anhand authen­tis­ch­er Beispiele illus­tri­ert. Ärzte kön­nen als Behan­del­nde oder Experten nach
der Folter die Über­leben­den stärken. Medi­zin­er kön­nen aber auch als Behan­dler oder ‘Experten’ während der Folter in Erschei­n­ung treten. Sie kön­nen an Bestra­fun­gen Verurteil­ter teil­nehmen, die der Folter gle­ichkom­men (‘legale Folter’), wie Aus­peitschun­gen, Zwangsam­pu­ta­tio­nen, oder legalen Hin­rich­tun­gen, bis hin zur
Explan­ta­tion von Orga­nen zum Tode verurteil­ter Gefan­gener zu
Trans­plan­ta­tion­szweck­en. Gewis­senhafte Ärzte, die sich trotz Ein­schüchterun­gen weigern, gegen ihre Standesethik zu ver­stoßen, gefährden ihre Kar­riere, ihre Fam­i­lien und sich selb­st. Viele wer­den ver­fol­gt oder inhaftiert und zahlre­iche Ärzte sind Opfer von ‘Ver­schwinden­lassen’ oder poli­tis­chen Mor­den gewor­den. Die Rolle
von Ärzten wird angesichts der fehlen­den Umset­zung existieren­der beruf­sethis­ch­er Dekla­ra­tio­nen disku­tiert. Während Medi­zin­er, die sich in Illi­nois, USA, aktiv an Hin­rich­tun­gen beteili­gen, bar bezahlt und per Gesetz vor den Diszi­pli­na­rauss­chüssen ihrer Beruf­s­gruppe geschützt wer­den, set­zen sich nur wenige medizinische
Berufsver­bände entschlossen für ver­fol­gte Kol­le­gen ein, die drin­gend die Unter­stützung benöti­gen, die ihnen in der Erk­lärung von Tokio seit­ens des Weltärztebun­des zugesichert wurde. Um ihre Glaub­würdigkeit zu wahren, muß die Ärzteschaft entschlossen­er gegen Medi­zin­er vorge­hen, die sich an Über­grif­f­en beteiligen,
während ehren­hafte und mutige Kol­le­gen, wenn stille Diplo­matie scheit­ert, durch die Mobil­isierung weltweit­er Öffentlichkeit geschützt wer­den müssen.

Share

Doctors and Torture — factual links and ethical aspects

Dies ist ein englis­ch­er Artikel von Torsten Lucas über die Beziehun­gen von Ärzten zu Folter und die ethis­chen Aspek­te davon aus dem Jahr 1997:

1997-12 doctors_and_torture

Hier find­en Sie den Anfang des Texts:

Ärzte haben bezüglich Folter eine Schlüs­sel­rolle. Sie haben beru­flichen Zugang zu den Opfern oder deren Leich­na­men. Ihre Ein­stel­lung und ihr Ver­hal­ten kön­nen entschei­dend sein, für die Behand­lung und Unter­stützung Folterüber­leben­der und die
Durch­set­zung folter­be­zo­gen­er Präven­tion, oder aber für Ver­tuschung, das Deck­en von Folter­ern und die Sta­bil­isierung repres­siv­er Regime. Def­i­n­i­tion, Funk­tion und Fol­gen von Folter, sowie typ­is­che Umstände ihres Auftretens und epidemio-logische
Aspek­te wer­den disku­tiert. Symp­tome von Folter, deren unzure­ichende Erken­nung durch Ärzte und ihre diag­nos­tis­che Einord­nung im Rah­men der post­trau­ma­tis­chen Belas­tungsstörung wer­den ange­sprochen. Im Mit­telpunkt des Manuskriptes ste­ht die Analyse der fak­tis­chen Zusam­men­hänge zwis­chen Arzt und Folter. Deren gesamtes Spek­trum wird dargestellt und anhand authen­tis­ch­er Beispiele illus­tri­ert. Ärzte kön­nen als Behan­del­nde  oder Experten nach der Folter die Über­leben­den stärken. Medi­zin­er kön­nen aber auch als Behan­dler oder ‘Experten’ während der Folter in Erschei­n­ung treten. Sie kön­nen an Bestra­fun­gen Verurteil­ter teil­nehmen, die der Folter gle­ichkom­men (‘legale Folter’), wie
Aus­peitschun­gen, Zwangsam­pu­ta­tio­nen, oder legalen Hin­rich­tun­gen, bis hin zur Explan­ta­tion von Orga­nen zum Tode verurteil­ter Gefan­gener zu Trans­plan­ta­tion­szweck­en. Gewis­senhafte Ärzte, die sich trotz Ein­schüchterun­gen weigern, gegen ihre Standesethik zu ver­stoßen, gefährden ihre Kar­riere, ihre Fam­i­lien und sich selb­st. Viele wer­den ver­fol­gt oder inhaftiert und zahlre­iche Ärzte
sind Opfer von ‘Ver­schwinden­lassen’ oder poli­tis­chen Mor­den gewor­den. Die Rolle von Ärzten wird angesichts der fehlen­den Umset­zung existieren­der beruf­sethis­ch­er Dekla­ra­tio­nen disku­tiert. Während Medi­zin­er, die sich in Illi­nois, USA, aktiv an Hin­rich­tun­gen beteili­gen, bar bezahlt und per Gesetz vor den   Diszi­pli­na­rauss­chüssen ihrer Beruf­s­gruppe geschützt wer­den, set­zen sich nur wenige medi­zinis­che Berufsver­bände entschlossen für ver­fol­gte Kol­le­gen ein, die drin­gend die Unter­stützung benöti­gen, die ihnen in der Erk­lärung von Tokio seit­ens des Weltärztebundes
zugesichert wurde. Um ihre Glaub­würdigkeit zu wahren, muß die Ärzteschaft entschlossen­er gegen Medi­zin­er vorge­hen, die sich an Über­grif­f­en beteili­gen, während ehren­hafte und mutige Kol­le­gen, wenn stille Diplo­matie scheit­ert, durch die Mobil­isierung weltweit­er Öffentlichkeit geschützt wer­den müssen.

 

Share

Wie kommen Menschen dazu zu foltern?

Der Artikel von 1997 geht der Frage vor allem aus der psy­chol­o­gis­chen Per­spek­tive nach, warum Men­schen foltern von Dr. Ulrike Heck­el und Dr. Peter Boppel:

1997 warum_foltern_menschen

Hier kön­nen Sie den Anfang des kurzen Artikels lesen:

 

Dik­ta­toren, Folterknechte, Inquisi­toren: der Schreck­en hat seine Beamte, genau wie die Post oder die Banken, und er wird ange­wandt, weil er nötig ist. Es han­delt sich nicht um eine Verschwörung
von Per­versen. (Eduar­do Galeano)
Vertei­di­ger der Folter benutzen gewöhn­lich das Argu­ment der Zweck­mäßigkeit: Rebellen oder Ter­ror­is­ten, die das Leben Unschuldiger aufs Spiel set­zen und Bürg­er und Staat gefährden,
müßten mit allen Mit­teln bekämpft wer­den. Zweck des Folterns ist es jedoch, Infor­ma­tio­nen zu erhal­ten, poli­tis­che Geg­n­er in Angst zu ver­set­zen und sie von poli­tis­chen Aktiv­itäten abzuhal­ten, ihr Umfeld, bzw. ganze Bevölkerungsan­teile einzuschüchtern und ihre Sinn — und
Leben­szusam­men­hänge zu zerstören.

Share