Rising from the Ashes. Säureattentate in Bangladesch – Medizinische, psychosozial-therapeutische und rechtliche Aspekte

Hier kön­nen Sie den Artikel “Ris­ing from the Ash­es.
Säure­at­ten­tate in Banglade­sch – Medi­zinis­che,
psy­chosozial-ther­a­peutis­che und rechtliche Aspek­te” von Moni­ra Rah­man aus dem Jahr 2006 herun­ter­laden:

n2006rahman

Der Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 14, 2006

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Der Artikel beschreibt das psy­chosoziale, ther­a­peutis­che und rechtliche Ange­bot der Acid Sur­vivors Foun­da­tion (ASF) in Banglade­sch, eine 1999 von der Autorin gegrün­dete Ein­rich­tung, die Über­lebende von Säure­at­ten­tat­en mul­ti­pro­fes­sionell unter­stützt.
Zwei Fall­darstel­lun­gen zeigen, dass es meist kom­plexe soziale Dynamiken sind – oft ver­bun­den mit der sub­jek­tiv und kul­turell erlebten „Ver­let­zung männlich­er Ehre“ –, die zu Säure­at­tack­en führen. Diese gehören zu den bru­tal­sten For­men von Gewal­tan­wen­dung: Die auf Gesicht und Kör­p­er geschüt­tete Säure zer­frisst Haut und Gewebe in kürzester Zeit bis auf die Knochen; immer resul­tieren Entstel­lun­gen, oft auch dauer­hafte Behin­derun­gen. Die Täter sind prak­tisch immer männlich, die Opfer über­wiegend weib­lich. Durch plas­tis­che Chirurgie bei ASF kön­nen die Verätzun­gen zumin­d­est teil­weise gebessert wer­den. Auch die psy­chosozialen Fol­gen sind gravierend: Nicht sel­ten wird das Opfer als schuldig betra­chtet und stig­ma­tisiert; in der Folge wird soziale Unter­stützung ent­zo­gen; soziale Inter­ak­tion, Ehe und Fam­i­lien­grün­dung wird erhe­blich erschw­ert; meist kommt es zu ein­er mas­siv­en finanziellen Belas­tung. Die Täter wer­den oft nicht bestraft und üben auf­grund ihrer über­lege­nen gesellschaftlichen Posi­tion sog­ar weit­er­hin Druck auf die Opfer aus und bedro­hen sie.
Für die psy­chosoziale und ther­a­peutis­che Ver­sorgung der Über­leben­den kooperiert ASF mit ver­schiede­nen Struk­turen, da es in ländlichen Regio­nen prak­tisch kein psy­chother­a­peutis­ches Ange­bot gibt. Zwei Fall­darstel­lun­gen zeigen, dass die Wirkung
indi­vidu­eller Psy­chother­a­pie begren­zt ist und durch Gemein­dear­beit, z.B. schulis­che Förderung und Arbeit­sange­bote, erweit­ert wer­den muss. Um gegen die Straflosigkeit bei den Tätern vorzuge­hen, kooperiert ASF so weit wie möglich mit dem Jus­tiz- und Polizeisys­tem und übt poli­tis­chen Druck aus. Eine Fall­darstel­lung zeigt auf, wie schwierig und lang­wierig die Proze­dur bis zur Inhaftierung des Täters sein kann. Eine inte­gri­erte medi­zinis­che, psy­chosozial-ther­a­peutis­che und rechtliche Hil­fe kann die Über­leben­den darin unter­stützen, Würde und Selb­stach­tung wieder her­stellen.

Acid Vio­lence in Bangladesh
Med­ical, psy­choso­cial, psy­chother­a­peu­tic, and legal aspects
The arti­cle describes the psy­choso­cial, ther­a­peu­tic and legal ser­vices offered by the Acid Sur­vivors Foun­da­tion (ASF) in Bangladesh, an organ­i­sa­tion set up in 1999 by the author, which pro­vides a range of pro­fes­sion­al sup­port to the sur­vivors of acid attacks.
Two case descrip­tions demon­strate that it is usu­al­ly com­plex dynam­ics – often linked with the sub­jec­tive­ly and cul­tur­al­ly expe­ri­enced ‘affront to male hon­our’ – which leads to acid attacks. They are among the most bru­tal forms of vio­lence: the acid poured over the face and body very quick­ly eats through skin and tis­sue down as  far as the bone; the results are always dis­fig­ure­ment and often per­ma­nent dis­abil­i­ty.

The per­pe­tra­tors are almost always male, the vic­tims pre­dom­i­nant­ly female. The plas­tic surgery per­formed at ASF can only cor­rect the dam­age par­tial­ly. But the psy­choso­cial con­se­quences are grave: the vic­tims them­selves are often seen as being guilty and are stig­ma­tized; this results in the loss of social sup­port; social inter­ac­tion, mar­riage and hav­ing a fam­i­ly are much more dif­fi­cult; severe finan­cial bur­dens often fol­low. The per­pe­tra­tors are rarely pun­ished and often as a result of their bet­ter social sta­tus are able to con­tin­ue to exer­cise pres­sure on the vic­tims and threat­en them.
In order to pro­vide the psy­choso­cial and ther­a­peu­tic sup­port to the sur­vivors, ASF coop­er­ates with dif­fer­ent struc­tures since in rur­al regions there are prac­ti­cal­ly no psy­chother­a­peu­tic ser­vices. Two cas­es demon­strate that the effect of indi­vid­ual psy­chother­a­py is lim­it­ed and that also com­mu­ni­ty ser­vices must be pro­vid­ed, e.g. school­ing and employ­ment. To act against impuni­ty for the per­pe­tra­tors, ASF coop­er­ates as far as pos­si­ble with the jus­tice and police sys­tem and exer­cis­es polit­i­cal pres­sure. One case demon­strates how dif­fi­cult and time-con­sum­ing the pro­ce­dure can be until the per­pe­tra­tor is impris­oned. Inte­grat­ed med­ical, psy­choso­cial-ther­a­peu­tic and legal help can sup­port sur­vivors regain hon­our and self-respect.

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