Die Verschränkung von äußerer und innerer Realität bei politischer Verfolgung und Folter — Das Unrechtserleben bei den Betroffenen und Möglichkeiten therapeutischer Behandlung

Hier kön­nen Sie den Artikel “Die Ver­schränkung von äußer­er und inner­er Real­ität bei poli­tis­ch­er Ver­fol­gung und Folter — Das Unrecht­ser­leben bei den Betrof­fe­nen und Möglichkeit­en ther­a­peutis­ch­er Behand­lung” von Bir­git Möller und Frei­hart Reg­n­er aus dem Jahr 1999 herun­ter­laden:

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Den Artikel erschien auch in: Zeitschrift für Poli­tis­che Psy­cholo­gie, Jg. 7, 1999, Nr. 1+2, S. 59 — 86

Die Zusam­men­fas­sung des Texts kön­nen Sie hier lesen:

Poli­tis­che Repres­sion und Folter dienen der Absicherung von Herrschaft und zie­len neben dem Indi­vidu­um auch auf die Gesellschaft ab. Durch „Ver­wis­senschaftlichung“ und „Pro­fes­sion­al­isierung“ im Zusam­men­wirken mit mod­ern­ster Überwachung­stech­nolo­gie entste­ht ein Folter­sys­tem, das das Indi­vidu­um zer­stört und in seine psy­chis­chen Struk­turen ein­greift. Der Ein­satz sub­til­er  psy­chol­o­gis­ch­er und kör­per­lich­er Folter­meth­o­d­en und die daraus resul­tierende Regres­sion machen es dem Gefolterten zunehmend unmöglich, die Zer­störung als von außen kom­mend wahrzunehmen. Die externe Real­ität zwingt sich in die Psy­che des Opfers und beschädigt bzw. zer­stört dessen psy­chis­chen Struk­turen, was zur Aufrechter­hal­tung des repres­siv­en poli­tis­chen Sys­tems dient. Eine Experten­be­fra­gung mit Psy­chother­a­peutIn­nen von poli­tisch Ver­fol­gten zeigt, wie zen­tral in diesem Kon­text die Bedeu­tung des Unrecht­ser­lebens für die Gefolterten ist, und wie groß die Notwendigkeit, dieses ther­a­peutisch zu behan­deln, da andere Gefüh­le, wie Hoff­nungslosigkeit, Verzwei­flung, Ein­samkeit, häu­fig Sin­nver­lust, sich an das Unrecht­ser­leben binden. Retrau­ma­tisierende Erleb­nisse im Asyl­land wirken aggravierend und gen­er­al­isierend. Eine ther­a­peutis­che Hal­tung dazu kann sein, Partei für den Klien­ten zu ergreifen und das erlit­tene Unrecht zu bestäti­gen („vin­cu­lo com­pro­meti­do“). Poli­tisch bewußte Klien­ten haben häu­fig weniger starke Ungerechtigkeits­ge­füh­le, da sie die Logik des repres­siv­en Sys­tems erkan­nt und erwartet haben und von den direk­ten Tätern defokussieren kön­nen. Dies kann auch ther­a­peutisch genutzt wer­den („Kog­ni­tive Umstruk­turierung“). Poli­tis­ches Engage­ment, mit dem das Erlit­tene aktiv und öffentlich umge­set­zt wer­den kann (z.B. im Tes­ti­mo­ni­um), hat deshalb auch ther­a­peutis­chen Stel­len­wert. Die Ver­fol­gten lei­den am gesellschaftlich fort­geschriebe­nen Unrecht und der moralis­chen Unein­sichtigkeit der Täter. Wichtig ist daher eine Ent­pri­vatisierung des Erlit­te­nen im gesellschaftlichen Raum (bes. Gerichtsver­fahren gegen die Täter), durch die ein gesellschaftlich­er Schutzraum z.T. resti­tu­iert wird.

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