Schlagwort-Archive: Trauma

Petition zur angemessenen Versorgung traumatisierter Flüchtlinge

Liebe Leser*innen,

wir möcht­en euch auf die aktuelle Peti­tion der deutschen Sek­tion von Amnesty Inter­an­tion­al hin­weisen, die eine angemessene Ver­sorgung trau­ma­tisiert­er Flüchtlinge in Deutsch­land fordert. Die Peti­tion, wie auch andere Peti­tio­nen der aktuellen “Stop Folter”-Kampagne kön­nt ihr hier finden.
https://www.stopfolter.de/

 

Bitte unter­stützt diese Peti­tion mit eur­er Unterschrift!

Hier der genauere Infotext:

Angemessene Gesundheitsversorgung für traumatisierte Flüchtlinge!

Diese Ver­sorgung trau­ma­tisiert­er Flüchtlinge wird in Deutsch­land über­wiegend von rund 30 psy­chosozialen Behand­lungszen­tren für Folteropfer gewährleis­tet. Sie  sind spezial­isierte Anlauf­stellen  und bieten u.a. medi­zinis­che Behand­lun­gen, Psy­chother­a­pi­en und Dol­metscher­leis­tun­gen an. Damit tra­gen sie den Haup­tan­teil  für die Behand­lung trau­ma­tisiert­er Folterüber­leben­der. Nach eige­nen Angaben kön­nen sie jedoch nur etwa 15 Prozent des aktuellen Ver­sorgungs­be­darfs abdeck­en. Sie sind nicht nur über­lastet, schlim­mer noch, viele ste­hen immer wieder kurz vor dem finanziellen Aus. Obwohl sie einen so wichti­gen und fach­lich zugeschnit­te­nen Beitrag zur Gesund­heitsver­sorgung von Folterüber­leben­den leis­ten, wer­den ihre Leis­tun­gen nicht von der Geset­zlichen Kranken­ver­sicherung anerkannt.

Europäis­ches Recht verpflichtet (!) die BRD dazu, Folterüber­leben­den, die in Deutsch­land Schutz suchen, medi­zinis­che und psy­chol­o­gis­che Behand­lung zu ermöglichen. De fac­to erhal­ten zum Beispiel Asyl­be­wer­ber aber nur akut notwendi­ge medi­zinis­che Behand­lung und keine länger­fristi­gen Maß­nah­men wie Ther­a­pieange­bote. Die Bun­desregierung ste­ht in der Ver­ant­wor­tung, dass medi­zinis­ches und psy­chother­a­peutis­ches Per­son­al in Deutsch­land in der Lage ist, Trau­ma­tisierun­gen bei Asyl­suchen­den zu iden­ti­fizieren und die Pati­entin­nen und Patien­ten entsprechend zu behan­deln oder an spezial­isierte Stellen zu ver­weisen. Pro­fes­sionelle Hil­fe kann nicht nur von schlecht oder gar nicht finanzierten Ther­a­piezen­tren getra­gen wer­den, son­dern muss langfristig in die deutsche Gesund­heitsver­sorgung eingegliedert werden.

Amnesty Inter­na­tion­al unter­stützt die Psy­chosozialen Ther­a­piezen­tren. Doch fehlt eine verbindliche Finanzierungs­grund­lage, eine flächen­deck­ende Ver­sorgung ist nicht möglich. Amnesty fordert schnelle Maß­nah­men zur Besei­t­i­gung des ekla­tan­ten Man­gels in der Ver­sorgung dieser beson­ders ver­let­zlichen Flüchtlinge. Die Behand­lungszen­tren füllen zum Teil schon seit Jahrzehn­ten auf pro­fes­sionelle Weise eine Lücke im Gesund­heitssys­tem, die so nicht länger trag­bar ist.

Fordern auch Sie vom Bun­des­ge­sund­heitsmin­is­ter eine angemessene Gesund­heitsver­sorgung von trau­ma­tisierten Folterüberlebenden!

 

Im Fol­gen­den der Peti­tion­s­text an den deutschen Gesundheitsminister:

Petitionstext für Angemessene Gesundheitsversorgung für traumatisierte Flüchtlinge!

 

Sehr geehrter Herr Bundesgesundheitsminister,

viele Men­schen, die nach Deutsch­land fliehen, haben Krieg und schreck­liche Gewalt erlebt.
Viele wur­den mis­shan­delt oder gefoltert. Deutsch­land ist inter­na­tion­al verpflichtet, trau­ma­tisierten Flüchtlin­gen Schutz und die nötige medi­zinis­che sowie psy­chol­o­gis­che Behand­lung zu gewähren. Eine solche angemessene Ver­sorgung set­zt eine rechtzeit­ige Iden­ti­fizierung der Betrof­fe­nen und ihrer Bedürfnisse voraus. Das ist ohne Dol­metsch­er kaum möglich.

Ein wichtiger Teil der Ver­sorgung von trau­ma­tisierten Flüchtlin­gen wird zurzeit von soge­nan­nten psy­chosozialen Behand­lungszen­tren geleis­tet. Sie bieten medi­zinis­che Behand­lung, Psy­chother­a­pie, Dol­metscher­leis­tung und psy­chosoziale Betreu­ung an. Trotz­dem sind sie keine anerkan­nten Leis­tungser­bringer der geset­zlichen Kranken­ver­sicherung. Viele kämpfen seit Jahren um ihr finanzielles Überleben.

Ich fordere Sie daher auf,

  • sich dafür einzuset­zen, dass ein effek­tives Ver­fahren zur Fest­stel­lung beson­ders schutzbedürftiger Flüchtlinge einge­führt wird;
  • die Finanzierung von notwendi­gen Dol­metscher­leis­tun­gen sicherzustellen, etwa indem Ansprüche hier­auf im Sozialge­set­zbuch fest­geschrieben werden;
  • dafür zu sor­gen, dass die Geset­zliche Kranken­ver­sicherung die Leis­tun­gen der Behand­lungszen­tren als Kassen­leis­tung anerken­nt und erstattet;
  • eine aus­re­ichende und dauer­hafte Finanzierung der Behand­lungszen­tren sicherzustellen.

Hochachtungsvoll,

XXXXX

 

Euer Amnesty-Aktion­snetz Heilberufe

 

Share

Kindersoldaten

Hier kön­nen Sie den Artikel “Kinder­sol­dat­en” von Fion­na Klasen & Christophe P. Bay­er aus dem Jahr 2009 aus unser­er Inter­net­zeitung Men­schen­rechte und Gesund­heit herunterladen:

2009 mug.klasen-bayer.kindersoldaten ptbs trauma

Zuerst erschienen in:
Resch, F. & Schulte-Mark­wort, M. (Hrsg.) (2009): Kind­heit im dig­i­tal­en Zeital­ter: Kurs­buch für inte­gra­tive Kinder- und  Jugendpsy­chother­a­pie. Wein­heim: Beltz PVU.
Online-Pub­lika­tion mit fre­undlich­er Genehmi­gung des Verlags

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Weltweit wer­den ca. 250 000 Kinder und Jugendliche als Sol­dat­en einge­set­zt. Die betrof­fe­nen Kinder wer­den dabei Opfer mas­siv­er Gewalt und häu­fig gezwun­gen, Gräueltat­en an anderen zu verüben. Viele Kinder lei­den unter Symp­tomen der Post­trau­ma­tis­chen Belas­tungsstörung oder Depres­sion sowie Ver­hal­tensauf­fäl­ligkeit­en und sozialen Prob­le­men. Je mehr Symp­tome Kinder­sol­dat­en entwick­eln, desto weniger Ver­söh­nungs­bere­itschaft und desto mehr Rachege­füh­le zeigen sie. Inter­ven­tio­nen zur sozialen Rein­te­gra­tion und psy­chis­chen Reha­bil­i­ta­tion ehe­ma­liger Kindersoldaten
sind für einen nach­halti­gen Frieden­sprozess in Nachkriegsre­gio­nen drin­gend notwendig.

Share

Praxisbericht: Diagnostik, Psychotherapie und psychosoziale Begleitung von Flüchtlingskindern und ihren Familien im Rahmen einer kinder- und jugendpsychiatrischen Institution

Hier kön­nen Sie den Artikel “Prax­is­bericht: Diag­nos­tik, Psy­chother­a­pie und psy­chosoziale Begleitung von Flüchtlingskindern und ihren Fam­i­lien im Rah­men ein­er kinder- und jugendpsy­chi­a­trischen Insti­tu­tion” von Bir­git Möller und Torsten Lucas aus dem Jahr 2008 herunterladen:

2008-05 moeller_lucas_praxisbericht_fluechtlingskinder

Den Anfang des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Bei Flüchtlingskindern und ihren Fam­i­lien ist es zunächst notwendig, Sicher­heit und Schutz zu gewährleis­ten und ein ver­ständ­nisvolles Umfeld herzustellen, d as den Kindern ermöglicht, eine neue Ori­en­tierung zu find­en und die trau­ma­tis­chen Erleb­nisse sym­bol­isch zu ver­ar­beit­en. Es sollte eine Sit­u­a­tion geschaf­fen wer­den, in der wieder Nor­mal­ität und Alltäglichkeit entwick­elt wer­den kann. Für das Kind sowie für die Fam­i­lie muss ein Raum entste­hen, in dem es möglich ist, in Ruhe die in der Extrem­si­t­u­a­tion notwendig  gewor­de­nen Über­lebens­mech­a­nis­men zu über­prüfen. Tren­nun­gen von wichti­gen Bezugsper­so­n­en soll­ten ver­mieden wer­den und die Eltern soll­ten soweit gestärkt wer­den, dass es ihnen wieder möglich wird, elter­liche Funk­tio­nen wahrzunehmen und eigene Erleb­nisse zu bewälti­gen. Die Fam­i­lien soll­ten in ihrer Funk­tion­al­ität unter­stützt wer­den, damit wieder ein Stück Nor­mal­ität Einzug hal­ten kann.wie Analytikerin.

Share

Aussageverhalten von traumatisierten Flüchtlingen Eine Untersuchung zum Vorbringen des eigenen Verfolgungsschicksals im Rahmen des Asylverfahrens

Hier kön­nen Sie den Artikel “Aus­sagev­er­hal­ten von trau­ma­tisierten Flüchtlin­gen Eine Unter­suchung zum Vor­brin­gen des eige­nen Ver­fol­gungss­chick­sals im Rah­men des Asylver­fahrens” von Michael Oden­wald, Tobias Schmitt, Frank Neuner, Mar­ti­na Ruf, Mag­gie Schauer­aus dem Jahr 2006 herunterladen:

n2006odenwald

Der Aritkel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 225–253

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

The­o­retis­ch­er Hin­ter­grund: In der Erstan­hörung des Bun­de­samtes für Migra­tion und Flüchtlinge (BAMF) wer­den Asyl­be­wer­ber dazu aufge­fordert, die Gründe ihrer Flucht anzugeben. Die psy­chol­o­gis­che Lit­er­atur zeigt, dass psy­chisch trau­ma­tisierte Asyl­be­wer­ber aus störungsspez­i­fis­chen Grün­den hier­bei nicht oder unzure­ichend über ihr Ver­fol­gungss­chick­sal bericht­en können.
Fragestel­lun­gen: Welche soziode­mographis­chen, ver­fol­gungs­be­zo­ge­nen, psy­chis­chen und sit­u­a­tiv­en Fak­toren haben einen Ein­fluss auf die Berichter­stat­tung über das eigene Ver­fol­gungss­chick­sal in der Erstan­hörung bei Asyl­be­wer­bern mit Post­trau­ma­tis­ch­er Belas­tungsstörung (PTBS)?
Meth­o­d­en: Aus dem Archiv unser­er Ein­rich­tung wur­den 52 Akten von Flüchtlin­gen mit PTBS aus­gewählt, die aus­führlich psy­chodi­ag­nos­tisch unter­sucht wor­den waren, und anhand von inhalt­s­an­a­lytis­chen und quan­ti­ta­tiv­en Ver­fahren ausgewertet.
Ergeb­nisse: Es zeigte sich, dass fol­gende Vari­ablen Prädik­toren für eine unde­tail­lierte Berichter­stat­tung in der Erstan­hörung waren: ermordete oder ver­schwun­dene Fam­i­lien­mit­glieder, das Bil­dungsniveau, eine erlit­tene Verge­wal­ti­gung, Ver­dacht auf eine schwere Kopfver­let­zung sowie poli­tisch im Heimat­land nie aktiv gewe­sen zu sein. Zudem zeigte sich ein kor­rel­a­tiv­er Zusam­men­hang zwis­chen der Detail­liertheit des Bericht­es und sit­u­a­tiv­en Fak­toren der Erstanhörung.
Schlussfol­gerun­gen: Soziode­mografis­che, medi­zinis­che und psy­chopathol­o­gis­che Fak­toren sowie Gegeben­heit­en der Ver­fol­gungs­geschichte kön­nen dazu führen, dass trau­ma­tisierte Asyl­be­wer­ber mit PTBS in der Erstan­hörung gar nicht oder nur in vagen Andeu­tun­gen über im Herkun­ft­s­land erlit­tene Ver­fol­gung bericht­en und damit gegen die Mitwirkungspflicht ver­stoßen, was sich auf das Asylver­fahren neg­a­tiv auswirkt. Im Asylver­fahren sollte dieser Gruppe bess­er Rech­nung getra­gen werden.

Abstract
Back­ground: In the first hear­ing in the fed­er­al migra­tion office, asy­lum seek­ers are asked to report in detail all aspects of the polit­i­cal per­se­cu­tion they had expe­ri­enced in their home coun­tries (dis­clo­sure require­ment). The psy­cho­log­i­cal lit­er­a­ture shows that refugees with Post­trau­mat­ic Stress Dis­or­der (PTSD) have dif­fi­cul­ties to report in detail on the per­se­cu­tion they had expe­ri­enced due to spe­cif­ic symp­toms relat­ed to the disorder.
Objec­tive: To address the ques­tion, which sociode­mo­graph­ic, psy­cho­log­i­cal, per­se­cu­tion- relat­ed and sit­u­a­tion­al fac­tors influ­ence the report of expe­ri­enced per­se­cu­tion in the first hear­ing in asy­lum seek­ers with PTSD.
Meth­ods: Fifty-two files of asy­lum seek­ers with PTSD, who had par­tic­i­pat­ed in an indepth psy­cho-diag­nos­tic inter­view, were cho­sen out of our archive. The analy­sis includ­ed con­tent ana­lyt­ic and quan­ti­ta­tive methods.
Results: The pre­dic­tors for non-dis­clo­sure or insin­u­a­tion only in the first hear­ing were: the exis­tence of killed or dis­ap­peared fam­i­ly mem­bers, low lev­el of edu­ca­tion, being a rape vic­tim, sus­pect­ed trau­mat­ic brain injury, and whether the per­son has nev­er been polit­i­cal­ly active in the coun­try of ori­gin. Addi­tion­al­ly, we found a cor­re­la­tion between sit­u­a­tion­al fac­tors of the hear­ing and lev­el of detail in the report of the asy­lum seekers.
Con­clu­sion: Sociode­mo­graph­ic, med­ical, psy­chopatho­log­i­cal and per­se­cu­tion-relat­ed fac­tors can explain why asy­lum seek­ers with PTSD con­ceal the expe­ri­enced per­se­cu­tion in the first hear­ing and, there­by, offend against the Ger­man asy­lum law with neg­a­tive con­se­quences for the asy­lum process. The Ger­man asy­lum pro­ce­dure needs to take bet­ter care of this group of asy­lum seekers.

Share

In meiner Heimat haben sie mich mit Stöcken geschlagen, hier schlagen sie mich mit Watte“. Exil in Deutschland als traumatische Sequenz

Hier kön­nen Sie den Artikel “„In mein­er Heimat haben sie mich mit Stöck­en geschla­gen, hier schla­gen sie mich mit Wat­te“. Exil in Deutsch­land als trau­ma­tis­che Sequenz” von Vio­la Schreiber, Ernst-Lud­wig Iske­nius, Elise Bit­ten­binder, Gudrun Brün­ner, Frei­hart Reg­n­er aus dem Jahr 2006 herunterladen:

n2006schreiber

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 273–293

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Poli­tis­che psy­chis­che Trau­ma­tisierung kann als ein sequen­tieller Prozess (nach Keil­son) oder als Stress-Kon­tin­u­um (nach Silove) ver­standen wer­den, in dem sequen­tiell auftre­tende Belas­tungs­fak­toren einan­der in der Desta­bil­isierung der adap­tiv­en Sys­teme des Betrof­fe­nen ver­stärken. In diesem Sinne sind auch poli­tis­che Ver­fol­gung, Flucht und Exil als trau­ma­tis­che Sequen­zen zu ver­ste­hen, wobei nicht nur die im Herkun­ft­s­land erfol­gte Trau­ma­tisierung, son­dern auch die in Deutsch­land erfahrene Real­ität des Asyls Gesund­heit oder Krankheit des Flüchtlings bes­tim­men. Dabei ist ein bere­its trau­ma­tisiert­er Flüchtling in Deutsch­land von der Unter­bringungssi­t­u­a­tion bis zur Ket­ten­dul­dung vielfälti­gen Belas­tungs­fak­toren aus­ge­set­zt. In ihrer trau­masta­bil­isieren­den und ‑ver­stärk­enden Wirkung ver­let­zt diese Sit­u­a­tion das Men­schen­recht auf Gesund­heit und set­zt damit die erlit­tene Men­schen­rechtsver­let­zung fort. Es wäre daher an der Zeit, die Asyl- und Aus­län­der­recht­sprax­is zu über­denken und nach­haltig zu ändern.
„In my home coun­try, they have hit me with clubs, here they hit me with cot­ton wool“
Exile in Ger­many as a trau­mat­ic sequence
Polit­i­cal psy­cho­log­i­cal trau­ma can be under­stood as a sequen­tial process (Keil­son) or as a con­tin­u­um of stress (Silove). Chal­lenges occur­ring in dif­fer­ent trau­mat­ic sequences com­pound each oth­er in the desta­bil­i­sa­tion of the victim’s adap­tive sys­tems. Polit­i­cal per­se­cu­tion, flight, and exile can also be under­stood as trau­mat­ic sequences. It is not only the trau­ma expe­ri­enced in the coun­try of ori­gin but also the real­i­ty of asy­lum in Ger­many that impact on the refugees’ health. A refugee who is already trau­ma­tized is thus exposed to mul­ti­ple chal­lenges – from hous­ing prob­lems to con­stant uncer­tain­ty regard­ing their res­i­dents per­mits. In sta­bil­is­ing and aggra­vat­ing trau­ma, this sit­u­a­tion vio­lates the human right to health and pro­longs the human rights vio­la­tion suf­fered before. It is thus time to recon­sid­er the prac­tice of law on asy­lum and aliens in Germany.

 

Share

Zur psychiatrischen Versorgung im Kosovo

Hier kön­nen Sie den Artikel “Zur psy­chi­a­trischen Ver­sorgung im Koso­vo” von Dr. med. Hans Wolf­gang Gier­lichs aus dem Jahr 2006 herunterladen:

2006-08 Gierlichs_psychiatrische_Versorgung_im_Kosovo_Endversion

Dieser Artikel erschien auch in: ZAR 8/2006

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Der nach­fol­gende Beitrag unter­sucht die Frage, ob traumatisierte
Men­schen eine psy­chi­a­trische Behand­lung im Koso­vo erhalten
kön­nen, die zur Ver­mei­dung ein­er konkreten Gefährdung entsprechend § 60 VII Aufen­thG aus­re­icht. Er legt hier­bei die
Angaben des Verbindungs­büros in Prišti­na zugrunde. Der Autor
kommt zu einem neg­a­tiv­en Ergeb­nis und weist darauf hin, dass
einige wichtige Beschlüssen des OVG Mün­ster daher von fachlich
unzutr­e­f­fend­en Voraus­set­zun­gen ausgehen.

Share

Rising from the Ashes. Säureattentate in Bangladesch – Medizinische, psychosozial-therapeutische und rechtliche Aspekte

Hier kön­nen Sie den Artikel “Ris­ing from the Ashes.
Säure­at­ten­tate in Banglade­sch – Medizinische,
psy­chosozial-ther­a­peutis­che und rechtliche Aspek­te” von Moni­ra Rah­man aus dem Jahr 2006 herunterladen:

n2006rahman

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Der Artikel beschreibt das psy­chosoziale, ther­a­peutis­che und rechtliche Ange­bot der Acid Sur­vivors Foun­da­tion (ASF) in Banglade­sch, eine 1999 von der Autorin gegrün­dete Ein­rich­tung, die Über­lebende von Säure­at­ten­tat­en mul­ti­pro­fes­sionell unterstützt.
Zwei Fall­darstel­lun­gen zeigen, dass es meist kom­plexe soziale Dynamiken sind – oft ver­bun­den mit der sub­jek­tiv und kul­turell erlebten „Ver­let­zung männlich­er Ehre“ –, die zu Säure­at­tack­en führen. Diese gehören zu den bru­tal­sten For­men von Gewal­tan­wen­dung: Die auf Gesicht und Kör­p­er geschüt­tete Säure zer­frisst Haut und Gewebe in kürzester Zeit bis auf die Knochen; immer resul­tieren Entstel­lun­gen, oft auch dauer­hafte Behin­derun­gen. Die Täter sind prak­tisch immer männlich, die Opfer über­wiegend weib­lich. Durch plas­tis­che Chirurgie bei ASF kön­nen die Verätzun­gen zumin­d­est teil­weise gebessert wer­den. Auch die psy­chosozialen Fol­gen sind gravierend: Nicht sel­ten wird das Opfer als schuldig betra­chtet und stig­ma­tisiert; in der Folge wird soziale Unter­stützung ent­zo­gen; soziale Inter­ak­tion, Ehe und Fam­i­lien­grün­dung wird erhe­blich erschw­ert; meist kommt es zu ein­er mas­siv­en finanziellen Belas­tung. Die Täter wer­den oft nicht bestraft und üben auf­grund ihrer über­lege­nen gesellschaftlichen Posi­tion sog­ar weit­er­hin Druck auf die Opfer aus und bedro­hen sie.
Für die psy­chosoziale und ther­a­peutis­che Ver­sorgung der Über­leben­den kooperiert ASF mit ver­schiede­nen Struk­turen, da es in ländlichen Regio­nen prak­tisch kein psy­chother­a­peutis­ches Ange­bot gibt. Zwei Fall­darstel­lun­gen zeigen, dass die Wirkung
indi­vidu­eller Psy­chother­a­pie begren­zt ist und durch Gemein­dear­beit, z.B. schulis­che Förderung und Arbeit­sange­bote, erweit­ert wer­den muss. Um gegen die Straflosigkeit bei den Tätern vorzuge­hen, kooperiert ASF so weit wie möglich mit dem Jus­tiz- und Polizeisys­tem und übt poli­tis­chen Druck aus. Eine Fall­darstel­lung zeigt auf, wie schwierig und lang­wierig die Proze­dur bis zur Inhaftierung des Täters sein kann. Eine inte­gri­erte medi­zinis­che, psy­chosozial-ther­a­peutis­che und rechtliche Hil­fe kann die Über­leben­den darin unter­stützen, Würde und Selb­stach­tung wieder herstellen.

Acid Vio­lence in Bangladesh
Med­ical, psy­choso­cial, psy­chother­a­peu­tic, and legal aspects
The arti­cle describes the psy­choso­cial, ther­a­peu­tic and legal ser­vices offered by the Acid Sur­vivors Foun­da­tion (ASF) in Bangladesh, an organ­i­sa­tion set up in 1999 by the author, which pro­vides a range of pro­fes­sion­al sup­port to the sur­vivors of acid attacks.
Two case descrip­tions demon­strate that it is usu­al­ly com­plex dynam­ics – often linked with the sub­jec­tive­ly and cul­tur­al­ly expe­ri­enced ‘affront to male hon­our’ – which leads to acid attacks. They are among the most bru­tal forms of vio­lence: the acid poured over the face and body very quick­ly eats through skin and tis­sue down as  far as the bone; the results are always dis­fig­ure­ment and often per­ma­nent disability.

The per­pe­tra­tors are almost always male, the vic­tims pre­dom­i­nant­ly female. The plas­tic surgery per­formed at ASF can only cor­rect the dam­age par­tial­ly. But the psy­choso­cial con­se­quences are grave: the vic­tims them­selves are often seen as being guilty and are stig­ma­tized; this results in the loss of social sup­port; social inter­ac­tion, mar­riage and hav­ing a fam­i­ly are much more dif­fi­cult; severe finan­cial bur­dens often fol­low. The per­pe­tra­tors are rarely pun­ished and often as a result of their bet­ter social sta­tus are able to con­tin­ue to exer­cise pres­sure on the vic­tims and threat­en them.
In order to pro­vide the psy­choso­cial and ther­a­peu­tic sup­port to the sur­vivors, ASF coop­er­ates with dif­fer­ent struc­tures since in rur­al regions there are prac­ti­cal­ly no psy­chother­a­peu­tic ser­vices. Two cas­es demon­strate that the effect of indi­vid­ual psy­chother­a­py is lim­it­ed and that also com­mu­ni­ty ser­vices must be pro­vid­ed, e.g. school­ing and employ­ment. To act against impuni­ty for the per­pe­tra­tors, ASF coop­er­ates as far as pos­si­ble with the jus­tice and police sys­tem and exer­cis­es polit­i­cal pres­sure. One case demon­strates how dif­fi­cult and time-con­sum­ing the pro­ce­dure can be until the per­pe­tra­tor is impris­oned. Inte­grat­ed med­ical, psy­choso­cial-ther­a­peu­tic and legal help can sup­port sur­vivors regain hon­our and self-respect.

Share

Politische Traumatisierung in der ehemaligen DDR/SBZ und ihre Verarbeitung im (post)traumatischen Raum des wiedervereinigten Deutschlands

Hier kön­nen Sie den Artikel “Poli­tis­che Trau­ma­tisierung in der ehe­ma­li­gen DDR/SBZ und ihre Ver­ar­beitung im (post)traumatischen Raum des wiedervere­inigten Deutsch­lands” von Ste­fan Tro­bisch-Lütge aus dem Jahr 2006 herunterladen:

n2006trobisch

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 171–189

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Es wird von 300 000 poli­tisch Ver­fol­gten in der ehe­ma­li­gen DDR/SBZ aus­ge­gan­gen, die Opfer von Ver­fol­gung, Inhaftierung und „Zer­set­zung“ gewor­den sind. Beson­der­heit­en in der Psy­cho­dy­namik der Ver­fol­gten – in Hin­blick auf eine par­tielle „Rein­fan­til­isierung“ durch das repres­sive Täter-Opfer-Ver­hält­nis, aber auch in ihrem Bewäl­ti­gungsver­hal­ten – ver­weisen auf einen engen Bezug zwis­chen der indi­vidu­ellen seel­is­chen Prob­lematik und der gesellschaftlichen Reak­tion. Viele ehe­mals Ver­fol­gte sind durch das teil­weise zunehmende Bagatel­lisieren des DDR-Unrechts und gewisse geschicht­sre­vi­sion­is­tis­che Ten­den­zen im wiedervere­inigten Deutsch­land von ein­er Reak­tivierung des Trau­mas bedro­ht. Die Fol­gen von Trau­ma­tisierung in der ehe­ma­li­gen DDR sind im „(post)traumatischen Raum“ des wiedervere­inigten Deutsch­land nur eingeschränkt indi­vidu­ell ver­ar­beit­bar. Die einst Ver­fol­gten benöti­gen vielmehr eine offene, die Gesellschaft ein­beziehende Auseinan­der­set­zung um die Hypothek des SED-Unrechtsregimes.

Polit­i­cal trau­ma­ti­sa­tion in the for­mer GDR/Soviet zone of occu­pa­tion and how it has been dealt with in the (post)traumatic space of reuni­fied Germany. 
In the for­mer GDR/Soviet zone of occu­pa­tion the num­ber of those who were polit­i­cal­ly per­se­cut­ed, impris­oned and „tak­en apart“ is put at 300 000. Spe­cif­ic aspects of the psy­cho­dy­nam­ics of the vic­tims – with respect to a par­tial „rein­fan­til­i­sa­tion“ result­ing from the repres­sive per­pe­tra­tor-vic­tim rela­tion­ship, as well as their man­ner of cop­ing with the trau­ma – point to a close link between the indi­vid­ual emo­tion­al dif­fi­cul­ties and soci­etal reac­tion. Many for­mer vic­tims of per­se­cu­tion are threat­ened with a reac­ti­va­tion of the trau­ma­ti­sa­tion trig­gered by the par­tial­ly increas­ing triv­i­al­iza­tion of the injus­tices of the GDR as well as cer­tain his­tor­i­cal revi­sion­ist ten­den­cies in reuni­fied Ger­many. The con­se­quences of trau­ma­ti­sa­tion in the for­mer GDR can only be par­tial­ly dealt with in the ‚(post)traumatic space’ of the reuni­fied Ger­many. Of far more impor­tance for the vic­tims is an open dis­cus­sion in the soci­ety of the his­tor­i­cal bur­den inher­it­ed from the SED regime.

 

Share

Gerechtigkeit heilt“ Zur Bedeutung des Kampfes gegen Straflosigkeit für die Stabilisierungsprognose bei Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen

Hier kön­nen Sie den Artikel “„Gerechtigkeit heilt“
Zur Bedeu­tung des Kampfes gegen Straflosigkeit für
die Sta­bil­isierung­sprog­nose bei Überlebenden
schw­er­er Men­schen­rechtsver­let­zun­gen” von Moni­ra Rah­man aus dem Jahr 2006 herunterladen:

n2006rauchfuss

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 65–94

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Ver­schiedene Fall­stu­di­en zeigen, dass trau­ma­tisierte Flüchtlinge, Über­lebende schw­er­er Men­schen­rechtsver­let­zun­gen, unter der in ihren Herkun­ft­slän­dern andauern­den Straflosigkeit lei­den. Straflosigkeit – die Unmöglichkeit, Amnestiege­set­ze zu über­winden, die den Tätern Schutz bieten, unvoll­ständi­ge Wahrheits­find­ung, fehlende inte­grale Entschädi­gung und der Man­gel an notwendi­ger gesellschaftlich­er Anerken­nung – stellt für die Über­leben­den schw­er­er Men­schen­rechtsver­let­zun­gen oft ein erhe­blich­es Hin­der­nis für ihre Sta­bil­isierung dar. – Speziell aus Lateinameri­ka liegen zahlre­iche Berichte über eine erhöhte psy­chis­che Ver­let­zlichkeit von Über­leben­den unter den Bedin­gun­gen der Straflosigkeit vor. Seel­is­che Prob­leme, die aus trau­ma­tis­chen Erleb­nis­sen her­rühren, kön­nen per­sistieren oder durch bes­timmte Ereignisse reak­tiviert wer­den. Speziell Ange­hörige von in Haft Ver­schwun­de­nen lei­den unter ein­er nur unvoll­ständi­gen Trauer­ar­beit, die sich aus dem unsicheren Schick­sal ihrer Ange­höri­gen ergibt. Die fort­dauernde Suche nach den Ver­schwun­de­nen unter Bedin­gun­gen der Straflosigkeit birgt ein hohes Retrau­ma­tisierungsrisiko für die Angehörigen.
Auch Stu­di­en aus anderen Kon­ti­nen­ten bele­gen, dass Straflosigkeit die seel­is­che Gesund­heit stark beein­trächti­gen kann. – Ver­schiedene Ver­suche, die Wun­den der Ver­gan­gen­heit durch die Ein­set­zung von Wahrheit­skom­mis­sio­nen oder einzel­nen extrater­ri­to­ri­alen Tri­bunalen zu schließen, kon­nten den glob­al weit ver­bre­it­eten Charak­ter der Straflosigkeit nicht wirk­lich ändern. Daher gibt es derzeit nur wenige Nach­weis­möglichkeit­en für den pos­i­tiv­en Ein­fluss von Gerechtigkeit auf die seel­is­che Gesund­heit. Den­noch zeigen einige Beispiele aus Lateinameri­ka, dass das Zusam­men­wirken von Erin­nerung, Wahrheits­find­ung und Strafver­fol­gung der Täter einen sta­bil­isieren­den Ein­fluss auf diejeni­gen hat, die unter ihren trau­ma­tis­chen Erleb­nis­sen lei­den. Diese Beispiele zeigen, dass der Kampf gegen Straflosigkeit nicht nur ein legit­imer moralis­ch­er Kampf für Men­schen­rechte ist, son­dern auch eine Grund­vo­raus­set­zung für die nach­haltige Sta­bil­isierung der Über­leben­den darstellt.
„Jus­tice heals“
The impact of the fight against impuni­ty on the recov­ery of seri­ous human rights vio­la­tions’ survivors
Sev­er­al case stud­ies show that trau­ma­tized refugees, who are sur­vivors of seri­ous human rights vio­la­tions, suf­fer from per­sist­ing impuni­ty in their home coun­tries. Ongo­ing impuni­ty – the inabil­i­ty to over­come the legal pro­tec­tion of the per­pe­tra­tors assured by impuni­ty laws, incom­plete truthfind­ing, miss­ing inte­gral repa­ra­tion and a lack of the nec­es­sary acknowl­edge­ment by soci­ety – rep­re­sents an impor­tant obsta­cle for the recov­ery of sur­vivors of seri­ous human rights vio­la­tions. – Espe­cial­ly from Latin Amer­i­ca there are reports describ­ing that a high per­cent­age of sur­vivors show an ele­vat­ed men­tal vul­ner­a­bil­i­ty caused by impuni­ty. Men­tal health prob­lems result­ing from trau­mat­ic expe­ri­ences can per­sist or be reac­ti­vat­ed by cer­tain events. In par­tic­u­lar fam­i­ly mem­bers of forcibly dis­ap­peared suf­fer from an incom­plete mourn­ing due to the uncer­tain fate of their beloved ones. The ongo­ing search for the forcibly dis­ap­peared under an atmos­phere of impuni­ty puts fam­i­ly mem­bers under a high risk for retrauma­ti­za­tion. Stud­ies from oth­er con­ti­nents also prove, that impuni­ty severe­ly affects men­tal health. – The var­i­ous attempts to heal the wounds of the past by estab­lish­ing truth com­mis­sions, or few extrater­ri­to­r­i­al tri­bunals could not real­ly change the wide­spread glob­al char­ac­ter of impuni­ty. There­fore there can be only lit­tle evi­dence about a pos­i­tive impact of jus­tice on men­tal health. Nev­er­the­less few exam­ples, in par­tic­u­lar from Latin Amer­i­ca show, that the com­bined imple­men­ta­tion of mem­o­ry, truth and jus­tice can have a heal­ing impact on those who suf­fer from trau­ma. They demon­strate that the fight against impuni­ty is not only a legit­i­mate moral strug­gle for human rights, but also a basic need for the sus­tain­able recov­ery of survivors.

Share