Mediziner und Todesstrafe

Der Artikel “Medi­zin­er und Todesstrafe: Täter, Opfer, Gutachter” von PD Dr. med. Michael Huber, Uni­ver­sität Köln, und Torsten Lucas, Men­schen­rechts­beauf­tragter der Ärztekam­mer Berlin, hier zum Download:

1996 mediziner_und_todesstrafe

Dies ist der Anfang des Artikels:

I Was haben Ärzte mit Hin­rich­tun­gen zu tun? Brisante Fakten.
Das Aus­maß gravieren­der Fol­gen von Men­schen­rechtsver­let­zun­gen auf die kör­per­liche und psy­chis­che Gesund­heit von Men­schen läßt sich — da es auch von Medi­zin­ern bis­lang kaum wahrgenom­men, bzw. benan­nt wurde — wohl am ehesten als “ver­bor­gene Epi­demie” beschreiben. Von Unfallchirur­gen über Psy­chi­ater, bis hin zu Patholo­gen, sind Ärzte aller Fachrich­tun­gen an der Behand­lung der Fol­gen oder
der Begutach­tung der Opfer beteiligt. Durch die Behand­lung von
Folterüber­leben­den, die Fest­stel­lung des Todes bei Hin­rich­tun­gen, die Durch­führung der Leichen­schau bei unklar­er — oder ein­deutig durch äußere Gewal­tein­wirkung bed­ingter — Todesur­sache oder andere beru­fliche Auf­gaben ger­at­en Medi­zin­er und andere Heil­beru­fler in Gewis­senskon­flik­te und unter Druck. Vielfach find­et dabei eine Ver­strick­ung in Tätigkeit­en statt, die den ethis­chen Prinzip­i­en der Heil­berufe grund­sät­zlich wider­sprechen. So auch bei der Ver­hän­gung der Todesstrafe und bei Exekutionen.
Cur­ran & Cas­sel, 1980, sprechen in diesem Zusam­men­hang von ein­er “Kor­rup­tion und Aus­beu­tung der gesellschaftlichen Rolle der Heil­berufe”. Die Instru­men­tal­isierung von Ärzten find­et vor allem mit dem Ziel statt, die gesellschaftliche Akzep­tanz der Todesstrafe zu ver­größern; ste­hen Ärzte doch seit Hip­pokrates für hohe ethis­che Maßstäbe und sug­geriert ihre Teil­nahme eine “saubere und schmer­zlose” Hinrichtung.
Ärztliche Tätigkeit­en im Zusam­men­hang mit der Todesstrafe kön­nen viele Facetten haben: Die Begutach­tung Angeklagter bezüglich  Zurech­nungs­fähigkeit, bzw. psy­chis­ch­er Krankheit oder geistiger Behin­derung, die Behand­lung zum Tode Verurteil­ter bis zum Zeit­punkt der Hin­rich­tung, die Beurteilung der soge­nan­nten “Hin­rich­tungs­fähigkeit”, aber auch die Beteili­gung medi­zinis­chen Per­son­als an der Vor­bere­itung und Durch­führung von Hin­rich­tun­gen, sowie an anschließenden
Orga­nent­nah­men zum Zwecke der Trans­plan­ta­tion. His­torisch gese­hen haben Ärzte außer­dem bei der Entwick­lung und Ver­feinerung von Hin­rich­tung­stech­niken eine Schlüs­sel­rolle gespielt (1,2,3).

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Die unerträgliche Gleichgültigkeit gegenüber Folter

Artikel unser­er Inter­net­zeitung von Torsten Lucas, den Sie hier herun­ter­laden können:

1996 gle­ichgueltigkeit ggü folter lucas

Aus der Ein­leitung des Artikels:

Durch die Behand­lung von Gefolterten, die Durch­führung der Leichen­schau oder andere
beru­fliche Auf­gaben wer­den Ärzte, Psy­cholo­gen und Pfle­gende bei gravieren-den
Men­schen­rechtsver­stößen zu Mitwissern. Die Schlüs­sel­rolle medi­zinis­chen Per­son­als bei der
Aufdeck­ung, oder aber bei der Dul­dung, der “Legit­imierung” und der Vertuschung
organ­isiert­er Gewalt wird bis heute verkan­nt oder ver­drängt. Men­schen­rechtsver­let­zun­gen mit
schw­eren gesund­heitlichen Fol­gen haben epi­demis­che Aus­maße. 50 Jahre nach den
Nürn­berg­er Ärzteprozessen gibt es weltweit nur wenige medi­zinis­che Berufsver­bände, die
wenn von Präven­tion die Rede ist, neben Imp­fun­gen, Rauchen und Ernährung auch an Folter
denken. Nicht ein­mal die Behand­lung Folterüber­leben­der wird the­ma­tisiert und unterstützt.
Der fol­gende Beitrag schildert Ver­fol­gungss­chick­sale von Ange­höri­gen der Heil-berufe und
stellt die Ursachen und das Aus­maß ihrer Kom­plizen- und Täter­schaft anhand konkreter
Beispiele dar. Daneben wird über Ziele, Arbeitsweise und Erfolg-reiche Inter­ven­tio­nen des
Aktion­snet­zes der Heil­berufe von ai berichtet, in dem sich weltweit über 10.000 in allen
Bere­ichen des Gesund­heitswe­sens Tätige zusam­mengeschlossen haben. Als Faz­it ergibt sich
die Forderung nach Präven­tion und einem stärk­eren inter­na­tionalen Engage­ment ärztlicher
Standes­or­gan­i­sa­tio­nen und ander­er Ver­bände der Heil­berufe für die Opfer organ­isiert­er Gewalt
und gegen die Beteili­gung im Gesund­heitswe­sen Tätiger an Menschenrechtsverletzungen.

 

 

 

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Human Rights Violations and the Health Professions: Caught Between Conscience and Complicity

Dies ist der erste Artikel unser­er Inter­net­zeitung aus dem Jahr 1995, eine Arbeit von Torsten Lucas und Chris­t­ian Pross über die Mitar­beit von Heil­beru­flern in Men­schen­rechtsver­brechen auf Englisch.

Den Artikel kön­nen Sie hier als .pdf herunterladen:

1995 human_rights and health pro­fes­sions lucas pross

 

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Psychiatry: A human rights perspective

Hal­lo,

wir möcht­en auf die offizielle, englis­chsprachige Veröf­fentlich­gung “psy­chi­a­try: a human rights per­spec­tive” von Amnesty Inter­na­tion­al aufmerk­sam machen. Sie kön­nen das Doku­ment hier herunterladen:

psy­chi­a­try-a_hu­man_right­s_per­spec­tive

Die Veröf­fentlichung trägt das Zeichen ACT 75/003/1995.

Die englis­chsprachige Ein­leitung kön­nen Sie hier direkt lesen:

Psy­chi­a­trists work to relieve patients of anx­i­ety and suf­fer­ing caused by men­tal ill­ness and stress­ful experiences.
In doing this they are expect­ed, like all doc­tors, to adhere to prin­ci­ples of med­ical ethics and to safe­guard the rights of their patients. How­ev­er, psy­chi­a­try has the poten­tial to impinge on fun­da­men­tal indi­vid­ual rights and per­son­al lib­er­ty in a way which is dis­tinc­tive­ly dif­fer­ent from oth­er areas of med­i­cine. This is so because (i) it focus­es on indi­vid­ual thought and behav­iour to a far greater extent than occurs in oth­er clin­i­cal dis­ci­plines; and (ii) it is an area of med­i­cine in which sig­nif­i­cant­ly more pow­ers are grant­ed to med­ical pro­fes­sion­als to deprive indi­vid­u­als of their lib­er­ty or over-ride their expressed will on med­ical grounds.

Amnesty Inter­na­tion­al has had a long-stand­ing inter­est in cer­tain aspects of the inter­play of psy­chi­a­try and human rights as they relate to the organization’s own work. This reflects the prac­ti­cal and the­o­ret­i­cal link­age between indi­vid­ual rights and what psy­chi­a­trists and oth­er men­tal health pro­fes­sion­als do to restrict those rights through legal or extra-legal mea­sures. It also results from oth­er impor­tant issues such as the sever­i­ty of men­tal suf­fer­ing caused by human rights vio­la­tions which leads many of those affect­ed to seek pro­fes­sion­al psy­chi­atric help, and from the increas­ing role of psy­chi­a­trists in the death penalty.

The pur­pose of this paper is to set out those con­cerns of Amnesty Inter­na­tion­al which are of par­tic­u­lar rel­e­vance to psy­chi­a­trists and, indeed, oth­er men­tal health pro­fes­sion­als. It will present a case for a greater involve­ment of psy­chi­a­trists in the pro­tec­tion of human rights through their pro­fes­sion­al work and through the activ­i­ties of pro­fes­sion­al associations.

 

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