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Petition zur angemessenen Versorgung traumatisierter Flüchtlinge

Liebe Leser*innen,

wir möcht­en euch auf die aktuelle Peti­tion der deutschen Sek­tion von Amnesty Inter­an­tion­al hin­weisen, die eine angemessene Ver­sorgung trau­ma­tisiert­er Flüchtlinge in Deutsch­land fordert. Die Peti­tion, wie auch andere Peti­tio­nen der aktuellen “Stop Folter”-Kampagne kön­nt ihr hier finden.
https://www.stopfolter.de/

 

Bitte unter­stützt diese Peti­tion mit eur­er Unterschrift!

Hier der genauere Infotext:

Angemessene Gesundheitsversorgung für traumatisierte Flüchtlinge!

Diese Ver­sorgung trau­ma­tisiert­er Flüchtlinge wird in Deutsch­land über­wiegend von rund 30 psy­chosozialen Behand­lungszen­tren für Folteropfer gewährleis­tet. Sie  sind spezial­isierte Anlauf­stellen  und bieten u.a. medi­zinis­che Behand­lun­gen, Psy­chother­a­pi­en und Dol­metscher­leis­tun­gen an. Damit tra­gen sie den Haup­tan­teil  für die Behand­lung trau­ma­tisiert­er Folterüber­leben­der. Nach eige­nen Angaben kön­nen sie jedoch nur etwa 15 Prozent des aktuellen Ver­sorgungs­be­darfs abdeck­en. Sie sind nicht nur über­lastet, schlim­mer noch, viele ste­hen immer wieder kurz vor dem finanziellen Aus. Obwohl sie einen so wichti­gen und fach­lich zugeschnit­te­nen Beitrag zur Gesund­heitsver­sorgung von Folterüber­leben­den leis­ten, wer­den ihre Leis­tun­gen nicht von der Geset­zlichen Kranken­ver­sicherung anerkannt.

Europäis­ches Recht verpflichtet (!) die BRD dazu, Folterüber­leben­den, die in Deutsch­land Schutz suchen, medi­zinis­che und psy­chol­o­gis­che Behand­lung zu ermöglichen. De fac­to erhal­ten zum Beispiel Asyl­be­wer­ber aber nur akut notwendi­ge medi­zinis­che Behand­lung und keine länger­fristi­gen Maß­nah­men wie Ther­a­pieange­bote. Die Bun­desregierung ste­ht in der Ver­ant­wor­tung, dass medi­zinis­ches und psy­chother­a­peutis­ches Per­son­al in Deutsch­land in der Lage ist, Trau­ma­tisierun­gen bei Asyl­suchen­den zu iden­ti­fizieren und die Pati­entin­nen und Patien­ten entsprechend zu behan­deln oder an spezial­isierte Stellen zu ver­weisen. Pro­fes­sionelle Hil­fe kann nicht nur von schlecht oder gar nicht finanzierten Ther­a­piezen­tren getra­gen wer­den, son­dern muss langfristig in die deutsche Gesund­heitsver­sorgung eingegliedert werden.

Amnesty Inter­na­tion­al unter­stützt die Psy­chosozialen Ther­a­piezen­tren. Doch fehlt eine verbindliche Finanzierungs­grund­lage, eine flächen­deck­ende Ver­sorgung ist nicht möglich. Amnesty fordert schnelle Maß­nah­men zur Besei­t­i­gung des ekla­tan­ten Man­gels in der Ver­sorgung dieser beson­ders ver­let­zlichen Flüchtlinge. Die Behand­lungszen­tren füllen zum Teil schon seit Jahrzehn­ten auf pro­fes­sionelle Weise eine Lücke im Gesund­heitssys­tem, die so nicht länger trag­bar ist.

Fordern auch Sie vom Bun­des­ge­sund­heitsmin­is­ter eine angemessene Gesund­heitsver­sorgung von trau­ma­tisierten Folterüberlebenden!

 

Im Fol­gen­den der Peti­tion­s­text an den deutschen Gesundheitsminister:

Petitionstext für Angemessene Gesundheitsversorgung für traumatisierte Flüchtlinge!

 

Sehr geehrter Herr Bundesgesundheitsminister,

viele Men­schen, die nach Deutsch­land fliehen, haben Krieg und schreck­liche Gewalt erlebt.
Viele wur­den mis­shan­delt oder gefoltert. Deutsch­land ist inter­na­tion­al verpflichtet, trau­ma­tisierten Flüchtlin­gen Schutz und die nötige medi­zinis­che sowie psy­chol­o­gis­che Behand­lung zu gewähren. Eine solche angemessene Ver­sorgung set­zt eine rechtzeit­ige Iden­ti­fizierung der Betrof­fe­nen und ihrer Bedürfnisse voraus. Das ist ohne Dol­metsch­er kaum möglich.

Ein wichtiger Teil der Ver­sorgung von trau­ma­tisierten Flüchtlin­gen wird zurzeit von soge­nan­nten psy­chosozialen Behand­lungszen­tren geleis­tet. Sie bieten medi­zinis­che Behand­lung, Psy­chother­a­pie, Dol­metscher­leis­tung und psy­chosoziale Betreu­ung an. Trotz­dem sind sie keine anerkan­nten Leis­tungser­bringer der geset­zlichen Kranken­ver­sicherung. Viele kämpfen seit Jahren um ihr finanzielles Überleben.

Ich fordere Sie daher auf,

  • sich dafür einzuset­zen, dass ein effek­tives Ver­fahren zur Fest­stel­lung beson­ders schutzbedürftiger Flüchtlinge einge­führt wird;
  • die Finanzierung von notwendi­gen Dol­metscher­leis­tun­gen sicherzustellen, etwa indem Ansprüche hier­auf im Sozialge­set­zbuch fest­geschrieben werden;
  • dafür zu sor­gen, dass die Geset­zliche Kranken­ver­sicherung die Leis­tun­gen der Behand­lungszen­tren als Kassen­leis­tung anerken­nt und erstattet;
  • eine aus­re­ichende und dauer­hafte Finanzierung der Behand­lungszen­tren sicherzustellen.

Hochachtungsvoll,

XXXXX

 

Euer Amnesty-Aktion­snetz Heilberufe

 

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Kindersoldaten

Hier kön­nen Sie den Artikel “Kinder­sol­dat­en” von Fion­na Klasen & Christophe P. Bay­er aus dem Jahr 2009 aus unser­er Inter­net­zeitung Men­schen­rechte und Gesund­heit herunterladen:

2009 mug.klasen-bayer.kindersoldaten ptbs trauma

Zuerst erschienen in:
Resch, F. & Schulte-Mark­wort, M. (Hrsg.) (2009): Kind­heit im dig­i­tal­en Zeital­ter: Kurs­buch für inte­gra­tive Kinder- und  Jugendpsy­chother­a­pie. Wein­heim: Beltz PVU.
Online-Pub­lika­tion mit fre­undlich­er Genehmi­gung des Verlags

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Weltweit wer­den ca. 250 000 Kinder und Jugendliche als Sol­dat­en einge­set­zt. Die betrof­fe­nen Kinder wer­den dabei Opfer mas­siv­er Gewalt und häu­fig gezwun­gen, Gräueltat­en an anderen zu verüben. Viele Kinder lei­den unter Symp­tomen der Post­trau­ma­tis­chen Belas­tungsstörung oder Depres­sion sowie Ver­hal­tensauf­fäl­ligkeit­en und sozialen Prob­le­men. Je mehr Symp­tome Kinder­sol­dat­en entwick­eln, desto weniger Ver­söh­nungs­bere­itschaft und desto mehr Rachege­füh­le zeigen sie. Inter­ven­tio­nen zur sozialen Rein­te­gra­tion und psy­chis­chen Reha­bil­i­ta­tion ehe­ma­liger Kindersoldaten
sind für einen nach­halti­gen Frieden­sprozess in Nachkriegsre­gio­nen drin­gend notwendig.

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Praxisbericht: Diagnostik, Psychotherapie und psychosoziale Begleitung von Flüchtlingskindern und ihren Familien im Rahmen einer kinder- und jugendpsychiatrischen Institution

Hier kön­nen Sie den Artikel “Prax­is­bericht: Diag­nos­tik, Psy­chother­a­pie und psy­chosoziale Begleitung von Flüchtlingskindern und ihren Fam­i­lien im Rah­men ein­er kinder- und jugendpsy­chi­a­trischen Insti­tu­tion” von Bir­git Möller und Torsten Lucas aus dem Jahr 2008 herunterladen:

2008-05 moeller_lucas_praxisbericht_fluechtlingskinder

Den Anfang des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Bei Flüchtlingskindern und ihren Fam­i­lien ist es zunächst notwendig, Sicher­heit und Schutz zu gewährleis­ten und ein ver­ständ­nisvolles Umfeld herzustellen, d as den Kindern ermöglicht, eine neue Ori­en­tierung zu find­en und die trau­ma­tis­chen Erleb­nisse sym­bol­isch zu ver­ar­beit­en. Es sollte eine Sit­u­a­tion geschaf­fen wer­den, in der wieder Nor­mal­ität und Alltäglichkeit entwick­elt wer­den kann. Für das Kind sowie für die Fam­i­lie muss ein Raum entste­hen, in dem es möglich ist, in Ruhe die in der Extrem­si­t­u­a­tion notwendig  gewor­de­nen Über­lebens­mech­a­nis­men zu über­prüfen. Tren­nun­gen von wichti­gen Bezugsper­so­n­en soll­ten ver­mieden wer­den und die Eltern soll­ten soweit gestärkt wer­den, dass es ihnen wieder möglich wird, elter­liche Funk­tio­nen wahrzunehmen und eigene Erleb­nisse zu bewälti­gen. Die Fam­i­lien soll­ten in ihrer Funk­tion­al­ität unter­stützt wer­den, damit wieder ein Stück Nor­mal­ität Einzug hal­ten kann.wie Analytikerin.

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Aussageverhalten von traumatisierten Flüchtlingen Eine Untersuchung zum Vorbringen des eigenen Verfolgungsschicksals im Rahmen des Asylverfahrens

Hier kön­nen Sie den Artikel “Aus­sagev­er­hal­ten von trau­ma­tisierten Flüchtlin­gen Eine Unter­suchung zum Vor­brin­gen des eige­nen Ver­fol­gungss­chick­sals im Rah­men des Asylver­fahrens” von Michael Oden­wald, Tobias Schmitt, Frank Neuner, Mar­ti­na Ruf, Mag­gie Schauer­aus dem Jahr 2006 herunterladen:

n2006odenwald

Der Aritkel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006, Nr. 1+2, S. 225–253

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

The­o­retis­ch­er Hin­ter­grund: In der Erstan­hörung des Bun­de­samtes für Migra­tion und Flüchtlinge (BAMF) wer­den Asyl­be­wer­ber dazu aufge­fordert, die Gründe ihrer Flucht anzugeben. Die psy­chol­o­gis­che Lit­er­atur zeigt, dass psy­chisch trau­ma­tisierte Asyl­be­wer­ber aus störungsspez­i­fis­chen Grün­den hier­bei nicht oder unzure­ichend über ihr Ver­fol­gungss­chick­sal bericht­en können.
Fragestel­lun­gen: Welche soziode­mographis­chen, ver­fol­gungs­be­zo­ge­nen, psy­chis­chen und sit­u­a­tiv­en Fak­toren haben einen Ein­fluss auf die Berichter­stat­tung über das eigene Ver­fol­gungss­chick­sal in der Erstan­hörung bei Asyl­be­wer­bern mit Post­trau­ma­tis­ch­er Belas­tungsstörung (PTBS)?
Meth­o­d­en: Aus dem Archiv unser­er Ein­rich­tung wur­den 52 Akten von Flüchtlin­gen mit PTBS aus­gewählt, die aus­führlich psy­chodi­ag­nos­tisch unter­sucht wor­den waren, und anhand von inhalt­s­an­a­lytis­chen und quan­ti­ta­tiv­en Ver­fahren ausgewertet.
Ergeb­nisse: Es zeigte sich, dass fol­gende Vari­ablen Prädik­toren für eine unde­tail­lierte Berichter­stat­tung in der Erstan­hörung waren: ermordete oder ver­schwun­dene Fam­i­lien­mit­glieder, das Bil­dungsniveau, eine erlit­tene Verge­wal­ti­gung, Ver­dacht auf eine schwere Kopfver­let­zung sowie poli­tisch im Heimat­land nie aktiv gewe­sen zu sein. Zudem zeigte sich ein kor­rel­a­tiv­er Zusam­men­hang zwis­chen der Detail­liertheit des Bericht­es und sit­u­a­tiv­en Fak­toren der Erstanhörung.
Schlussfol­gerun­gen: Soziode­mografis­che, medi­zinis­che und psy­chopathol­o­gis­che Fak­toren sowie Gegeben­heit­en der Ver­fol­gungs­geschichte kön­nen dazu führen, dass trau­ma­tisierte Asyl­be­wer­ber mit PTBS in der Erstan­hörung gar nicht oder nur in vagen Andeu­tun­gen über im Herkun­ft­s­land erlit­tene Ver­fol­gung bericht­en und damit gegen die Mitwirkungspflicht ver­stoßen, was sich auf das Asylver­fahren neg­a­tiv auswirkt. Im Asylver­fahren sollte dieser Gruppe bess­er Rech­nung getra­gen werden.

Abstract
Back­ground: In the first hear­ing in the fed­er­al migra­tion office, asy­lum seek­ers are asked to report in detail all aspects of the polit­i­cal per­se­cu­tion they had expe­ri­enced in their home coun­tries (dis­clo­sure require­ment). The psy­cho­log­i­cal lit­er­a­ture shows that refugees with Post­trau­mat­ic Stress Dis­or­der (PTSD) have dif­fi­cul­ties to report in detail on the per­se­cu­tion they had expe­ri­enced due to spe­cif­ic symp­toms relat­ed to the disorder.
Objec­tive: To address the ques­tion, which sociode­mo­graph­ic, psy­cho­log­i­cal, per­se­cu­tion- relat­ed and sit­u­a­tion­al fac­tors influ­ence the report of expe­ri­enced per­se­cu­tion in the first hear­ing in asy­lum seek­ers with PTSD.
Meth­ods: Fifty-two files of asy­lum seek­ers with PTSD, who had par­tic­i­pat­ed in an indepth psy­cho-diag­nos­tic inter­view, were cho­sen out of our archive. The analy­sis includ­ed con­tent ana­lyt­ic and quan­ti­ta­tive methods.
Results: The pre­dic­tors for non-dis­clo­sure or insin­u­a­tion only in the first hear­ing were: the exis­tence of killed or dis­ap­peared fam­i­ly mem­bers, low lev­el of edu­ca­tion, being a rape vic­tim, sus­pect­ed trau­mat­ic brain injury, and whether the per­son has nev­er been polit­i­cal­ly active in the coun­try of ori­gin. Addi­tion­al­ly, we found a cor­re­la­tion between sit­u­a­tion­al fac­tors of the hear­ing and lev­el of detail in the report of the asy­lum seekers.
Con­clu­sion: Sociode­mo­graph­ic, med­ical, psy­chopatho­log­i­cal and per­se­cu­tion-relat­ed fac­tors can explain why asy­lum seek­ers with PTSD con­ceal the expe­ri­enced per­se­cu­tion in the first hear­ing and, there­by, offend against the Ger­man asy­lum law with neg­a­tive con­se­quences for the asy­lum process. The Ger­man asy­lum pro­ce­dure needs to take bet­ter care of this group of asy­lum seekers.

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